Schweine und Ziegen im Angebot

Nicht nur Wein wurde in Bernkastel verkauft. In früheren Jahrhunderten gab es sogar einen Schweinemarkt in der Moselstadt. Dies geht aus der "Berncast'ler Marktordung" vom 1. September 1846 hervor.

Bernkastel-Kues. (ger) Diese Verordnung war offensichtlich von großer Bedeutung, denn sie wurde als achtseitige Broschüre in gedruckter Form veröffentlicht und regelte genauestens die Standorte der Händler und ihrer Produkte. Laut Marktordnung fanden jährlich fünf Schweinemärkte und sechs Jahrmärkte statt. Zudem gab es jeden Samstag den Wochenmarkt auf dem Marktplatz. Dort durften Lebensmittel und andere Gegenstände des täglichen Bedarfes wie Irdengeschirr, Spinnräder, Regenschirme, Gebetbücher, Bilder, Schuhe, Wolle, Messer, Gabeln, Scheren und vieles mehr angeboten werden, die "per Schiebekarren oder Traglasten" gebracht werden konnten.

Fuhrwerke waren zum Transport nicht zugelassen. Daher wurden "Holz, Heu und Stroh auf dem Moselgestade" jeden Samstag angeboten. "Das Gestade vor der Post muss frei bleiben, damit die Postkutschen bequem zu- und abfahren können". Die Schweinsmärkte, die anderer Stelle der Marktordnung auch als Viehmarkt bezeichnet sind, werden als Neujahrsmarkt, Christmarkt, Dreikönigsmarkt, Lichtmessmarkt und Nikolausmarkt abgehalten. "Die Tage zu diesen Märkten werden öffentlich bekannt gemacht". Außerdem fanden im Frühjahr, Sommer und Herbst sechs Jahrmärkte statt wie beispielsweise der Halbfastenmarkt (Fastenzeit), der Michelsmarkt (September) oder der Simon-Judamarkt. Auf beiden Märkten, dem Schweine- und Jahrmarkt, durften neben Lebensmitteln und Haushaltsgegenständen angeboten werden: Pferde, Ochsen, Mast- und Zuchtschweine, Kühe, Ziegen und Schafe. Dieser elfmal jährliche stattfindende Schweins- bzw. Viehmarkt fand statt auf dem Gestade "vom Tonnenbrünnchen bis an Schmittges Haus". Interessant: Ein eigener Abschnitt der Marktordnung beschäftigt sich mit der "Vermeidung von Betrug" beim Abwägen von Lebensmittel wie Mehl und Butter. Darin heißt es, wenn ein Käufer das Wiegen verlangt, dürfe dies nur auf den beiden öffentlichen Mehl- und Butterwaagen geschehen. "Es ist bei Strafe verboten, private Waagen zu benutzen."

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