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Schweinepest – Kreis Bernkastel-Wittlich ist bereit für Tag X

Landwirtschaft : Schweinepest – Kreis Bernkastel-Wittlich ist bereit für Tag X

Noch sind keine Tiere registriert worden, die an der afrikanischen Seuche erkrankt sind, aber die Gefahrenzonen rücken immer näher. Der Kreisagrarausschuss hat sich mit dem Thema befasst und einen Maßnahmenkatalog beschlossen.

Noch grassiert die Afrikanische Schweinepest nicht in Deutschland, aber der Landkreis Bernkastel-Wittlich bereitet sich auf die Stunde X vor. In der jüngsten Sitzung des Kreisausschusses für Landwirtschaft informierte Jutta Alt vom Veterinärdienst über die Situation.

„Das Thema wird uns noch intensiv beschäftigen. Wenn es hier auftreten sollte, dann kann der Apparat anlaufen“, sagt Landrat Gregor Eibes. Die Viruserkrankung ist für den Menschen nicht gefährlich, aber für die Tiere in der Regel tödlich. Und in Deutschland meldepflichtig.

Seit 2014 breitet sie sich von Georgien über Polen und die baltischen Staaten in der EU aus. Im Herbst vergangenen Jahres wurden erste Fälle in Belgien gemeldet.

„ASP breitet sich rasant aus“, sagt Eibes. Inzwischen habe man in Belgien befallene Gebiete eingezäunt, allerdings könnten die Straßen in diesen Gebieten nicht gesperrt werden. Über solche Lücken könnten befallene Wildschweine aus der Zone entkommen. „Es ist bei einem Ausbruch von ASP überhaupt nicht absehbar, um welchen Zeitraum es geht, wenn ein Katastrophenalarm ausgerufen wird.“ Um die Seuche zu stoppen, müssen alle befallenen Tiere getötet werden.

Doch wer kann solche Tiere von gesunden unterscheiden? Letztendlich müsse der gesamte Wildbestand dezimiert werden inklusive der Hausschweine, die gekeult werden müssen, um die Ausbreitung zu stoppen.

In Belgien wurden deshalb alle Hausschweine getötet. Zudem waren in den befallenen Gebieten Scharfschützen der belgischen Armee im Einsatz, um möglichst viele Wildschweine zu schießen.

Dennoch habe das Seuchengebiet nach einem halben Jahr eine Fläche von 500 Quadratkilometern erreicht. Die Maßnahmen hätten zwar eine Zeit lang gegriffen, seien aber insgesamt zu spät eingeleitet worden.

Besonders in Deutschland komme ein weiteres Problem hinzu, sagt Eibes und weist auf die Schwierigkeit hin, eine massive Dezimierung des Wildschweinebestandes politisch vertreten zu können: „Was würden wohl die Tierschützer dazu sagen?“

Jutta Alt weist darauf hin, dass das Virus auch in aus Osteuropa eingeführten befallenen Wurst- und Schinkenwaren bis zu 400 Tage überleben kann. Da reicht schon ein aus dem LKW geworfener Müllbeutel mit Nahrungsresten, um es weiterzuverbreiten. Ein Gegenmittel ist noch nicht in Sicht. „Das Virus hat einen Zwei-Schalen-Kern, die erste Schale kann man überwinden, die zweite noch nicht,“ sagt Alt.

Eine 100-prozentige Sicherheit gebe es eben nicht, bemerkte Eibes. Deshalb müsse man alles dazu tun, den Wildschweinbestand möglichst klein zu halten. Eibes: „Die Jagd mit künstlichen Lichtquellen ist nach wie vor verboten. Das müsste erlaubt werden. Da stehen wir uns in Deutschland selbst im Wege. Dazu kommt dann auch noch die Tierschutzdiskussion.“

Manfred Zelder vom Kreisbauernverband fordert: „Es sollten revierübergreifende Jagden veranstaltet werden. Das müsste finanziell vom Land unterstützt werden, aber die Umweltministerin lehnt das ab!“

Zudem sollen Anreizsysteme für die Jägerschaft geschaffen werden, mehr Wild zu schießen.

Um sich auf einen möglichen Ausbruch vorzubereiten, hat der Ausschuss ein Maßnahmenbündel beschlossen:
In Thalkleinich und in Hetzhof sollen spezielle Wildannahmestellen für verseuchte Tiere geschaffen werden. Außerdem werden Probensets an Jäger verteilt, die das Landesuntersuchungsamt zur Verfügung stellt. In den Hegeringversammlungen sollen Jäger nochmals informiert werden. Zudem wird eine Sachverständigengruppe eingerichtet.