Sicherheit geht vor

WITTLICH-BOMBOGEN. (peg) Kaum zu glauben: Zum ersten Mal sprachen Jugendliche im Jugendraum Bombogen darüber, wie sie eine Ansteckung mit Aids verhindern können.

Neue Besen kehren gut. Und der volle Einsatz der neuen Sozialarbeiterin Palina Fantes ist offenbar dringend von Nöten. Eines der brennendsten Themen zu Beginn des dritten Jahrtausends ist Aids. Fantes hatte Jugendliche zu einem Info-Nachmittag in den Jugendraum geladen. Zu Gast war Bernd Geller, Psychologe der Trierer Aidshilfe. Er erfuhr, dass von dem Dutzend junger Menschen zwischen elf und 15 Jahren bisher kein einziger im Unterricht über Aids gesprochen hatte - und das quer durch alle Schulen Wittlichs. "Kein Einzelfall", sagt Geller resignierend. Es sei ein Trugschluss, den Heranwachsenden Kondome hinzulegen und zu glauben, damit werde schon alles gut gehen. "Man muss auch damit umgehen können, und diesen Umgang hat man zu trainieren." Am besten lange im Vorfeld einer erotischen Nacht, empfiehlt der Experte. Jeder durfte einen Gegenstand aus einem Sack ziehen, der irgendwie mit Sexualität oder Aids zu tun hatte. Zu Anfang war das Gekicher groß. Neben Kondomen, der Anti-Baby-Pille oder dem Kondom für Frauen kamen auch Dinge zum Vorschein wie ein Spaßkondom, Handfesseln, ein Latexfingerling und Gleitgel. Doch nachdem die nicht ganz alltäglichen Dinge einmal angefasst, die Vokabeln einmal ausgesprochen waren, lief alles sachlich weiter. Mit der nach wie vor tödlich verlaufenden Krankheit stecke man sich nur über infektiöse Körperflüssigkeiten an, so Geller: Blut, Sperma, Scheidenflüssigkeit und Muttermilch gehören dazu, nicht jedoch der Speichel. "Davon müsste man einen ganzen Putzeimer voll trinken, um gefährdet zu sein." Ein bloßes Anhusten reicht nicht. Wenn aber infektiöse Körperflüssigkeiten eines HIV-Positiven über offene Wunden oder über die Schleimhäute im Mund oder im Genitalbereich in den Körper eines anderen Menschen eintreten, kann die Ansteckung stattgefunden haben. Faktoren wie Druck und Reibung spielen auch eine Rolle. Mit dem HIV-Test muss man sich mindestens drei Monate gedulden: Eine lange Zeit, in der man auf keinen Fall ungeschützt Sex haben darf. Darüber, was geschützt denn nun heißt, sprachen die Jugendlichen genauer. Geller: "Immer wieder höre ich, dass Kondome kaputt gegangen sind." Das liege nicht an den Kondomen, sondern an der unsachgemäßen Anwendung. Nun kam Geller zum Kernstück seiner Veranstaltung. Er zog einen hölzernen Penis aus der Tasche und ein paar Kondome - und dann durfte jeder, der sich traute, mal probieren. Auch zwei Mädchen aus der achten Klasse, in deren direktem Umfeld etliche Bekannte bereits schwanger sind, packten zu. Eklig sei das glitschige Kondom, fanden sie. "Trotzdem dürft ihr das Kondom nicht weglassen", so Geller. Egal, ob beim One-Night-Stand im Urlaub oder beim Sex mit einem Menschen, den man schon lange kennt: Das Virus kann längst im Körper des anderen schlummern. Sicherheit verschaffe allein ein gemeinsamer Test, den es beim Gesundheitsamt kostenlos gibt. Und dann müsse man sich auch noch treu sein.

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