Schwarzbrot und Pünktlichkeit

MORBACH. (urs) Aus Anlass seines Silbernen Priesterjubiläums gibt der aus Morbach stammende Pater Peter Mettler Einblick in sein fast 20-jähriges missionarisches Wirken in Brasilien.

Wenn Pater Peter seinen Heimtort Morbach besucht, muss er schon einen Tag für die Reise einplanen. Allein der Flug vom brasilianischen Belo Horizonte nach Rio de Janeiro dauert eine Stunde, und weitere zehn Stunden braucht es bis nach Paris. Doch in fast 20 Jahren, die der 51-Jährige für die Ordensgemeinschaft "Missionare von der Heiligen Familie" in Brasilien wirkt, hat er sich daran gewöhnt. Ist es doch kein Vergleich zu den Strapazen früherer Missionare, die nach monatelangen Schiffspassagen später im Landesinnern oft gar nicht erreichbar waren. Dennoch waren Land und Leute für den Hunsrücker, der im Dezember 1988 erstmals in Rio eintraf, etwas völlig Neues. Abgesehen von der anderen Kultur musste er sich auf Empfindsamkeiten, Denken und Lebensrhythmus der Menschen einstellen. "Brasilien ist ein faszinierendes Land mit faszinierenden Menschen - aber als Deutscher hat man so gewisse Schwierigkeiten", räumt Pater Peter ein. Woran er sich vor allem gewöhnen musste, war die andere Einstellung zur Pünktlichkeit. "Oft habe ich stundenlang auf die Brautleute gewartet", erinnert er sich. Heute sieht er es mit anderen Augen, wenn alles auf die Braut wartet und diese dann "freudestrahlend in die Kirche einzieht". Denn die Hochzeitsfeier sei eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen eine Frau wirklich im Mittelpunkt stehe. Die Lebensfreude der Menschen kann jedoch nicht über die wirtschaftlichen und sozialen Probleme des Landes hinwegtäuschen. Dabei könnte Brasilien mit seinem Klima, dem Land und den Bodenschätzen ein Paradies sein, ist Mettler überzeugt: "Wenn nur der Reichtum gerecht verteilt würde." Umso beeindruckender ist für ihn die Herzlichkeit der Menschen. Nach der Papstwahl gratulierten zum Beispiel viele dem deutschen Pater. Denn Religion gehört laut Pater Peter in Brasilien zum Leben einfach dazu. Wirklich vermisst er eigentlich nur "deutsches Essen." Da im Landesinnern die tägliche Grundnahrung aus Reis und Bohnen besteht, sehnt er sich schon mal nach "einem guten Stück Brot". Ein Anlass, dem nachzugeben, bot sich etwa nach der Papstwahl. Aus der Stadt habe er Schwarzbrot, Wurst und sogar Sauerkraut mitgebracht und zu einem deutschen Essen eingeladen. Die Entscheidung, Missionar zu werden, war bei dem ältesten Spross der Morbacher Bücherei Mettler langsam gereift. Eine wesentliche Rolle spielte jedoch der Besuch des Internats der Ordensgemeinschaft in Biesdorf/Eifel. Im Zusammenleben und der Vorbildfunktion der Lehrer habe sich das langsam herausgebildet, so Mettler. 1974 wurde er Novize und legte ein Jahr später sein Gelübde ab. Nach seinem Studium der Theologie und Philosophie und der Weihe im September 1981 arbeitete Mettler sieben Jahre in Deutschland, bevor es ihn nach Brasilien zog. Die kurz vor dem Abschluss stehende Theologische Doktorarbeit hat ihn zwar vorübergehend nach Freiburg geführt. Unterrichten wird er jedoch voraussichtlich an der Ordens-Fakultät in Belo Horizonte. Zuvor wird Pater Peter aber sein Silbernes Priesterjubiläum feiern, und zwar am Sonntag, 15. Oktober, um 10.15 Uhr in der Morbacher Pfarrkirche St. Anna.