Freizeit : Mit 60 Sachen ungebremst in die Kurve 

Beim Seifenkistenrennen haben Kinder und Erwachsene viel Spaß. In Klüsserath besteht der Seifenkisten-Klub „Moselflitzer“ bereits seit 1984. Am Sonntag findet das 36. Rennen statt.

Die Fahrer stehen auf der Startrampe, die Klappe fällt, und los geht´s. Jetzt gilt es, möglichst ohne zu bremsen, die 300 Meter lange, abschüssige Strecke zu meistern. Dazu suchen die Fahrer, wie bei der Formel 1, die Ideallinie, nehmen die Kanaldeckel zwischen die Räder und fahren auf der Straßenseite, die die geringsten Schäden aufweist.

Viele der 25 Fahrer des Seifenkisten-Klubs Klüsserath bringen einiges an Erfahrung mit, beim Fahren ebenso wie beim Bau. Denn gerade beim Bauen sind etliche Vorschriften zu beachten, deshalb haben viele Fahrer mehr Respekt vor der technischen Abnahme ihrer Seifenkisten als vor dem eigentlichen Rennen. Das Gewicht spielt eine große Rolle, der Umfang wird gemessen, der Einschlag der Lenkung und vieles mehr.

Norbert Friedrich, Vorsitzender des Seifenkisten-Klubs Klüsserath und Präsident des Deutschen Seifenkisten Derbys, erklärt: „Es ist wegen der Fairness wichtig, dass alle mit den gleichen Bedingungen starten, gerade für die Kinder. Außerdem steht die Sicherheit an erster Stelle.“ Weiter sagt er: „Das einzige, wo es manchmal Schwierigkeiten gibt, ist das Gewicht. Da muss dann schon mal das Sitzkissen oder die Wasserflasche raus, damit es passt.“

Die Klüsserather nehmen pro Jahr an etwa vier bis fünf Seifenkistenrennen teil.

Sie haben sogar einen vereinseigenen Anhänger, mit dem sie die Kisten transportieren können. Norbert Friedrich berichtet: „Das Seifenkisten-Fahren ist ein Familiensport. Oft wird zusammen gebaut und gemeinsam zu den Rennen gefahren. Das ist beispielsweise bei Ben (11) der Fall. Er hat seine Seifenkiste gemeinsam mit seinem Vater gebaut, und sie später in grün, „Fendt-Grün“, wie er genauer erklärt, gestrichen. Einen dritten Platz bei den Europameisterschaften hat Mika (10) in der Juniorklasse erreicht. Mehr als 60 Stundenkilometer dürfen die Kisten nicht schnell sein. Insgesamt wird die Strecke bei einem Rennen viermal gefahren. Mika erzählt: „Man muss versuchen bei allen Läufen gut zu fahren, nur ein guter Lauf reicht nicht.“ Bei Seifenkistenrennen wird mit Lichtschranken auf die hundertstel Sekunde genau gemessen.

Der Seifenkisten-Klub, den es bereits seit 34 Jahren gibt, ist auch sozial aktiv. Insgesamt haben sie schon 12 000 Euro gespendet, sowohl im Ort, beispielsweise für die Orgel, als auch für die Tafel, Papillon, Meine Burg, ein Krankenhaus in Tansania, eine Schule in Ruanda oder ein Projekt in Brasilien.

Mit verschiedenen Kochbüchern, einem Saft-Stand bei Happy Mosel oder Events, die sie gestalten, haben sie das Geld zusammenbekommen. Größere Firmen sind es, die sie für Veranstaltungen buchen. Norbert Friedrich erklärt: „Zum Teambuilding gehen wir dann beispielsweise an den Nürburgring, die Firmenmitarbeiter bauen aus einem Bausatz gemeinsam eine Seifenkiste und anschließend fahren sie. Wir stehen dabei mit Rat und Tat zur Seite.“

Bisher haben sie das schon 30 bis 40 Mal gemacht. Auch beim Ferienspaß des Kreises Trier-Saarburg waren sie 28 Jahre lang dabei. Zwei Wochen lang haben sie, mit insgesamt 800 bis 900 Kindern, einen Ferientag gestaltet.

 Wer einmal selbst bei einem Seifenkistenrennen dabei sein will, der kann am 13. Mai beim 36. Klüsserather Seifenkistenrennen die Kisten und Fahrer in Aktion sehen. Es werden mehr als 40 Fahrer erwartet. Die Rennläufe starten um 13 Uhr. Gegen 17 Uhr sind die Rennen beendet.