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Selbst der Hochzeitsnacht geht ein Betrug voraus: Gericht in Wittlich verurteilt Mann zu Freiheitsstrafe auf Bewährung

Selbst der Hochzeitsnacht geht ein Betrug voraus: Gericht in Wittlich verurteilt Mann zu Freiheitsstrafe auf Bewährung

Er hat gemeinsam mit seiner Frau Vermieter, Hoteliers und sogar einen Brautmodenausstatter geprellt und so einen Schaden von weit mehr als 4000 Euro verursacht: Wegen mehrfachen Betrugs hat das Amtsgericht Wittlich einen 33-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von sieben Monaten auf Bewährung verurteilt.

Wittlich/Trier. Erst kam die Arbeitslosigkeit. Mit der Arbeitslosigkeit kamen die Schulden. So viele Schulden, dass der 33-jährige Mann auf der Anklagebank des Wittlicher Amtsgerichts den Überblick verloren hat und diese nicht beziffern kann. Mit den Schulden kamen die Straftaten. Offenbar so viele Straftaten, dass der gelernte Elektriker auch hier den Überblick verloren hat. Zumindest kann er auf Nachfrage von Strafrichter Hermann-Josef Weber nicht erklären, warum er von der Staatsanwaltschaft Saarbrücken gesucht wird. "Haben Sie vielleicht auch im Bereich Saarbrücken etwas angestellt?", fragt der Richter. Der 33-Jährige zuckt die Achseln. Zu oft hat er in den vergangenen drei Jahren betrogen, indem er sich gemeinsam mit seiner Partnerin in Hotels oder Wohnungen einmietete, wohl wissend, dass er die Unterkunft gar nicht bezahlen konnte.
Zweimal wurde der Angeklagte bereits im Jahr 2011 wegen Betrugs verurteilt. Zuvor hatte der Mann völlig unauffällig - und vor allen Dingen straffrei - gelebt. "Es fing alles an, als ich meine heutige Frau kennenlernte", schildert er vor Gericht, "die wollte nicht, dass ich arbeiten ging." Die Angesprochene selbst kann sich zu diesen Vorwürfen nicht äußern: Sie erscheint nicht zum Prozess. Ihr Aufenthaltsort ist dem Gericht nicht bekannt. Sie ist offenbar obdachlos.
Das war lange Zeit auch der Angeklagte, nachdem er 2012 seinen letzten Job verlor. Das Paar lebte auf der Straße, in Obdachlosenunterkünften, bei der Mutter des Angeklagten - oder aber eben in Wohnungen und Hotelzimmern, ohne für die Kosten aufzukommen. Auch die Rechnungen für ihre Hochzeitsfeier konnte es nicht begleichen (siehe Extra).
Schon im Dezember 2013 sollten sich die beiden vor Gericht verantworten, doch sie blieben dem Prozess fern. Keiner wusste, wo das Paar lebte. Doch in der vergangenen Woche ging der 33-Jährige überraschend zur Polizei und wurde festgenommen. "Ich wollte nicht mehr mit meiner Frau zusammensein und wusste nicht mehr, wohin", erklärt der Angeklagte, "irgendwann musste ich mich ja mal stellen."
Es ist nicht das erste Mal, dass die Eheleute getrennte Wege gehen. Nach dem letzten Zerwürfnis im Jahr 2013 wurde das Jüngste der insgesamt vier Kinder im Alter zwischen neun Monaten und fünf Jahren gezeugt. Zwei leben bei der Großmutter, eines in einer Pflegefamilie, eines bei der Mutter. "Finden Sie es nicht extremst unverantwortlich, Kinder in die Welt zu setzen und sie dann in die Hand von Dritten in Obhut zu geben?", fragt Staatsanwalt Arnold Schomer. Eine plausible Antwort erhält er nicht.
Er wolle sein Leben ändern und sich eine Arbeit suchen, beteuert der Angeklagte. Die Tatsache, dass er sich freiwillig gestellt und ein umfassendes Geständnis ablegt hat, werten Staatsanwalt und Strafrichter positiv. "Ihr Auftritt hier vor Gericht lässt erwarten, dass Sie Ihr Leben ändern", sagt Richter Weber und verurteilt den 33-Jährigen wegen Betrugs in fünf Fällen zu einer Freiheitsstrafe von sieben Monaten, die er zur Bewährung aussetzt.Extra

Zwei Monate lang wohnten der Angeklagte und seine Frau im Sommer 2011 in Osann-Monzel, obwohl sie die Wohnungsmiete - insgesamt 1100 Euro - nicht zahlen konnten. Im Januar 2013 verbrachten sie mehrere Tage in einem Gasthaus in Wellen. Die Kosten für Übernachtung, Frühstück und Internetnutzung in Höhe von 494 Euro beglichen sie nicht. Im Mai und Juni 2013 übernachtete das Paar mehrere Tage in einem Hotel in Wincheringen. Die Rechnung von 825 Euro blieb offen. Für seine Hochzeit im September 2012 wollte sich das Paar bei einem Brautmodenausstatter in Trier für 1300 Euro ausstatten. Das Kleid der Frau wurde individuell zugeschnitten. Die Rechnung wurde nicht bezahlt. Die Kleidung blieb im Geschäft, aber zumindest das speziell angepasste Brautkleid war nicht mehr weiterzuverkaufen. Die Hochzeitsfeier samt Hochzeitsnacht feierte das Paar in einem Drei-Sterne-Hotel in Trier. Auf den Kosten von 1700 Euro blieb das Hotel sitzen. neb