SEK, MEK, PS - Was machen eigentlich die Wittlicher Spezialeinheiten?

Kostenpflichtiger Inhalt: Serie Polizeiarbeit Teil 4 : SEK, MEK, PS - Was machen eigentlich die Wittlicher Spezialeinheiten?

In Wengerohr gibt es viele Einheiten der Polizei, die es sonst in der Region an keinem anderen Standort gibt. In diesem Teil der TV-Serie zur Polizeiarbeit geht es um die Aufgaben der Spezialeinheiten.

Mitten in der Nacht aufstehen, die schwere Ausrüstung anlegen und los geht’s zum Einsatz: Das ist im Alltag der Einsatzkräfte beim Spezialeinsatzkommando (SEK) nicht selten. Andy möchte seinen vollen Namen nicht nennen, um sich selbst und seine Familie zu schützen, denn er gehört dem SEK an. „Wir hatten letzte Nacht gegen drei Uhr einen Einsatz, also nicht wundern, wenn ich ein bisschen müde aussehe“, sagt Andy und lacht.

Sein Chef ist Andreas Michel, er leitet die Spezialeinheiten (SE) in Rheinland-Pfalz. „Wir sind immer etwas schüchtern, wenn es darum geht, viel über uns und unsere Arbeit zu verraten, das hat taktische Gründe“, erklärt Michel. Bereits die Art, wie sich die Beamten einem Einsatzort nähern oder zum Beispiel beim Betreten einer Wohnung vorgehen, könne den Tätern nämlich möglicherweise einen Vorteil verschaffen. Trotzdem haben die beiden sich bereiterklärt, von einigen Dingen aus dem Alltag der Spezialeinheiten zu erzählen.

In Wittlich-Wengerohr sind neben dem SEK und dem MEK auch der Personenschutz (PS) angesiedelt. Der Personenschutz kümmert sich beispielsweise um Zeugenschutzmaßnehmen oder auch feste Schutzpersonen – dazu zählen zum Beispiel Minister oder andere Politiker.

Seit die Spezialeinheiten im Jahr 2017 dem Mainzer Polizeipräsidiums Einsatz, Logistik und Technik (PP ELT) zugeordnet wurden, profitiere das seitdem größere Team von der neuen Gruppierung, sagt Andreas Michel. Die Spezialeinheiten umfassen insgesamt 289 Mitarbeiter in Rheinland-Pfalz. Man habe durch die Fusion mehr Leute zur Verfügung, die man schnell dort hinschicken könne, wo sie gebraucht werden. Das SEK soll jeweils innerhalb maximal einer Stunde an jedem Einsatzort sein können. Weitere Standorte in Rheinland-Pfalz gibt es noch in Mainz, Koblenz und Enkenbach-Alsenborn. „Oft brauchen wir aber keine Stunde, sondern sind schneller da“, erklärt Andy.

Die Spezialeinheiten rücken beispielsweise bei Terrorlagen oder zur Bekämpfung von sonstiger organisierter Kriminalität aus. „Wir sind aber zum Beispiel auch nach Wittlich gefahren, als da ein Mann mit einer Axt durch die Stadt gelaufen ist“, sagt Andy. „Wir fahren dann auch oft gemeinsam mit dem MEK raus.“ Auch bei der Beschlagnahmung mehrerer Hundert Waffen im Haus eines Mannes in Kordel war das SEK dabei.

Generell sei der Beruf des SEK-Beamten sehr trainigsintensiv, erklären die beiden Beamten. Häufig stünden dabei Schießübungen oder das Trainieren von Observationen auf dem Plan. Aber auch Einsätze mit Helikoptern oder das Vorgehen bei Terrorlagen unter Stress oder lauten Geräuscheinflüssen werden immer wieder geübt. Michel erklärt: „Wir ermitteln öfter auch mal langfristig, wie zum Beispiel in der organisierten Kriminalität, bis wir dann einen Zugriff starten, unsere Arbeit besteht also nicht ausschließlich aus Einsätzen.“

An einem Einsatzort angekommen, müssen die Beamten zusammenarbeiten – auch wenn sie von einem anderen Standort kommen und sich noch nie zuvor gesehen haben. Das funktioniert, weil alle SEK-Polizisten die gleiche Ausbildung bekommen und Regeln für ihr Vorgehen haben, an die die sich halten müssen. Michel erklärt: „Ziel ist es, im Einsatz nicht auf Neues, sondern auf Bekanntes zu treffen und dann sofort zu wissen, was man als nächstes tun muss.“

Wichtig für die Arbeit als SEK-Beamter sei daher laut Michel vor allem die Teamfähigkeit, aber auch eine gute Stressresistenz, beziehungsweise die psychische Belastbarkeit. Andy sagt: „Jeder hat ja irgendwo seine Ängste. Aber Ängste muss man kontrollieren können. Da hängen Menschenleben dran, da muss dann alles sitzen.“

Die Einsatzausrüstung von Andy wiegt rund 25 Kilo. Jede davon ist individuell an die Beamten angepasst. Sie beinhaltet unter anderem eine Schutzweste, ein Funkgerät und ein Erste-Hilfe-Set. Wer kein SEK-Polizist ist und die komplette Ausrüstung das erste Mal anlegt, kann sich also auch schon mal wundern, wie man sich mit so einem Gewicht in einem Einsatz schnell fortbewegen soll. Daher ist laut Andreas Michel die körperliche Fitness und Belastbarkeit ebenfalls ein wichtiger Punkt bei der Auswahl der Einsatzkräfte.

Und warum entscheidet man sich dazu, so einen riskanten Beruf zu ergreifen? Andy überlegt kurz und sagt dann grinsend: „Ich zitiere da mal einen ehemaligen Abteilungsleiter, der sagte, dass man irgendwann mal auf diese Zeit zurückblickt und sagt, dass man dort die beste Zeit zusammen mit seinem Team hatte. Klar, man sammelt einen riesigen Stundenberg, aber man kann sich mit der Aufgabe identifizieren, man schwitzt zusammen mit seinen Kollegen, und am Ende gibt der Erfolg uns Recht.“

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