Schwarze Null bei Getränkeladen-Experiment

Die Ortsgemeinde Berglicht betreibt seit fünf Monaten einen Getränkeladen. Noch ist nicht entschieden, ob das Projekt auf Dauer fortgesetzt wird. Ortsbürgermeister Gerhard Oberweis strebt die Gründung eines Fördervereins an.

 Mal kommen viele, mal keiner: Bei Sonja Münster stehen nicht immer Kunden wie Ralf Reuter, Christian Becker und Sandra Reuter mit Maya (2) (von links) Schlange. TV-Foto: Herbert Thormeyer

Mal kommen viele, mal keiner: Bei Sonja Münster stehen nicht immer Kunden wie Ralf Reuter, Christian Becker und Sandra Reuter mit Maya (2) (von links) Schlange. TV-Foto: Herbert Thormeyer

Berglicht. Langsam, aber stetig erhöht sich die Zahl der Stammkunden im Getränkeladen in Berglicht. Rund 50 der 500 Dorfbewohner decken sich dort regelmäßig mit Bier, Cola und Sprudel ein.

Das Besondere an dem Geschäft: Es wird von der Ortsgemeinde betrieben. Einer der Kunden ist Stefan Bier. "Ich besorge mir immer hier meine Getränke. Der Laden ist gut fürs Dorf, ob man nun mobil ist oder nicht", sagt der Berglichter.

Ziel ist die Gründung eines Fördervereins



Dass es samstags und sonntags im Getränkeladen nach Vorbestellung auch frische Brötchen gibt, empfindet Stammkunde Christian Becker als besonderen Service: "Es sollten mehr Leute hier einkaufen, damit dieses Angebot erhalten werden kann."

Seit fünf Monaten betreibt die Gemeinde Berglicht den Laden zur Verbesserung der Nahversorgung der Bevölkerung. Ortsbürgermeister Gerhard Oberweis zieht eine positive Bilanz: "Grundsätzlich trägt er sich." Man habe sogar ein kleines Plus erwirtschaftet, das in die Gemeindekasse fließen soll.

Das Experiment soll über ein Jahr laufen, weil die Tageseinnahmen zwischen 20 und 200 Euro stark schwanken. Auch das Ergebnis während der Wintermonate soll mit in die Entscheidung einfließen, wie es mit dem Laden weitergeht.

"Wir werden wohl nach einem Jahr kaum über 15 000 Euro Umsatz kommen", vermutet der Ortschef.

"Ziel ist es, einen Förderverein zu gründen, der das Geschäft übernimmt", so Oberweis. Damit bekäme die Einrichtung durch Mitgliederbeiträge und Spenden ein finanzielles Fundament.

Der Verein übernehme dann auch alle Rechte und Pflichten, die mit einem Geschäft zusammenhängen, beispielsweise die Pflicht einer jährlichen Steuererklärung. "Er könnte aber auch Spendenquittungen ausstellen", weiß der Finanzbeamte.

Bislang trägt das Trio Gerhard Oberweis, Sonja Münster und Peter Jochem die Verantwortung. Zur Gründung eines Fördervereins soll die gesamte Dorfbevölkerung eingeladen werden.

"Dass die Ortsgemeinde ein Jahr lang als Unternehmerin auftreten darf, ist mit der Kommunalaufsicht abgesprochen", sagt der Ortschef. Ob vom Förderverein später für die Nutzung der Räume im Dorfgemeinschaftshaus eine Miete verlangt werden kann, muss noch geklärt werden. Mieteinnahmen seien jedoch in solchen Fällen durchaus üblich.

Im Rahmen des Demografiekonzeptes kann sich Oberweis auch gut ein Angebot für die ältere Generation im Dorfgemeinschaftshaus vorstellen: Mittagessen, Kaffee und Kuchen, zubereitet in der vorhandenen Küche und beliefert mit Getränken aus dem "hauseigenen" Laden.

Hier müsse aber erst der Bedarf ermittelt werden, betont der Ortsbürgermeister.

Gut läuft auch die Nutzung des Jugendraumes in dem Gebäude. Ein Projekt unter dem Motto "Jung trifft Alt" wäre eine weitere Idee, die Dorfmoderation direkt im Dorfgemeinschaftshaus in lebendige Projekte umzusetzen.

ExtraVorgeschichte: Die Dorfmoderation der Gemeinde Berglicht begann im Frühjahr 2009 (der TV berichtete mehrfach). Die Idee, einen Getränkeladen zu eröffnen, entstand aus einer Fragebogen-Aktion, in der jeder der rund 500 Bürger seine Wünsche zur Verbesserung der Lebensqualität äußern konnte. Arbeitskreise bildeten sich. Zunächst hatten sich die Bürger einen Lebensmittelmarkt gewünscht. Bald wurde klar, dass der allerdings eine Nummer zu groß für den Ort ist. Der Getränkeladen mit Verkauf von Backwaren nach Vorbestellung wurde im Mai eröffnet. (doth)

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