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Seit 20 Jahren: Rock im Wald in Wittlich

Seit 20 Jahren: Rock im Wald in Wittlich

Das Festival Rock im Wald, bei dem Menschen ohne und mit Behinderung auftreten, feiert sein 20-jähriges Bestehen.

"Padi, Padi", rufen Sprechchöre aus dem Publikum, bevor das neue Stück "Traum", das Sänger Patrick "Padi" Fett geschrieben hat, zum ersten Mal auf der Bühne gespielt wird. Schon vorher ist das Publikum gut gelaunt und kann einige der Liedtexte mitsingen. Dabei ist es ein besonderes Publikum, denn rund die Hälfte der Zuschauer hat eine Behinderung. Einige stehen mit ihren Rollstühlen vor der Bühne, vereinzelt haben Personen einen Helm an, andere werden gefüttert oder haben Einschränkungen anderer Art. Aber sie tanzen alleine oder zu zweit, man umarmt sich und schnell kommen alle, ob mit Behinderung oder ohne, miteinander ins Gespräch.

Die Musik und das Feiern stehen im Mittelpunkt des Festivals.

Einschränkungen verschwimmen schnell im Sound der Bands. Vor dem Zelt sitzen bei angenehmen Temperaturen Menschen auf der Mauer oder stehen an Stehtischen, um sich bei einem Getränk zu unterhalten. Es sind die Eltern der Bandmitglieder, Mitbewohner und Bewohner anderer Einrichtungen der St. Raphael Caritas Alten- und Behindertenhilfe. Dazu kommen Menschen aus Wittlich und der näheren Umgebung, aus Trier, Saarburg, Mayen und Cochem, die eigens nach Wittlich zu Rock im Wald anreisen.

Den musikalischen Anfang macht Big-Gig. Die Band rockt die Bühne im Cowboystil, bei dem Folk- und Country Elemente zu hören sind. Dann ist das Heimspiel von My Rock King Rico dran. Zuerst gibt es einen Mikrofoncheck der Sänger, von denen drei eine Behinderung haben, dann wird ein Lied kurz angesungen, um die Technik zu überprüfen und schließlich geht es los: "Hier ist My Rock King Rico. Seid ihr alle da?", ruft Udo Bohn. Die Menge ruft: "Ja", und Schlagzeuger Jörg Bohn gibt mit seinen Stöcken, die er gegeneinander schlägt, den Takt vor. Schon mit den ersten Textzeilen von "Viele Leute kommen in die Stadt", bewegen sich die ersten Besucher. Die Texte der Band decken eine große Bandbreite ab, vom Alltag in der Stadt übers Verliebtsein bis hin zu den Ängsten über die politische Situation auf der Welt. In einem Stück heißt es: "Alles wird schlimmer, warum gibt es auf der Welt so viele Spinner?"

Dabei lässt die Musik völlig vergessen, dass Bandmitglieder eine Behinderung haben. Sie singen gemeinsam ins Mikrofon, spornen das Publikum an, haben Augenkontakt zu ihm, spielen im Takt Luftgitarre oder haben bei den ruhigeren Passagen die Augen geschlossen und geben sich der Stimmung hin.

Anschließend übernimmt Kent Coda auf der Bühne mit orientalischem Indie Rock. Den Schluss macht um 23.30 Uhr die Gruppe Herr Müller und sein Chauffeur, die deutschsprachig singt und mit vielen Gitarrenelementen den Abend ausklingen lässt.

Insgesamt sind 60 Ehrenamtliche im Einsatz, das ab Anfang des Jahres geplant wird. Ilona Klein, Einrichtungsleiterin von Maria Grünewald, St. Raphael Caritas Alten- und Behindertenhilfe: "Das ist hier ein eingespieltes Team. Beim 20. Festival sind viele seit Jahren dabei, und jeder weiß, was er zu tun hat."