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Selbst gebautes Lebensgefühl mit hunderten PS

Selbst gebautes Lebensgefühl mit hunderten PS

Autoliebhaber aus halb Europa haben sich mit stark motorisierten und individuell gestalteten alten US-Fahrzeugen, sogenannten Hotrods, in Bernkastel-Kues getroffen. Mehrere tausend Besucher haben sich ein Bild von den aufwendig umgebauten Fahrzeugen gemacht.

Bernkastel-Kues. Historische Motorboliden säumen das Kueser Wiesengelände fast so weit, wie das Auge reicht. Achtzylinder-Motoren umgeben Autofreunde und Besucher mit kernigem Motorengebrumm. Und immer wieder fahren die Besitzer der eigenwillig gestalteten Fahrzeuge vom Gelände, um sich auf eine 70 Kilometer lange Tour in Richtung Wittlich und weiter nach Kröv zu begeben und so die Region kennenzulernen.
280 Hotrods an der Mosel


Bei den Fahrzeugen, die die neugierigen Blicke der Moselaner auf sich ziehen, handelt es sich um sogenannte Hotrods, was sinngemäß mit "heiße Pleuelstange" übersetzt wird, sagt Gerd Rothenberger, Pressesprecher der German Street Rod Association (GSRA). Der Club veranstaltet in Bernkastel-Kues das diesjährige Jahrestreffen der europäischen Hotrod-Clubs. 500 Teilnehmer aus Großbritannien, Schweiz, Österreich, den Beneluxstaaten sowie Skandinavien und weiteren westeuropäischen Ländern sind mit 280 Hotrods an die Mosel gereist.
Hotrods sind Fahrzeuge, die vor 1949 gebaut worden sind und meist aus den USA stammen, sagt Rothenberger. Der Unterschied zu anderen Oldtimern: Die Fahrzeuge sind nicht originalgetreu erhalten, sondern werden von ihren Besitzern individuell gestaltet und verändert. "Jedes Auto ist ein Unikat", sagt Rothenberger. In viele Hotrods haben die Besitzer Achtzylinder-Motoren eingebaut, die bis zu 800 PS haben können. Bei einigen Fahrzeugen fehlt die Motorhaube, so dass die Motoren frei liegen. Der typische Hotrodder ist ein Schrauber und Mechaniker und baut sein Fahrzeug selbst, sagt der Pressesprecher. "Das passiert oft in jahrelanger Arbeit mit handwerklichem Geschick und viel Kreativität."
Rothenberger schätzt, dass bis Sonntag Abend zwischen 2000 und 3000 Besucher auf dem Gelände gewesen sind. "Es ist faszinierend, was man mit ursprünglicher Technik ohne Elektronik bauen kann", sagt der Hunolsteiner Thilo Grauheding. Bernd Palm ist aus Trier nach Bernkastel-Kues gekommen. "Wir interessieren uns für Oldtimer und wollten diese Szene kennenlernen."
"Das ist Kultur."


Michael Otter aus Bernkastel-Kues ist begeisterter Hotrodder. Er hat die Moselstadt als Veranstaltungsort für das Treffen angeregt, das nur alle acht Jahre in Deutschland stattfindet. Erst vor zwei Wochen hat er seinen Ford aus dem Jahr 1929 verkauft und sich einen Ford Pickup aus dem Jahr 1930 bei London gekauft und nach Bernkastel-Kues überführt. Die Autos gehören für ihn zur Geschichte Amerikas. "Das ist Kultur, diese Fahrzeuge sind ein Traum", sagt Otter. Ähnlich sieht das Harald Kreuzer, der mit seinem 350 PS starken 1932er Ford Three Window nach Bernkastel-Kues gekommen ist und sich gerne in der Rockabilly-Szene aufhält. Die umgebauten Autos gehören für Kreutzer dazu: "Hot rods muss man leben."
Extra

Manche Leute haben Spaß daran, mit ältere Autos zu fahren, weil sie sich damit an alte Zeiten erinnern können. Da gibt es ganz viele unterschiedliche Gruppen. Die einen fahren gerne alte VW-Busse, die anderen fahren lieber in einem alten Mercedes. Eine eigene Szene sind die Hotrod-Fans. Die fahren gerne amerikanische Autos, die schon über 70 Jahre alt sind und bauen als Spezialität stärkere Motoren ein. Damit fahren sie auch Wettrennen auf speziell gesicherten Strecken. hpl