Serie Hochmoselübergang: Wie wird sich die neue Straße auf den Einzelhandel in Morbach, Wittlich und Bernkastel-Kues auswirken?

Hochmoselübergang : Chancen, aber auch Gefahren

Serie Brückenschlag: Wie wird sich die neue Straße auf den Einzelhandel in Morbach, Wittlich und Bernkastel-Kues auswirken?

Wenn der Hochmoselübergang eröffnet wird, werden sich die Verkehrsströme im Landkreis verändern. Die Brücke wird die B 50 neu über das Moseltal von der Eifel in den Hunsrück führen und vielen Menschen die zeitaufwendige Route durch das Moseltal ersparen. Damit könnte sich auch das Einkaufsverhalten in den betroffenen Orten Morbach, Bernkastel-Kues und Wittlich verändern. Der TV fragt in der vierten Folge der fünfteiligen Serie nach, wie Politiker und Wirtschaftsleute die Entwicklung des Einzelhandels einschätzen.

Morbach „Es gibt immer zwei Richtungen, in die die Kunden fahren können. Wir haben in Morbach viel erreicht, damit auch der Einzelhandel vom Wettbewerb profitiert. Wir haben die Bauleitplanung für Supermärkte in der Gemeinde weiter entwickelt. Die Verkaufsflächen werden sich in Zukunft vergrößern. Gleichzeitig wollen wir auch den Einzelhandel mit Augenmaß weiter entwickeln. Dafür haben wir schon vor Jahren ein Einzelhandelskonzept gemacht.“ Das sagt Morbachs Bürgermeister Andreas Hackethal. Ina Mertiny-Dombrowski vom Gewerbe- und Verkehrsverein Morbach betont die Bedeutung des Hochmoselübergangs im Gespräch mit dem  TV. Sie sieht aber auch eine Gefahr: „Wittlich ist dann schneller zu erreichen. Man muss die Entwicklung abwarten. Es könnte passieren, dass Wittlich dann Arbeitskräfte, Personal und auch Kunden abzieht. Das würde nicht nur für den Einzelhandel, sondern auch für Industrie und Gewerbe gelten,“ ist sich Mertiny-Dombrowski sicher. Deshalb habe man bereits mit Gegenmaßnahmen reagiert. „Wir vom Gewerbe- und Verkehrsverein sehen diese Gefahr und halten mit modernen Mitteln dagegen, dazu zählen Aktionen wie Late-Night-Shopping, verkaufsoffene Sonntage oder auch die Morbach-Card, mit der wir durch ein Bonus-System Kunden binden wollen. Hinzu kommt, dass wir ein gutes Angebot an Lebensmittelgeschäften haben, das uns auch Kunden bringt. Der Wohnstandort Morbach könnte dann aber auch attraktiver für Menschen werden, die im Raum Wittlich arbeiten,“ sagt die Vorsitzende.

Wittlich Für Wittlich bedeute der Hochmoselübergang, dass sich damit auch das Einzugsgebiet der Stadt ausbreite, ist Rainer Stöckicht, Sprecher der Stadt, sicher. „Wir gehen davon aus, dass es die ortsansässigen Firmen künftig leichter haben werden, Fachpersonal aus den strukturschwächeren Räumen jenseits des Hochmoselübergangs zu gewinnen. Durch die verkehrsgünstige Lage wird Wittlich auch zunehmend als Wohnort gewählt. Die ständig wachsende Einwohnerzahl belegt dies eindeutig,“ sagt Stöckicht.

Bernkastel-Kues „Durch den Hochmoselübergang kommen Anwohner aus Longkamp oder Monzelfeld möglicherweise schneller nach Wittlich als nach Bernkastel-Kues. Das könnte sich auf den Einzelhandel und lokale Dienstleister auswirken. Für die Einwohner im Tal wird sich nichts verändern, aber für die Bewohner der Höhenlagen ändert sich die Situation,“ findet Jörg Lautwein von der Tourist-Information in Bernkastel-Kues.

Frank Hoffmann vom Bernkastel-Kueser Werbekreis hingegen sieht der Entwicklung etwas skeptischer entgegen. „Momentan ist der Hochmoselübergang noch nicht in den Köpfen angekommen. Es herrscht Unbehagen. Wir sind in den vergangenen Jahren von Baumaßnahmen gebeutelt worden,“ sagt Hoffmann in Hinblick auf Straßenprojekte der vergangenen Jahre und die Bauarbeiten am Burgbergtunnel. Das habe zu Verlusten im Einzelhandel geführt, die der Tourismus teilweise kompensieren konnte. Fest stehe, dass sich die Verkehrsströme ändern werden. „Man wird eher mal nach Wittlich fahren als ins Tal herunter. Das birgt Risiken, aber auch Chancen,“ findet Hoffmann. Der Einkauf werde generell zunehmend emotionaler. „Wir können hier erlebnisorientiertes Shoppen anbieten. Dabei ist auch die Parkplatzsituation entscheidend,“ sagt Hoffmann.

Hochmoselübergang Foto: Michael Conrad. Foto: TV/Michael Conrad
Startrail Hochmoselübergang. Foto: Michael Conrad. Foto: TV/Michael Conrad

Der Bernkastel-Kueser Bürgermeister Wolfgang Port sieht hingegen einen allgemein greifenden Strukturwechsel: „Wer nach Bernkastel will, wird das auch nach wie vor machen. Das Angebot ist doch entscheidend. In Zeiten von Amazon und Zalando spielen das Angebot und der Branchenmix eine große Rolle. Wir haben auch das Glück, dass wir hier sehr viele Touristen haben. In ein Fachgeschäft fährt man immer, beim Supermarkt ist das anders,“ sagt Port. Für die Innenstadt in Bernkastel werde der Hochmoselübergang weniger relevant sein. Denn: „Die Leute von Longkamp oder Monzelfeld müssen, auch mit Hochmoselübergang, immer noch weiter nach Wittlich als nach Bernkastel fahren“, sagt Port. Das Problem liege vielmehr beim Internet-Handel. Port: „Sehenden Auges wird in Kauf genommen, dass mittelständische Geschäfte in den Innenstädten aufgeben müssen.“