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Sie liefert Energie und erfreut Bienen: die "durchwachsene Silphie"

Eine Alternative für den Mais : Energie und gelbes Meer: Die durchwachsene Silphie überzeugt

Vor zwei Jahren wurde auf einem 3,5 Hektar großen Feld in Oberöfflingen die Pflanze „durchwachsene Silphie“ ausgebracht. Sie soll eine Alternative für den Mais sein. Eine erste Bilanz ist bisher positiv.

Wenn Susanne Görres am frühen Morgen mit Fahrrad und Hund am Ortsrand von Oberöfflingen am Feld, in dem die „durchwachsene Silphie“, eine Pflanzenart aus der Familie der Korbblütler, wächst, vorbeifährt, ist sie jedes Mal von neuem begeistert, vor allem von dem satten Gelb, dass die Pflanzen haben. Sie sagt: „Das hebt gleich die Laune, wenn man diese Farbenpracht sieht und hört, wie viele Insekten sich hier aufhalten.“

Vor zwei Jahren wurde auf dem „Leisbüschel“, hinter dem Sportplatz von Oberöfflingen, die nordamerikanische Pflanze gesät, die bis zu 3,50 Meter groß wird. Das hat Marco Zoll, ein Mitarbeiter einer Firma vom Bodensee, die das Saatgut herstellt, getan.  Er sagt, dass die Pflanze im ersten Jahr lediglich bodenständige Rosetten bildet, die als Untersaat zum Mais angebaut wird. Im zweiten Jahr wächst sie dann in ihrer vollen Höhe und kann geerntet werden.

Überzeugte sie bis vor einigen Jahren eher Imker und Gärtner mit ihren Eigenschaften, hat sie inzwischen auch die Aufmerksamkeit der Landwirte, die sie als Energiepflanze nutzen wollen. Einmal angepflanzt, kann sie zehn Jahre stehen bleiben. Zudem braucht sie keinen Pflanzenschutz und keine Bodenbearbeitung.

Christian Graf, Landwirt und Betreiber einer Biogasanlage berichtet: „Wir setzen hier nur organischen Dünger ein. Die ,durchwachsene Silphie' soll etwas weniger Energie liefern, aber durch ihre anderen Eigenschaften, etwa, dass sie ohne Pflanzenschutz auskommt, gleicht sie das aus. Als Futterpflanze kann man sie allerdings nicht einsetzen.“ Weiter äußert er sich: „Was ich hier auf dem Feld sehe, stimmt mich sehr positiv, denn wir Landwirte müssen uns nach Alternativen zum Mais umschauen.“ Andere Landwirte interessieren sich auch schon dafür, was hier angebaut wird und wie die Ergebnisse sind.

„Die Menschen werden generell sensibler für die Natur, es werden bei Aktionen Insektenhotels gebaut oder Blumenwiesen angelegt. Ein großes leuchtend gelbes Feld, indem unzählige Insekten und Bienen zu finden sind, spricht viele Menschen an“, sagt Martin Schlimpen, Ortsbürgermeister von Oberöfflingen.

Ähnlich sieht das Jagdpächter Hans Feit. Hasen und Rehwild  hätten dort einen Rückzugsort, Wildschweine meiden die Flächen, was hohe Schäden verringere. Froh ist auch Hobbyimker Günter Weins mit der „durchwachsenen Silphie“ die als Dauerblüher von Mitte Juni bis September den Bienen Nahrung gibt. Er erklärt: „Im Sommer, wenn die Felder innerhalb weniger Tage abgeerntet werden, bekommen die Bienen schon einen „Ernteschock“, weil auf einmal alles weg ist. Es gibt dann kaum noch Nahrung, und mit der,durchwachsenen Silphie’ haben sie über Monate eine Nahrungsquelle. Und wenn man sieht, was hier an Bienen ist, geht einem als Imker das Herz auf.“

Für die Beteiligten ist der Versuch mit der „durchwachsenen Silphie“ bis zu diesem Zeitpunkt auf jeden Fall geglückt, bleibt abzuwarten, wie sich die nächsten Jahre entwickeln und sie vielleicht tatsächlich eine Alternative zum Mais werden könnte.