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Seit 55 Jahren im Dienst: Berglichter Lizzi Petry vom Gasthaus zur Post

Heimat : Treffpunkt? Bei Lizzy am Tresen!

Seit 55 Jahren im Dienst: Es brauchte schon eine weltweite Pandemie, um sie auszubremsen – doch die Berglichter Gastwirtin Lizzi Petry ist optimistisch, dass sie bald wieder öffnen kann.

„Beim Lizzi“ treffen sie sich seit 55 Jahren: Leute aus dem Dorf und den Nachbarorten, Wallfahrer ebenso wie Durchreisende oder Urlauber. Das Berglichter Gasthaus „Zur Post“ ist ein beliebtes Lokal. Entscheidenden Anteil daran hat Wirtin Felizitas Petry, die alle nur Lizzi nennen.

Sie begrüßt jeden Gast mit einem Lächeln, findet immer den richtigen Ton, und hat für alle Anliegen ein offenes Ohr. Dabei wurde sie nicht etwa in den Betrieb mit Land- und Gastwirtschaft hineingeboren. Die aus Breit stammende gelernte Schneiderin heiratete vielmehr ein, womit die Weichen für ihren beruflichen Werdegang umgestellt wurden.

„Früher war das so – das hat man dann einfach so gemacht“, sagt die 78-Jährige, die das Lokal seit 25 Jahren alleine betreibt. Ehemann Alfons, der im Beruf des Bauern und Viehhändlers aufging, starb bereits 1995 mit nur 61 Jahren.

Dass Lizzi vom Gaststättenbetrieb „überhaupt keine Ahnung“ hatte, wie sie gesteht, sollte sich schnell ändern. Denn in der Dorfwirtschaft war damals immer viel zu tun. Allerdings stand sie nie alleine da in dem eingespielten Familienbetrieb: Schwiegereltern und Schwägerin packten ebenso mit an wie weitere Verwandte. Unverzichtbar war das vor allem bei größeren Veranstaltungen. In der Wirtschaft wurden Hochzeiten, Geburtstage und Taufen gefeiert und ebenso Beerdigungen ausgerichtet. Außerdem diente sie als Vereinslokal, in dem zeitweise täglich Gruppen tagten oder probten. Und Kirmes wurde auch gefeiert. „Alles hat sich hier abgespielt“, sagt Lizzi, die gern daran zurückdenkt, als fast jedes Wochenende was los war. Bis zum Bau des 2007 eingeweihten Dorfgemeinschaftshauses sei ihr Saal ja der einzige im Ort gewesen.

Dass in der Post ständig etwas los war, erleichterte es ihr als junger Frau aber auch, sich zügig einzuarbeiten. So perfektioniere sie beispielsweise ihre Kochkünste, indem sie Köchen, die bei größeren Veranstaltungen in der Post halfen, über die Schulter schaute. Lizzis gutbürgerliche Küche genoss weit über den Ort hinaus einen guten Ruf. Gäste, die sich davon persönlich überzeugen wollten, konnten das zudem täglich tun. Denn die Dorfgaststätte war sieben Tage die Woche geöffnet. Es sei „von morgens bis abends“ durchgearbeitet worden. „Einen Ruhetag hat es nicht gegeben“, erzählt die Mutter zweier Töchter und dreifache Großmutter.

Und es seien auch immer Gäste im Haus gewesen. Nicht nur sonntags, wenn die Wirtschaft nach der Messe oft zu klein gewesen sei, sondern auch wochentags. Zur Wallfahrtszeit kehrten zudem größere Busgesellschaften in der Post ein, um dort zu essen.  Sie habe viele schöne Zeiten erlebt, sagt Lizzi, der andererseits aber oft nur wenig Zeit für Freizeit und Familie blieb. Daher kann sie verstehen, dass Töchter und Schwiegersöhne die Gaststätte, in der auch sie früher mithalfen, nicht weiterführen wollen.

Sie selbst ist aber, wenn derzeit auch coronabedingt ausgebremst, weiterhin fast täglich im Lokal. Allerdings bleibt seit etwa drei Jahren die Küche kalt. Gäste können aber nach wie vor etwas trinken. Der Betrieb sei noch immer gut gewesen, erzählt die Wirtin. Erst mit Beginn der Corona-Pandemie sei es verhaltener geworden.

Dennoch hofft sie, dass sie bald wieder täglich, außer dienstags, ab 10 Uhr öffnen kann. So wie zwischen den Lockdowns, als das mit den vorgeschriebenen Sicherheitsvorkehrungen ganz gut gelaufen sei.