1. Region
  2. Mosel, Wittlich & Hunsrück

Schumann, Strauss und Romeo und Julia

Schumann, Strauss und Romeo und Julia

Zu einem Klavier-Rezital hatte der Musikkreis Springiersbach ins Kloster am Kondelwald eingeladen. Solistin des Konzerts war Guzal Enikeeva aus Taschkent.

Bengel. (gkl) Das konnte sich sehen - oder besser - hören lassen, was die junge Pianistin Guzal Enikeeva im romanischen Saal des Klosters Springiersbach zu bieten hatte. Die Tatarin hatte einige Überraschungen für ihr Publikum parat, sowohl bei den Werken des Rezitals als auch in der Interpretation.

Den Anfang machten die sieben Fantasiestücke, Opus 12, von Robert Schumann, die sie mit großer Hingabe präsentierte. "Warum?" hat Schumann einen der Sätze überschrieben und scheint damit seine geliebte Clara zu fragen, warum sie auf ihren Vater und nicht auf ihr Herz hört. Eine schmerzliche Fragestellung, die Enikeeva ohne Abstriche in Töne kleidete. Alles Leid, alle Sehnsucht des Liebenden kam zum Ausdruck.

Eine erste kompositorische Überraschung hatte die Pianistin, deren Spiel eine wundervolle Kombination der russischen Schule und der westlichen Spielkultur darstellt, mit den "14 Variationen und Fuge" von Richard Strauss parat. Dieses erst vor kurzem veröffentlichte Jugendwerk gab tiefe Einblicke in die Entwicklung des Meisters, stellt die Vorbilder der durchaus schon vorhandenen Eigenständigkeit des späteren Sinfonikers gegenüber.

Virtuos und tiefgründig



Auch wenn man die äußerst bemerkenswerten Fähigkeiten der Solistin außer Acht ließ, hatte sich alleine schon für dieses Werk der Besuch des Konzertes gelohnt.

Nach der Pause wandte sich Enikeeva dem alten, immer wieder neuen Thema "Romeo und Julia" zu. Zunächst mit fünf Teilen aus Sergej Prokofiews Opus 75, dann mit Peter Tschaikowskys Fantasie-Ouverture, die sie selbst für das Klavier eingerichtet hat. Man wusste nicht so recht, was man mehr an ihrem Spiel bewundern sollte - die äußerst virtuose Präzision ihrer ausgefeilten Technik oder die tiefgründige Erforschung des Notentextes. Beides war es wert, genauestens beachtet, nicht selten gar bewundert zu werden.