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Serien-Autoknacker muss hinter Gitter

Serien-Autoknacker muss hinter Gitter

Sieben Monate hat ein 49-Jähriger Polizei und Autofahrer in Atem gehalten, weil er in neun Fällen Autos in Irrel, Speicher und Bitburg aufgebrochen hat. Das Bitburger Amtsgericht verurteilte ihn zu zwei Jahren und neun Monaten Haft.

Bitburg. Der 49-Jährige, der dort auf der Anklagebank im Saal 124 des Bitburger Amtsgerichts sitzt, sieht nicht wie ein gewiefter Autoknacker aus. Er ist kräftig, hat graues, lichtes Haar und trägt eine Brille - ist eher unauffällig. Trotzdem hat eben dieser Mann - das erste Mal am 27. Oktober 2012 - in neun Fällen Autos in der Eifel aufgebrochen und die Wertgegenstände daraus entwendet.
Laut Kripo-Hauptkommissar Herbert Zillien gehörten alle Fahrzeuge Frauen, die beispielsweise im Bitburger Königswäldchen, an den Irreler Wasserfällen und in Speicher joggen oder spazieren gingen. Laut Zillien hatte der Angeklagte, der sich gestern vor dem Amtsgericht verantworten musste, die Opfer beim Parken beobachtet und dann mit einem Schraubenzieher, den er zwischen Scheibe und Rahmen ansetzte, die Scheibe zum Bersten gebracht. Dieses Vorgehen sei sehr ungewöhnlich und zeige, dass er ein Profi ist. "Normalerweise schlagen die Täter die Scheiben einfach ein", so Zillien. Doch das sei lauter.
Handwerklich begabt scheint der Angeklagte zu sein. Er ist gelernter Elektriker, Maurer und Automechaniker. Anfang der 1990er Jahre kam der gebürtige Pole nach Deutschland, war ein Jahr verheiratet und hielt sich mit Hilfsarbeiten über Wasser. Zu seinem Sohn hat er keinen Kontakt.
Seit 2004 ist er wieder verheiratet, lebt mit Frau und zwei von deren vier Kindern in der Pfalz, bis er in die Eifel zieht. Die Familie hat nach seinen Aussagen ständig Geldprobleme.
Er hat keinen Job, sie bekommt nur eine kleine Rente. Mit Holzschnitzarbeiten finanziert er die Wohnung. Oft unterstützt ihn seine Mutter finanziell. Die beiden volljährigen Kinder haben ebenfalls keine Arbeit. Und so entschließt sich der ruhig wirkende Pole, die Familienkasse mit Autoaufbrüchen zu füllen. Dabei entwendet er Handtaschen, Geldbörsen, Bargeld, Handys, Laptops und Sonnenbrillen.
Der Schaden beträgt laut Staatsanwaltschaft 15 000 Euro. "Wir haben ihn nicht auf frischer Tat ertappt, sondern die entwendeten Wertgegenstände durch eine Wohnungsdurchsuchung sichergestellt", sagt Zillien.
Obwohl die Frau laut Polizei von den Aufbrüchen wusste, nimmt der Angeklagte am gestrigen Mittwoch die komplette Schuld auf sich, räumt die Serie von neun Aufbrüchen ein. In einer vorgetragenen Erklärung heißt es: "Ich nehme die Strafe auf mich. Nach meiner Haft will ich ohne meine Familie weiterleben, weil sie mir nicht guttut." Viele Gegenstände können an die Opfer zurückgegeben werden. Nur das Geld sei weg, so Richter Udo May. Einige Gegenstände habe der Mann auf dem Flohmarkt zu Geld gemacht.
Das Geständnis kommt dem Angeklagten bei der Urteilsverkündung zugute. Die Krux an der Geschichte: Er ist Wiederholungstäter. Im Jahr 2004 und 2008 saß er bereits wegen jeweils 20-fachen Autoaufbruchs in Haft. Das Amtsgericht verurteilte den Mann zu zwei Jahren und neun Monaten Haft. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.