Schweinen geht es an den Kragen

BERNKASTEL-WITTLICH. Die Treib- und Ansitzjagden im Kreis waren bislang aus Sicht der Statistik erfolgreich. Was die Abschusszahlen der Wildschweine angeht, wird schon jetzt eine Steigerung gegenüber dem vergangenen Jagdjahr erwartet. Damals gab es im Kreis bereits Landesrekord.

Das erste Wochenende des neuen Jahres lieferte Rekord-Zahlen. Vom 2. bis 4. Januar wurden im Landkreis 230 Wildschweine erlegt. Kreisveterinär Dr. Joachim Wiedner: "So viele an einem Wochenende wurden noch nie gezählt." Und das ist nicht nur schön für den Jägerstolz. Mit Ködern und Kimme und Korn ist man in Wald und Flur unterwegs, um insbesondere die Schweinepest in den Griff zu bekommen, die im Jahr 2000 erstmals auch im Kreis Bernkastel-Wittlich nachgewiesen wurde. Hauptsächlich die Jägerschaft ist gefordert, mit hohen Abschusszahlen bei den Wildschweinen der Seuche Herr zu werden. Im vergangenen Jagdjahr, vom April 2002 bis zum März 2003, hatte der Landkreis in Bezug auf die Trefferquote der Grünröcke mit 5269 erlegten Wildschweinen landesweit die Nase vorn. Auf Platz zwei kam damals der Landkreis Rhein-Hunsrück mit 4246 Stück. Insgesamt wurden in Rheinland-Pfalz rund 50 000 Tiere geschossen. Auch für das aktuelle Jagdjahr, das erst Ende März endet, spricht die Statistik für eine weitere Rekordzahl. Alfons Kuhnen, Pressesprecher der Kreisverwal- tung, sagt auf TV -Nachfrage zur jetzigen Situation: "Nach derzeitigem Stand gehen wir davon aus, dass für das laufende Jagdjahr nochmals eine Steigerung der Strecken erreicht werden kann." Die Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich meldet nun folgende Zahlen aus der monatlich aktualisierten Statistik zu den Abschusszahlen/Strecken von Wildschweinen: Seit Beginn des Jagdjahres am 1. April 2003 bis zum 31. Dezember wurden 4 398 Sauen erlegt. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum waren es im Vorjahreszeitraum 4 056 (inklusive rund 50 bis 100 Wildschweine aus den Nachbarkreisen). Damit liegt man um 350 Stück über dem Vorjahresniveau. Und bereits damals konnte die Kreisgruppe im Landesjagdverband eine Steigerung von 35 Prozent gegenüber dem Jagdjahr2001/2002 vermelden. Vor einem Jahr hatte man zudem bei der Immunisierung mit einer Rate von 55 bis 60 Prozent die höchsten Erwartungen übertroffen, die durch die aufwändige Auslegung von Impfködern erreicht wurde. Kreisveterinär Joachim Wiedner zum neuen Stand, der der alte geblieben ist: "Die Immunitätsraten liegen nach wie vor zwischen 50 und 60 Prozent und befinden sich damit im Landestrend." Fünf Wildannahmestellen sind im Kreis eingerichtet. Pro dort registrierter und überprüfter Sau muss der Kreis mit einem Personal- und Sachkostenaufwand von zirka 25 Euro rechnen. Schon im Frühjahr 2003 verwies Landrätin Beate Läsch-Weber darauf hin, dass Schweinepestbekämpfung einen sehr langen Atem brauche. Im Oktober 2001 hatte der Kreistag die Entscheidung des Landes zur landesweiten Impfaktion zur Kenntnis genommen. Im Februar 2002 wurde mit dem Vergraben der ersten Köder begonnen. Kreisveterinär Joachim Wiedner machte damals deutlich: "Die Impfung ist kein Allheilmittel. Entscheidend bleibt, die Zahl der Tiere zu reduzieren. Nur kombiniert mit Schießen und Impfen kann man die Seuche zum Erliegen bringen." Die Statistik des Kreisveterinärs belegt den großen Aufwand der Impfaktion: "Bisher haben wir zwei komplette Impfjahre hinter uns (2002 und 2003). In den Impfjahren wurden an sechs Terminen Köder ausgebracht, je zwei Mal im Winter, im Sommer und im Herbst. Pro Jahr wurden insgesamt 196 800 Köder an die Jäger ausgegeben, das sind 32 800 Stück für jeden Termin. Für das Jahr 2004 sind wiederum sechs Auslagen geplant. Und die Jägerschaft bleibt nicht nur mit dem Spaten, sondern auch mit Kimme und Korn in Feld und Flur aktiv. Kreisjagdmeister Günter Vanck berichtet von der Moselregion, wo einmal an einem Vormittag 64 Sauen erlegt wurden und dann in der Nachbarschaft in mehreren Jagden insgesamt 114 Tiere gezählt wurden. Außerdem hat er gegen Ende des Jahres 2003 alle 223 Reviere angeschrieben. Günther Vanck: "Die Jagdpächter wurden alle aufgefordert, die Wildschweine weiterhin scharf und stark zu bejagen. Es besteht kein Anlass, sich nur aufgrund der Abschusszahlen zurückzulehnen."