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Seit einem Jahr hat das Nationalparkamt im Hunsrückhaus das Sagen.

Ein Jahr nach dem Eigentümerwechsel : Ein Stresstest für den Nationalpark

Seit knapp einem Jahr haben die Verantwortlichen des Nationalparks Hunsrück-Hochwald im und rund um das Hunsrückhaus am Erbeskopf das Sagen. Das erste Jahr war für sie eine große Herausforderung. Die Männer und Frauen rund um Dr. Harald Egidi mussten nicht nur den Basisbetrieb sicherstellen, sondern auch mit den Folgen der Corona-Pandemie und zwei Lockdowns umgehen. Wie ist ihnen das gelungen?

Das Hunsrückhaus hat im Dezember vergangenen Jahres für einen Euro den Eigentümer gewechselt. Seit der Eröffnung im Jahr 2000 wurde es vom Zweckverband Wintersport-, Natur- und Umweltbildungsstätte Erbeskopf betrieben. Mit der Umwandlung in eines der drei vorgesehenen Nationalparktore für den Nationalpark Hunsrück-Hochwald gehört die Hunsrückhaus-Immobilie seit Dezember vergangenen Jahres Landesforsten, sprich dem Land. Hausherr ist Dr. Harald Egidi, Leiter des Nationalparkamtes. Und was heißt das konkret? Die Antwort gibt Sören Sturm, beim Nationalparkamt in Birkenfeld zuständig für Umweltbildung und Kommunikation: „Nun arbeitet der Zweckverband mit uns zusammen, und wir sind quasi in die Rolle des Richtliniengebers gekommen.“ Rollen hätten geklärt werden müssen, zusätzliche Aufgaben mussten verteilt werden, ohne dass sich die Personalstärke geändert hat.

Eigentümerwechsel Der Eigentümerwechsel sei „wichtig und richtig“ gewesen, sagt Sturm weiter. Allerdings: Der Verhandlungszeitraum habe wichtige Entwicklungen „nicht beschleunigt“, betont er. Im Zeitraum der Verhandlungen zwischen Land, Nationalparkamt und Zweckverband hätten weder Verkäufer noch Mieter Investitionen  ins Gebäude getätigt.

Bilanz Und wie ist das Jahr 2020 gelaufen? „Turbulent“, sagt Sturm. Und dabei hat Corona offenbar eine große Rolle gespielt. Zunächst hätte – nach dem Eigentümerwechsel – erst einmal der Basisbetrieb sichergestellt werden müssen, schildert Sturm. Die Verantwortlichen hätten  die Qualität am Standort verbessern und Synergien mit weiteren Betreibern etwa der Sommerrodelbahn, den Mountainbike-Trails und dem Kletterpark besser nutzen wollen. Aber plötzlich habe man über „Abstände, Einbahnstraßenverkehr, mehr Gäste auf den Traumschleifen und Konflikten zwischen down­hill-begeisterten Radfahrern und Kinder auf einem angrenzenden Spielplatz“ intensiver nachdenken müssen. Zweifelsfrei war „die Zahl der Gäste im Nationalpark so hoch wie nie“, sagt Sturm weiter. Auf einigen Traumschleifen habe man sicher doppelt so viele Besucher gehabt wie in den Vorjahren. Genaue Zahlen gebe es aber nicht. „Das war teilweise ein Stresstest, den wir so in Zukunft sicher vom Gästeaufkommen dauerhaft bestehen müssen“, sagt Nationalpark-Amtschef Egidi.

Nationalparktor Wie viele Besucher in diesem Jahr die Ausstellung im Nationalparktor am Erbeskopf besucht haben, lässt sich trotz Hilfsmitteln gar nicht so genau beziffern. Es gebe zwar Lichtschranken, die am Eingang und Ausgang messen, wie viele Menschen die Mess-Stellen passieren, aber da würden  eben auch Mitarbeiter gezählt, die in der Ausstellung zu tun hätten. Die Lichtschranken hätten vor dem Lockdown vor allem dazu gedient, dass sich nicht zu viele Gäste gleichzeitig in der Ausstellung befänden. Gerade wegen der Pandemie seien die Besucherzahlen der Schau erheblichen Schwankungen unterworfen gewesen. Im Nationalparkamt geht man für die Zeit, in der das Nationalparktor geöffnet war, von einem Durchschnittswert von rund 3000 Besuchern im Monat aus. Und dieser Wert sei durchaus mit dem von 2019 zu vergleichen. 

Arbeiten Am Nationalparktor hatten sich die neuen Verantwortlichen einiges vorgenommen. Der Boden im Untergeschoss sei abgeschliffen worden. Eine Leseecke sei bereits eingerichtet. Informationsstelen seien produziert worden. Eine wichtige Aufwertung im Umfeld des Hunsrückhauses sei die Einweihung des Steges am Ehlesbruch, ein für die Region typisches Hangmoor, gewesen (der Volksfreund berichtete). Dorthin führt eine drei Kilometer lange sogenannte Kleine-Moor-Tour. 

Außenausstellung Und was ist mit der Außenausstellung? Sie „wurde inhaltlich weiterentwickelt und kann nun auch baulich umgesetzt werden. Eine Agentur wurde mit der Umsetzung beauftragt“, sagt Sturm. Fertig ist sie allerdings noch nicht, ursprünglich sollte das  im Herbst dieses Jahres der Fall sein. Doch da mache sich eben laut Sturm die Auswirkungen von Corona und des ersten Lockdowns bemerkbar. Bei der beauftragten Agentur Kunstraum aus Hamburg, so der Sprecher weiter, habe es Verzögerungen bei anderen Projekten gegeben, sodass sich der Zeitplan nach hinten verschoben hätte. „Wir sind aber zuversichtlich, dass wir im Sommer 2021 die Außenaustellung einweihen können.“ Aus dem Sinnesgarten neben dem Nationalparktor soll eine Ergänzung der Innenausstellung werden. Die Gäste können sich  künftig informieren, was sie in ihrem Alltag für mehr Nachhaltigkeit tun können. Die Kosten für die Außenanlage belaufen sich auf 250 000 Euro. 750 000 Euro habe man bereits für die Ausstellung ausgegeben.

Vorteile durch Corona? Gab es durch die Pandemie auch Vorteile? Offenbar. Sturm: „Es gab kleinere Maßnahmen, die durch die Schließzeiten im Hunsrückhaus auch einfacher umgesetzt werden konnten.“ Der Fußboden habe während des ersten Lockdowns problemlos abgeschliffen werden können. Ähnliches galt für Infomodule und -Stelen, die aufgestellt werden konnten oder ein neuer Fernseher, der auf die Angebote hinweist. Auch die große Zahl der Gäste auf den Traumschleifen können sicher auf Corona zurückgeführt werden.

App Hunsrückhaus zu, Rangertouren ausgesetzt? Das stellte die Mitarbeiter vom Nationalparkamt bei wachsendem Besucherinteresse vor neue Herausforderungen. Schließlich hält man in Birkenfeld den Nationalpark für durchaus systemrelevant. Der Nationalpark sei sicher nicht auf einer Ebene mit Apotheken, Einzelhandel oder Banken, die unmittelbare Systemrelevanz haben, zu nennen, betont Nationalpark-Chef Egidi:  „Wir sind aber ein herausragender Erholungsraum. Ein Ort, wo Menschen einen Ausgleich suchen. Sei es für einen Tapetenwechsel. Für Ruhe und Natur oder auch nur für frische Luft.  Der Nationalpark bietet auch während eines Lockdowns ein regelkonformes Angebot. Diese Bedeutung ist in Zeiten zunehmender körperlich-seelischer Belastung infolge gefühlten ,Eingesperrt-Seins’ nicht zu unterschätzen.“ Deshalb sei er sehr froh, mit der neuen Nationalpark-App eine kontaktlose, digitale Begleitung anbieten zu können.

Denn diese ging zeitnah zum ersten Lockdown im Mai an den Start. Mit ihr können sich Besucher digital durch das Schutzgebiet  führen lassen. Sie wurde inzwischen rund 10 000 Mal heruntergeladen. Das ist deutlich mehr, als sich die Verantwortlichen erhofft hatten.  Die App spricht Menschen auf Deutsch, Englisch und in Gebärdensprache an, mit und ohne Netz (offline). Und derzeit eben outdoor. 

Erneuter Lockdown Das Nationalparktor mit Ausstellung und Bistro bleibt  wegen des sogenannten Wellenbrecher-Lockdowns bis auf Weiteres geschlossen.  Die Nationalpark-Akademie habe man für 2020 komplett auf Eis gelegt, ebenso wie die Feierlichkeiten zum fünften Geburtstages des Nationalparks im Jahr 2020. Aus dem ersten Lockdown im Frühjahr habe man offenbar viel gelernt. Das Nationalparkamt sei inzwischen deutlich handlungsfähiger. Zum Beispiel: Netzwerktreffen, Vergaberatssitzungen und andere Versammlungen könnten zum größten Teil digital stattfinden. Und: „Gäste können alleine, zu zweit oder als Familie trotzdem mit der App auf eine unserer Touren gehen, einfach die Natur auf einer der Traumschleifen als Wanderer oder als Radfahrer eine der zehn Radquerungen nutzen.“

Radfahren Aber ist denn nicht Radfahren im Nationalpark verboten? Sturm nutzt die Gelegenheit klarzustellen: „Radfahren im Nationalpark ist erlaubt! Auf mehr als 200 Kilometern ausgewiesenen Wegen.“ Davon machten Tourenfahrer, Crossbiker, Rennradfahrer und Mountainbiker –  mit oder ohne E-Motor Gebrauch. „Und wir freuen uns darüber.“ Dass das Radfahren auf Traumschleifen generell nicht möglich sei, dem widerspricht Sturm. Es gehe vielmehr darum, dass da, wo Schmalstellen  entstehen, es für Fahrradfahrer parallele Streckenführungen gebe.

Ziele für 2021 Im Nationalparktor stehen weitere Vorhaben an: Das 20 Jahre alte Gebäude soll energetisch saniert und wegen der Barrierefreiheit mit selbstöffnenden Türen und Fahrstühlen versehen werden, sanitäre Anlagen müssen saniert werden (der Trierische Volksfreund berichtete). Für den Nationalpark übernimmt der Landesbetrieb Liegenschaftsbaubetreuung (LBB), den Aus- und Umbau.

Dafür stehen dem Landesbetrieb rund 750 000 Euro in den kommenden zwei Jahren zur Verfügung. Rund um das Nationalparktor soll ein Standort aus einem Guss entstehen. Dazu will man sich mit allen Akteuren am Erbeskopf an einen Tisch setzen: von den Betreibern der Sommerrodelbahn bis zu denen des Kletterparks.