Senioren modeln für Mitbewohner

Die aktuelle Mode interessiert nicht nur junge Menschen. Auch ältere möchten gut angezogen sein. Nun hat das Thalfanger Seniorenheim Charlottenhöhe erstmals zu einer Modenschau eingeladen. Bei Bewohnern, Gästen und Mitarbeitern kam das sehr gut an.

Thalfang. Über die Laufstege der Welt schreiten in aller Regel junge Menschen, die groß und sehr dünn sind. Doch ein Muss ist das nicht, wie Bewohner des Thalfanger Seniorenheims Charlottenhöhe bewiesen. Gut gelaunt boten sie sämtlichen Modepüppchen die Stirn. Und das ungeachtet teils benötigter Gehhilfen oder Rollstühle. Blandine Burkert (55) genoss den etwas anderen Nachmittag mit strahlender Miene. "Ich dachte, komm da machst du mal mit", begründete sie ihre Entscheidung fürs Rolli-Modeln. Und es habe ihr richtig gut gefallen.
Spaß und Geschick


Nicht zu übersehen war das auch bei Cäcilia Thömmes, die nach zaghafter Zusage souverän mit dem Rollator ihre Runden drehte. Marianne Kapp (78) wollte sich von Anfang an einen solchen Spaß nicht entgehen lassen: "Man muss ja mal alles ausprobieren."
Auffallend beschwingt ging Anna Oehm, mit 93 Jahren die Älteste der vier weiblichen Models, an den Besuchertischen vorbei. Mitbewohnerin Emma Lorscheter war beeindruckt: "Sie haben aber Geschick." Dabei nahm Oehm nur teil, um ihrer im Seniorenheim arbeiteten Nichte eine Freude zu machen, wie sie verriet.
Wie die Frauen waren auch die beiden männlichen Models locker drauf. Der Thalfanger Heinz Stutzenberger (93) machte aus "Spaß und Dollerei" mit. Wohl deshalb empfand er das flotte Umziehen zwischendurch überhaupt nicht stressig. Ebenso wie Manfred Fuchs (79), für den ebenfalls der Spaß überwog. Aufgeregt oder nervös seien sie vorher auch nicht gewesen, versicherten beide.
Beim Publikum, das alle Models applaudierend begrüßte und verabschiedete, kamen die Debütanten super an. So eine Modenschau sei richtig schön, begrüßte Walburga Ritter die Gelegenheit, sich über Mode-Trends informieren zu können. "Das war mal ganz schön", meinte auch eine 91-Jährige, die ihren Namen nicht nennen mochte.
Anneliese Keuper fände es toll, wenn im Seniorenheim öfter Modenschauen wie vielleicht zum Frühjahr stattfänden. Für Mitarbeiterinnen wie Ruth Malina und Ute Moses war es ebenfalls ein gelungener Nachmittag. Malina fand interessant, dass "alle so gut mitgemacht haben". Selbst die anfangs etwas Zurückhaltenden seien mit strahlenden Gesichtern dabei gewesen, pflichtete Moses bei.
Die Initiative für die Modenschau ging laut Heimleiterin Edith Kolasinski von einem Bekleidungsunternehmen aus. Reine Verkäufe von Kleidung, speziell für Ältere, hätten sie schon öfter im Haus angeboten. Das sei praktisch für die Bewohner und deren Angehörige. Zumal sie sowohl Oberbekleidung als auch Nacht- oder Unterwäsche kaufen könnten. Kolasinski würde sich freuen, wenn künftig mehr externe Interessierte das nutzen. Zur Premiere hätten eher Verwandte oder Bekannte vorbei geschaut. Eingeladen waren Senioren aus der Verbandsgemeinde, die so außerdem die Möglichkeit erhielten, das Seniorenheim für knapp 80 Bewohner kennenzulernen.