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Seniorensport, Dorfmobil und gute Wanderwege

 82 Großlittger haben sich im Pfarrheim St. Martin über eine mögliche Dorferneuerung informiert. TV-Fotos (5): Klaus Kimmling
82 Großlittger haben sich im Pfarrheim St. Martin über eine mögliche Dorferneuerung informiert. TV-Fotos (5): Klaus Kimmling FOTO: (m_wil )
Großlittgen. Die Gemeinschaft soll besser und das Dorf schöner werden. Weil in Großlittgen die Bevölkerung zurückgeht und der Zusammenhalt nachlässt, hat der Gemeinderat die Einwohner eingeladen und gebeten, mit anzupacken. Er will beim Land eine Förderung für eine Dorfmoderation beantragen. Andrea Weber

Großlittgen. Der Ort könnte besser an den Eifelsteig angeschlossen werden, ein Dorfgemeinschaftshaus fehlt, die Kirchenmauer könnte verschönert und mit Parkplätzen könnten mehr Wanderer und Biker angelockt werden - fragt man die Großlittger, was ihr Dorf braucht, sprudeln die Ideen. 82 Einwohner sind der Einladung des Gemeinderats gefolgt, um sich darüber zu informieren, wie das Dorf lebenswerter werden kann.Großlittgen ist seit 1989/90 als Dorferneuerungsgemeinde anerkannt. Auf die Idee, das Konzept fortzuschreiben, kam Ortsbürgermeister Karl-Heinz Hubo, weil er das Gefühl hatte, dass die Gemeinschaft ins Stocken geraten sei. "Es wurde immer schwieriger, Menschen für gemeinsame Aktionen wie den Umwelttag zu motivieren", sagt er. Von der großen Resonanz ist Hubo positiv überrascht. "Ich bin sehr zufrieden aus der Veranstaltung rausgegangen. Das Interesse scheint da zu sein, die Dorfgemeinschaft zu fördern. Besonders hat mich gefreut, dass auch Jüngere da waren."Das sieht auch der Baudirektor der Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich, Herrmann Brück, so. "Dass so viele gekommen sind, zeigt, dass das Engagement in Großlittgen hoch ist", sagt er. Die Dörfer stünden künftig noch stärker im Wettbewerb um Bürger. Deshalb sei eine gute Gemeinschaft wichtig. Darauf achteten Menschen, wenn sie sich einen Wohnort aussuchten. Eine der Hauptaufgaben der Dorferneuerung ist heute, Senioren und Kinder und Jugendliche einzubeziehen, denn "wer sich im Dorf engagiert, bleibt eher dort wohnen". So könnten Jugendliche früh in Vereinsarbeit integriert werden, und ältere Menschen sollten lange in ihrem gewohnten Umfeld bleiben dürfen. Wichtig sei außerdem, die gewachsenen Dorfstrukturen zu erhalten, Leerstände im Altdorf umzunutzen, damit sich das Leben in der Dorfmitte abspiele. Die Planer Thomas Lang und Anke Esseln aus Trier erklären den Großlittgern, wie eine Dorfmoderation abläuft: Erst befragen sie die Menschen, wo der Schuh drückt, dann bilden die Bewohner Arbeitsgruppen. "Im Idealfall begleiten wir sie ein Stück, und wenn wir weg sind, bleiben sie im Gespräch und führen das weiter", erklärt Lang. Er und seine Kollegin zeigen einen Film zu den Ergebnissen einer Dorfmoderation in Mannebach (Kreis Trier-Saarburg). Über die 80-Jährige am Fitnessgerät müssen einige schmunzeln. Die Idee eines Dorfmobils erntet kräftiges Kopfnicken. Nach der Präsentation haben die Bewohner Fragen: Bringen die Planer Vorschläge mit? Wie sind die Erfahrungen? Wie lange dauert es, bis ein Dorfgemeinschaftshaus bewilligt ist? Und die große Frage: Wann geht es los?"Die Gemeinde muss sich die Frage stellen, ob sie nur eine Dorfmoderation macht, wenn sie gefördert wird", sagt Andreas Bollig von der Verbandsgemeinde Wittlich-Land. Der Antrag auf Förderung müsse bis 1. August bei der Kreisverwaltung eingehen. Entschieden wird darüber Anfang 2017. "Aber es hindert Sie niemand daran, gleich loszumarschieren." Ortsbürgermeister Hubo ist guten Mutes: "Ich wünsche mir, dass wir einen positiven Bescheid bekommen und Sie aktiv mitmachen." Die Gespräche beim abschließenden Umtrunk, zu dem der Gemeinderat einlädt, lassen vermuten, dass zumindest sein zweiter Wunsch in Erfüllung geht.Extra

"Das Dorf muss dringend belebt werden. Zugezogene haben es schwer. Es ist wichtig, miteinander zu arbeiten, nicht gegeneinander." Lydia Aghegyi, 53 Jahre, Gastronomin. "Die Idee kann man nur unterstützen. Wir stehen voll dahinter und sind total begeistert über den Zulauf, den wir haben." Walter Antony, 64 Jahre, Gemeinderatsmitglied. "Ich wünsche mir, dass das Dorf besser an den Eifelsteig angeschlossen wird und die Wanderwege besser erschlossen werden." Brunhilde Dumke, 47 Jahre, Großlittgerin. "Das Dorf ist von mehr als 1000 auf unter 1000 Einwohner geschrumpft. Da mussten wir was tun. Ich bin stolz, dass 80 Leute gekommen sind." Marco Schleidweiler, 44, Ratsmitglied.

FOTO: (m_wil )
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