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Sicheres Geld und Kulturlandschaft

Sicheres Geld und Kulturlandschaft

ZELL. Um sich in der Breite und nicht nur in der Qualitätsspitze noch besser im Wettbewerb behaupten zu können, führt an Kooperationen kein Weg vorbei. Die Weinkellerei Zimmermann-Graeff & Müller (ZGM) nimmt seit fünf Jahren in ihrer Kelterstation in Zell auf privatwirtschaftlicher Basis Trauben auf.

Die Vorteile des Vertragsweinanbaus, die der geschäftsführende Gesellschafter Johannes Hübinger von der Weinkellerei ZGM auf der diesjährigen Winzerversammlung in Zell definierte und aufzeigte, stieß innerhalb der stark vertretenen Winzerschaft auf Zustimmung. Winzer und Weinkellerei arbeiten in einem Traubenabnahmemodell vertrauensvoll zusammen. Der Winzer bebaut fachmännisch seine Weinberge und liefert gesundes Lesegut an der Kelterstation Lothar Bremm ab, die ab dem kommenden Herbst in das ZGM-Schneidergebäude auf den Barl verlegt wird. Neben einem größeren Platzangebot wird es dort auch flexible Annahmezeiten geben. Langfristig ist das Lesegut nur in Bütten anzuliefern. Dies gewährleistet nicht nur eine schnellere Abwicklung, sondern auch eine schonendere Bearbeitung. Ab der Kelterstation übernimmt qualifiziertes Personal der Kellerei den Ausbau von Most zu Wein. Die Winzer haben einen jährlichen Vertrag mit der Kelterstation, den sie zum 30. April des Folgejahres kündigen können, sofern sie keine Trauben mehr abliefern wollen. "Eines unserer wichtigsten Ziele ist die langfristige Einkommenssicherung für die Winzer und die Erhaltung der Kulturlandschaft. Wir möchten einen professionellen Weinanbau", betonte Hübinger. Mit Besorgnis registrierten die Anwesenden die Nachfrage nach "Zeller Schwarze Katz". In den Jahren von 2003 bis 2005 war bei den Weinanstellungen ein Rückgang von über 24 Prozent festzustellen. "Überhaupt", so betonte der Firmenchef, "haben die Groß- und Einzellagen an Bedeutung verloren. Alles läuft auf Rebsorte hinaus. Dies ist für den Konsumenten wesentlich verständlicher. Der Kunde möchte eine personifizierte Produktgruppe". Hübinger führte weiter aus, dass bei den Weinanstellungen auch ein Weggang von Prädikatsweinen zu verzeichnen sei. Der Trend gehe zu sauber ausgebauten Rieslingweinen im QbA-Bereich. Hier beträgt die Zunahme fast 40 Prozent. Wie im vergangenen Jahr bietet die Kellerei auch für diesen Herbst wieder einen Festpreis für die "Zeller Schwarze Katz". Unter Berücksichtigung des Qualitätsaufschlags erhält der Winzer einen Festpreis von 1000 Euro pro Fuder. Für die Moste aus der "Zeller Grafschaft" und "Reiler vom heißen Stein" wird je nach Rebsorte zwischen 775 und 825 Euro je Fuder geboten.Festpreisgarantie nur noch für dieses Jahr

"Diese Festpreisgarantie kann ich vorerst nur noch für dieses Jahr abgeben. Es gibt immer noch Winzer und auch Kommissionäre, die unser Konzept torpedieren und unter Preis ver- beziehungsweise ankaufen. Wir müssen alles daransetzen, dass wir bei der nächsten Ernte dieses Problem in den Griff bekommen", so Hübinger. Diese Aussage sorgte für Diskussionen. Einige fürchten, dass es zu weiteren Stilllegungen von Rebflächen kommt. Andere wiederum forderten, kein Lesegut von den besagten Winzern mehr aufzukaufen. Auch für ausgesuchte Steillagenweinberge bietet das Unternehmen einen Festpreis von 1700 Euro pro Fuder Most. Als Kriterien gelten nur Rieslingweine mit einem Mindestmostgewicht von 80 Grad Öchsle und einer Hektarhöchstgrenze von 8000 Litern. Das Kontingent von bisher 60 000 Litern aus diesem Projekt wird für die kommende Ernte auf 250 000 Liter aufgestockt.