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Sibylle von Schuckmann-Karp gestaltet Objekte im Weinberg

Kunst und Natur : Lebensraum-Kunst im Weinberg

Winzerin Sibylle von Schuckmann-Karp verschönert und bereichert die Kulturlandschaft.

Wanderer treffen an der Mittelmosel immer öfter auf überraschende Objekte. Mal ist es ein Häuschen, das mit seinem Baustil süditalienischen Trulli nachempfunden ist, mal eine riesige steinerne Kugel, die auf einer Felswand unmittelbar am Weg thront. Erbaut aus flachen Schiefersteinen, leicht versetzt übereinander geschichtet, sind sie Blickfänge in den Weinbergen oberhalb von Graach.

Doch beide Objekte sind nicht etwa nur eindrucksvolle Beispiele für Kunst im Weinberg. Wer sich die luftdurchlässigen Gebilde genauer anschaut, erkennt, dass sie nicht allein aus optischen Gründen errichtet wurden. Eidechsen und Insekten, die dort rein- und raushuschen, bestätigen, dass die Konstruktionen ökologisch gut durchdacht sind. Denn die eigentliche Funktion der Kunstobjekte ist die von „Lebensraumelementen“  im Sinne von Artenschutz und Artenvielfalt geschaffene Rückzugsmöglichkeiten.

Zu verdanken sind sie der Brauneberger Winzerin Sibylle von Schuckmann-Karp, Vorstandsmitglied der noch jungen „Naturparkinitiative Mosel-Umlaufberge“ (der TV berichtete). Sie engagiert sich seit vielen Jahren für Umweltbildung, was sie und ihren Mann auch zur Gründung der Firma „proHabitat-Mosel“ (Info) bewog. Sie wird vor allem dann besonders aktiv, wenn im Zuständigkeitsbereich des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum (DLR) Mosel Flurbereinigungsverfahren anstehen.

Sehenswerte Beispiele gibt es rings um Platten, Osann-Monzel, Maring-Noviand, Kesten, Brauneberg, Graach, Wehlen, Zeltingen-Rachtig und Traben-Trarbach. So etwa witterungsbeständige Stelen, auf denen, allen Hitzeperioden trotzend, seit drei Jahren Mauerpfeffer, Weinbergslauch und Berghabichtskraut sprießen. Sie sind wichtig für Kleinlebewesen, aber immer seltener wildwachsend zu sehen. Daneben gibt es kleinere Trockenmauern, aufgesetzt auf für Insekten undurchdringliche Stützmauer-Barrieren, grüne Klassenzimmer und Insektenhotels der Nobelklasse. Auch sie sind, in Spitzdach-Optik wie mit Pagodendach oder in Schieferblockbauweise, echte Hingucker, vorrangig aber für Käfer und Bienen, Vögel und Fledermäuse konzipiert.

Und nicht nur sie nehmen die Lebensraum-Angebote sehr gut an, berichtet die Erbauerin der Objekte. „Touristen stehen davor und staunen“, freut sich von Schuckmann-Karp, die auch deshalb immer wieder Neues ausprobiert. Von Schieferstein-Sinnesbänken mit Panoramablick über große Pyramiden bis zur steinernen „Riesenwelle“ als kreativem Lückenfüller für eine eingebrochene Trockenmauer.

Die Aufmerksamkeit von Urlaubern wie von Einheimischen ist für ihre Objekte sehr wichtig. Begeisterte Menschen schwärmten bei Zimmervermietern und Winzern, in Geschäften und im privaten Umfeld vom Gesehenen. So stärkten sie das Bewusstsein für Besonderheiten der Region und sorgten für mehr Akzeptanz solcher Naturschutzprojekte.

Und die brauche es für die über das DLR zwar größtenteils vom Land geförderten Lebensraumobjekte, die später von den jeweiligen Gemeinden gepflegt werden. Wenn das DLR Objekte wie die Kleinsthabitate übergebe, seien die Kommunen für deren Unterhalt verantwortlich und damit auch für eine möglichst lange Lebensdauer.

„Die Landespflege ist immer bestrebt, Lebensräume mit den touristischen Infrastrukturen zu verknüpfen“, erklärt Carsten Neß, Landschaftspfleger beim DLR. Für Kommunen entstehe so ein Anreiz, die Anlagen zu pflegen, weshalb Funktion und Ästhetik auch gleichermaßen wichtig seien.