Senioren geben ihr Wissen weiter

Rosen züchten oder auf die Enkel aufpassen füllt nicht alle Menschen im (Früh-)Ruhestand aus. Der "Senior Experten Service" vermittelt solche Fachkräfte an kleine Unternehmen oder öffentliche Einrichtungen, damit sie hier ihre Erfahrungen einbringen.

Kreis Birkenfeld. (msc) Deutschland entdeckt Erfahrung neu - so lautet der Titel eines Projektes, für das Prof. Dr. Roland Palmer aus Allenbach mit verantwortlich ist. Und wenn es nach Palmer geht, soll bald auch der Kreis Birkenfeld die Erfahrung neu entdecken. Erfahrung, die (früh-)pensionierte Experten haben und die allzu oft ungenutzt bleibt. Das Projekt ist eines des "Senior Experten Service" (SES), der 1983 unter der Obhut der "Stiftung der Deutschen Wirtschaft für Internationale Zusammenarbeit" und mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ins Leben gerufen wurde. Reise- und Telefonkosten werden erstattet

"Zunächst wurden die ehrenamtlichen Experten vorwiegend ins Ausland geschickt, um dort Entwicklungshilfe zu leisten", erklärt Palmer. Doch nun setzt sich mehr und mehr die Idee durch, dass diese Experten auch in Deutschland gebraucht werden, "um der Verbesserung unseres eigenen Standorts zu dienen". Kleinen und mittleren Unternehmen, die sich keinen professionellen Berater leisten können, aber auch Kommunen, gemeinnützigen Organisationen und nun verstärkt auch Bildungs- und Weiterbildungseinrichtungen hilft der SES. Im Kreis Birkenfeld, so schätzt der Chemiker, gibt es zurzeit rund 20 Fachleute, die sich im SES engagieren. Recht wenig, wenn man berücksichtigt, dass es in Rheinland-Pfalz rund 750 Senior-Experten sind. Möglichst noch einmal 20 sollen in den nächsten Monaten hinzukommen, um in der Region etwas bewegen zu können. "Wir suchen Experten auf allen Ebenen", betont der 65-Jährige. "Es sollen sich eben nicht nur die Akademiker bei uns melden. Vielmehr benötigen wir Fachleute aus allen Bereichen." Aus Handwerk, Industrie, Handel, Dienstleistungen, Bildungswesen, öffentlichem Dienst und Agrarwirtschaft werden Leute gesucht, die zwar vor nicht allzu langer Zeit in den Ruhestand gingen, aber immer noch über spezielle Kenntnisse in einem aktuellen Fach verfügen. Dieses Wissen sollen sie dann punktuell weitergeben - in Schulen oder Berufsschulen etwa. So hat Palmer bereits im Rahmen des Erdkundeunterrichts aufgrund seiner langjährigen beruflichen Erfahrung über China berichtet und kann sich vorstellen, Berufsschülern als Chemiker etwas über das Thema Beschichtungstechnik und Nanotechnologie zu vermitteln. Doch das sind nur einige Beispiele, für Anregungen ist der SES immer offen - und lässt seine potenziellen Experten nicht im Regen stehen. Wer sich nicht zutraut, vor einer größeren Gruppe zu sprechen, wird vorher geschult und bekommt hilfreiche Tipps. "Es muss kein langwieriges Projekt sein, das über mehrere Wochen geht. Ein einstündiger Vortrag oder eine Tagesveranstaltung - damit kann man schon viel erreichen", betont Palmer. Reich werden kann man als Senior-Experte allerdings nicht. Da der SES nicht gewinnorientiert arbeitet, werden in der Regel nur Reise- und Telefonkosten sowie eine schmale Pauschale erstattet. Langfristig kann sich Palmer vorstellen, dass sich die lokalen Experten des SES an einer Art "Zukunftsinitiative Birkenfeld" beteiligen und dort ihre Erfahrungen einbringen. Was die Standortfaktoren für Unternehmer angehe, liege der Kreis schließlich einer IHK-Studie zufolge auf dem vorletzten Platz. Höchste Zeit also, dass Kräfte gebündelt werden, um junge Fachkräfte wieder in die Region zu holen, findet Palmer. Und die Erfahrung der älteren Generationen könne dabei sehr hilfreich sein. Wer Interesse hat, Senior-Experte zu werden, kann sich bei Roland Palmer, Telefon 06786/2252 oder per E-Mail ( rolandpalmer@gmx.de) melden.

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