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Seit zehn Jahren ist St. Paul in Wittlich eine Autobahnkirche

Kirche : Das Unikat feiert zweifaches Jubiläum

Sie ist eine von 44 in Deutschland und eine von zweien in Rheinland-Pfalz: die Autobahnkirche St. Paul in Wittlich-Wengerohr. In diesem Jahr trägt sie diesen Titel seit zehn Jahren. Das sollte, genauso wie das Jubiläum 50 Jahre Kirchweih, gefeiert werden. Doch wegen Corona ist alles anders.

1969 ist der Grundstein für die Kirche St. Paul in Wittlich-Wengerohr gelegt worden, im Juli 1970 wurde sie eingeweiht. Seit zehn Jahren ist das markante Gotteshaus, nach dem mittlerweile ein Ortsteil von Wengerohr benannt ist und das neben dem alten Missionshaus der Steyler Missionare liegt, eine Autobahnkirche – zwei Jubiläen, die in diesem Jahr am 28. Juni, einen Tag vor dem Patronatstag von Peter und Paul (29. Juni), gefeiert werden sollte.

Zwei Gottesdienste und mehrere Veranstaltungen seien geplant gewesen, wie Wolfram Viertelhaus und Peter Binzen, Vorsitzender und Stellvertreter im Freundeskreis der Kirche, sagen. Beide sind bereits seit langem der Kirche verbunden. Viertelhaus: „Wir sind früher gerne mit unseren Kindern hierher gekommen, durch die quadratische Bauart haben sie von allen Plätzen aus gut gesehen“, sagt Viertelhaus. Die Kirche sei unter dem Eindruck des Zweiten Vatikanischen Konzils gestaltet worden, sie hat ein Zeltdach, im Inneren sind auf drei Seiten des in der Mitte platzierten Altars jeweils vier Bankreihen angebracht (siehe Info). „Wir hängen alle sehr an der Kirche“, sagt Viertelhaus über seine Familie und die Kirche.

Doch als 2007 die Steyler Missionare das Missionshaus St. Paul verließen und das Kloster verkauft wurde, war die Zukunft des Gotteshauses offen. Und so kam die Idee, die Kirche zu einer Autobahnkirche zu entwickeln. Die Idee wurde vorgetragen auf der Konferenz der Autobahnkirchen, die das Vorhaben befürwortete. Und der Plan gelang, dem Antrag an die weiteren nötigen Stellen wurde stattgegeben. „Auch wenn wir ein Kriterium nicht ganz erfüllen“, sagt Wolfram Viertelhaus lachend. „Statt der erforderlichen Entfernung von maximal einem Kilometer von der Autobahn sind wir rund 1,2 Kilometer von der A 1 entfernt“, ergänzt der Pädagoge.

Derzeitiger Eigentümer der Kirche ist die Immobiliengesellschaft St. Paul. Der Förderverein, der aktuell nach eigenen Angaben rund 220 Mitglieder hat, ist Pächter der Immobilie und organisiert im Jahresverlauf die kulturellen Veranstaltungen, die zahlreichen ökumenischen Gottesdienste sowie die Organisation der Kirche, die täglich geöffnet und abends wieder abgeschlossen werden muss, den Blumenschmuck und die Bereitstellung von Kerzen, die Gläubige anzünden können. „Pro Jahr verkaufen wir etwa 5000 Stück davon“, sagt Viertelhaus. Mit dem Verkauf der Kerzen, der Kollekte aus den Gottesdiensten, den kulturellen Veranstaltungen und Spenden finanziert der Verein den „Betrieb“ der Kirche, eine finanzielle Unterstützung von kirchlicher oder staatlicher Seite gibt es nicht.

Anfang des Jahres hat der letzte Steyler Missionar Dr. Ralf Hunning St. Paul verlassen, ein Nachfolger ist nicht zu erwarten. Wegen Corona und der aufgeschobenen Synodenreform wurden die Verhandlungen mit dem Bistum über eine eventuelle finanzielle Beteiligung verschoben. Die Zukunft von St. Paul ist also ungewiss. „Uns fehlt der Nachwuchs im Freundeskreis“, sagt Wolfram Viertelhaus.

Gefeiert werden soll das Doppeljubiläum 50 Jahre St. Paul und zehn Jahre Autobahnkirche aber auf jeden Fall im kommenden Jahr vor und in der Kirche, wie Peter Binzen und Viertelhaus sagen. Einen Gottesdienst soll es schon in diesem Jahr Ende Juni geben: am 28. Juni um 10.30 Uhr. 

Die Autobahnkirche St. Paul ist vom 1. April bis 30. September von 8 bis 20 Uhr sowie vom 1. Oktober bis 31. März jeweils von 9 bis 18 Uhr offen. Wer an der Eucharistiefeier am 28. Juni teilnehmen möchte, muss sich unter der Angabe der Kontaktdaten anmelden bis Freitag, 26. Juni, per E-Mail an Anmeldung.St.Paul@gmail.com oder Donnerstag und Freitag, 25. und 26. Juni, telefonisch jeweils zwischen 16 und 18 Uhr: Telefon 06571/952240.