Schwitzen in der Sauna statt auf der Kegelbahn
Reil · Das Hotel Weinhaus Nalbach in Reil war viele Jahrzehnte eine Hochburg für Kegeltouristen. Doch diese Kundschaft stirbt langsam aus. Gefragt ist heute Wellness. Hotelier Jürgen Schütz baut daher Saunen, Massageräume und ein Schwimmbad in den Keller seines Hotels und investiert 1,2 Millionen Euro.
Reil. Hochbetrieb herrschte in den 60er bis Mitte der 90er Jahre an Wochenenden im Hotel Weinhaus Nalbach. Die Kegeltouristen - zumeist aus dem Ruhrgebiet - reisten freitags an, brachten abends die Kugeln ins Rollen und feierten feucht-fröhliche Feste. Bier, Wein und Sekt flossen in der Kellerbar und an der Theke in Strömen. Bis zu 200 Gäste tummelten sich abwechselnd auf den Kegelbahnen und speisten anschließend im großen Saal des Hotels. Weil damals das Hotel nicht über genügend Zimmer verfügte, übernachteten viele Gäste bei Reiler Zimmervermietern.
"Es war ganz schön was los", erinnert sich Marianne Schütz, die Mutter des heutigen Inhabers Jürgen Schütz, der mit Ehefrau Heike das Haus seit 1996 führt.
Die Eltern von Marianne und Großeltern von Jürgen Schütz, Karl und Anna Nalbach, hatten das Haus 1937 gekauft und zunächst drei Gästezimmer eingerichtet. Karl Nalbach war ein investitions- und risikofreudiger Mann, der stets nach vorne blickte. Er vergrößerte das Hotel nach und nach und baute 1959 die Kegelbahn. Auch als Reiler Bürgermeister dachte er weitsichtig. Er setzte sich zum Beispiel Anfang der 50er Jahre gegen manchen Widerstand im Dorf für den Bau der Moselbrücke ein.
Im Winter ist nichts los
Den Mut und das vorausschauende Denken hat er offensichtlich an Enkelsohn Jürgen vererbt. Und Schwiegersohn Manfred war ähnlich gestrickt. Als er sich 1996 aus dem Geschäftsbetrieb zurückzog, machte er seinen Kindern die Auflage: "Wer den Betrieb übernehmen will, muss ein weiteres Gästehaus bauen." Sohn Jürgen griff zu, einige Jahre später stand das Gästehaus Mosel mit 16 Doppelzimmern. Insgesamt verfügt das Hotel Weinhaus Nalbach heute über 120 Betten und kommt im Jahr auf rund15 000 Übernachtungen. 25 Leute sind in dem Hotel beschäftigt. Aber es gibt ein Problem: Wie so viele andere vergleichbare Häuser an der Mosel läuft der Betrieb fast ausschließlich in der Saison von Anfang April bis Ende Oktober auf Hochtouren. Danach sinkt die Auslastung auf unter fünf Prozent. Nur über Silvester sind fast alle Zimmer belegt.
Mit dem Spa- und Wellnessbereich will Schütz dies ändern und erwartet in den ersten Jahren im Winter eine Auslastung von 30 Prozent. 1,2 Millionen Euro investiert er in den Umbau des Kellerbereichs. Wo einst die Kegelbahnen und die Sektbar untergebracht waren, entstehen auf 700 Quadratmetern Fläche zurzeit ein Schwimmbad, mehrere Saunen, Massage- und Anwendungsräume, Ruheräume, Empfangs- und Kaminzimmer. Am 15. Januar haben die Arbeiten begonnen, Ende des Jahres soll alles fertig sein.
Dann können die Wellness-Gäste in der Gemeinde "des heißen Steins" unter anderem eine Hot-Stone Massage buchen oder in einem Weinbergpfirsich-Bad den Alltag vergessen.