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Schwerenöter wanderten in den Turm

Schwerenöter wanderten in den Turm

Ein imposanter Blickfang ist der aus dem Jahr 1357 stammende Alte Stadtturm im Herzen von Trarbach. Ganz in seiner Nähe, in der Grabenstraße, findet sich ein weiterer Wehrturm, der heute nur noch über eine Halbschale verfügt. "Die andere Hälfte wurde nach dem großen Stadtbrand vom 21. Juli 1857 abgerissen", berichtet Werner Ohletz, ehemaliger Leiter des Mittelmosel-Museums.

Traben-Trarbach. (GKB) Bis zu sieben Meter hoch und 845 Meter lang war die Mauer der mittelalterlichen Stadtbefestigung von Trarbach. "Sie wurde in der Regierungszeit von Johann III. (1331-1399), dem Sohn der Gräfin Loretta, errichtet", berichtet der Heimatkundler und Stadtführer Richard Ochs. Mit dem Mosel-, Schott- und Weihertor gab es drei wehrhafte Tore sowie insgesamt zehn Türme in der Stadt. Gut erkennbar ist dies auch auf einem Merian-Stich aus dem Jahr 1645.

Als Gefängnis diente der Turm in der Grabenstraße offensichtlich nicht, aber im Alten Stadtturm musste in Friedenszeiten so mancher Schwerenöter zeitweilig seine Strafe absitzen. Vom heutigen Haus der Ikonen habe es einst einen unterirdischen Gang zum Turm gegeben, sagt Ohletz. Eine Treppe führte hinauf in den ersten Stock, der Rest des Gemäuers war nicht begehbar.

Bis zu seiner Restaurierung im Jahr 2004, bei der er eine Aussichtsplattform erhielt und dank eines verzinkten Kegeldaches noch etwas an Höhe gewann, fristete der Turm ein Schattendasein in der Altstadt. Jetzt ist er ein Glanzpunkt mit Glockenspiel und frohen Festen, die sich zu seinen "Füßen" abspielen.

Richard Ochs besitzt eine lyrische Erzählung, die ein unbekannter Schriftsteller unter dem Titel "Der Sänger von Litzig" 1903 verfasst hat. Er gab sich das Pseudonym "Elmos", offensichtlich abgeleitet von "Mosel". Der Alte Stadtturm würde eine hervorragende Kulisse für das romantisch-skurrile Stück bieten, in dem es um die Befreiung des im Stadtturm festgesetzten Johann Sartor geht. Es fließt viel Blut in diesem Drama, und auch das Liebesleid kommt nicht zu kurz.

Stadtführungen bietet die Tourist-Information auch im Winter auf Anfrage an (Telefon 06541-83980). Ab Ostern können Gäste wieder regelmäßig die Stadt jeden Samstag mit versierten Führern kennenlernen.