Seine Werke sind nun in Wittlich zu Hause

Seine Werke sind nun in Wittlich zu Hause

Der Künstler Tony Munzlinger hat der Stiftung der Stadt Wittlich große Teile seiner Werke geschenkt. Die mehr als 2000 Exponate sollen künftig in wechselnden Ausstellungen in Räumen der Alten Posthalterei zu sehen sein, der "Casa Tony M.".

Wittlich. Einen Munzlinger haben viele Säubrenner daheim, besonders, wenn sie weggezogen sind: Seine Wittlich-Plakate mit der knallbunten Schweineinvasion, die ums Alte Rathaus, St. Markus und das Türmchen herumpurzelt und an der Seite einiger Säubrenner Dummheiten zu machen scheint, sind ein Grafik-Klassiker nicht nur für all die, die wenigstens optisch ein Stückchen Heimat in der Ferne dabeibehalten wollen.Bilder erzählen Geschichte


Andere haben mit Tony Munzlingers Hilfe griechische Klassiker lieben gelernt: Etwa die Reisen des Odysseus hat der Künstler genial ins Comic-Metier übersetzt, woraus ein Film "Unterwegs mit Odysseus" wurde. Und seine Heimat, egal ob das Pleiner Viadukt, die Weinberge der Mosel oder eine Landschaft mit Hochsitz bei Klausen, hat der 1934 in Wittlich geborene Maler und Cartoonist liebevoll mit unvergleichlicher Farbpalette auf Munzlinger Art unvergesslich gemacht. Meist erzählt der Künstler im Bild dazu noch seine spezielle Geschichte, gibt dem Betrachter einen ironischen optischen Fingerzeig zum Bedenken, der stets von Tiefe zeugt, nie oberflächlich ist. Davon können sich die Wittlicher und ihre Besucher bald in Munzlingers Heimatstadt selbst ein Bild machen.

Bürgermeister Joachim Rodenkirch hat es bei der Jubiläumsfeier "25 Jahre Stiftung Stadt Wittlich" im vergangenen November bereits angekündigt, jetzt ist es in trockenen Tüchern: Tony Munzlinger überlässt der Stiftung große Teile seiner Werke. Das haben Munzlinger und Bürgermeister Rodenkirch jetzt mit einem Schenkungsvertrag notariell besiegelt. Die geschenkten Arbeiten sollen ab Sommer dieses Jahres in Wechselausstellungen in der künftigen "Casa Tony M." in der Alten Posthalterei am Marktplatz und in anderen Räumen ausgestellt werden, wie die Stadt mitteilt.

"Ich freue mich über die Schenkung der Kunstwerke von Tony Munzlinger in Form einer Zustiftung an die Stiftung Stadt Wittlich, weil diese die Stadt nochmals um ein kulturelles Highlight bereichern wird, was letztendlich unseren Anspruch als Kulturstadt unterstreicht. Teile dieser Schenkung werden wechselweise in den beiden oberen Etagen der Alten Posthalterei am Markt, in der "Casa Tony M.' gezeigt und damit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Tony Munzlinger ist Zeit seines Lebens seiner Heimatstadt treu geblieben und seine Schenkung ist ein Zeichen seiner Verbundenheit mit Wittlich", sagt Bürgermeister Joachim Rodenkirch, der gleichzeitig Vorstandsvorsitzender der Stiftung Stadt Wittlich ist.Jazz ist weitere Leidenschaft


Die Schenkung umfasst 2000 Zeichnungen, 70 Originalgrafiken und weitere 120 Werke zu Themen wie "Danse Macabre", "La Morte", "Ohne Narkose", "Fahndungsportraits", "Cartoons", "Odysseus", "Herakles", "Grottlinger", "Farphalli", "Namibia", "Kinderbücher". Darunter sind zudem vier großformatige Wandbilder, 50 geätzte Originaldruckplatten, Originalfilme und Tonbänder für Fernsehserien und Trickfilme, Keramikobjekte, eine Plakat- und Postersammlung, umfangreiches Film-, Bild- und Textmaterial als Archivmaterial sowie Kataloge, Bücher, Postkarten, Grafiken und Poster für den Verkauf im Museumsshop.
"Mit der Schenkung verbunden sind auch die Nutzungs-, Verwertungs- und Abbildungsrechte durch die Stiftung Stadt Wittlich", wie Stadt-Pressesprecher Jan Mußweiler mitteilt.
Tony Munzlinger lebt derzeit in Strela di Compiano im ligurischen Apennin. In den 1950er und beginnenden 1960er-Jahren lebte der vielseitige Künstler in Köln. Besondere Aufmerksamkeit erzielte er 1965 mit seinem heute vergriffenen Buch "Jazz — Fort Cats only", eine Hommage an die großen Jazzmusiker, vornehmlich amerikanischer Herkunft. Die Illustrierte "LIFE" widmete diesem Buch mehrere Seiten und das Cover: Eine Auszeichnung, die nur selten deutschen Künstlern oder Fotografen zuteil geworden ist.
Tony Munzlinger hat in seiner Heimatstadt, die er regelmäßig besucht, noch viele Freunde. Wer dem hell gekleideten Herrn mit der meist ins nun weißgraue Haar geschobenen Brille begegnet, lernt einen wachen Menschenfreund kennen, der gerne lacht und neben Grafik und Malerei der Jazzmusik sehr verbunden ist.Meinung

Foto: (m_wil )
Foto: klaus kimmling ("TV-Upload kimmling"

Zeitgenössisch und zeitlos
Munzlingers Arbeiten haben eine zeitlose Frische, die nicht nur ausgewählte Kunstliebhaber begeistert. Die Werke sind klug, aber nicht elitär, sie sind nah am Menschen, unerhört unpathetisch, und das ist gut so. Wem nichts Menschliches fremd sein will, dem wird manches gefallen, der wird auch über bittere Pointen im Bild lächeln können. So ist das Leben, das er aber auch bunt verrückt zeigt. Dass Munzlinger seine Arbeiten in seiner Heimat zu Lebzeiten in guten Händen wissen kann, ist erfreulich - auch für die Stadt. s.suennen@volksfreund.de