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Sieben Kinder müssen keine Last sein - Bundespräsident Gauck übernimmt Ehrenpatenschaft für Kind aus Longkamp

Sieben Kinder müssen keine Last sein - Bundespräsident Gauck übernimmt Ehrenpatenschaft für Kind aus Longkamp

Eine Familie mit sieben Kindern: Früher war es die Regel, heute ist es die Ausnahme. Die Conrads aus Longkamp stellen sich dieser Herausforderung mit Herz und Seele. Und Mutter Karin freut sich schon auf viele Enkel.

Longkamp. Auch für Leo Wächter, den hauptamtlichen Beigeordneten der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues, gibt es noch Premieren. In die Stellvertreterrolle des Bundespräsidenten schlüpft er an diesem Nachmittag zum ersten Mal. Das Staatsoberhaupt übernimmt für das siebte Kind einer Familie die Ehrenpatenschaft. Diese Übernahme ist mit einer Urkunde und einem einmaligen Betrag von 500 Euro verbunden.
Neuestes Patenkind ist Merle Conrad aus Longkamp, die am 6. Januar auf die Welt kam.
Ihr Lebensweg ist noch nicht abzusehen. Leo Wächter kann aber schon mal folgenden Satz an den Bundespräsidenten abschicken: "Sie können stolz sein auf diese Familie." Sieben Kinder: Das war in vielen Epochen der Menschheit keine Besonderheit. Im 21. Jahrhundert ist es zumindest in den hoch industrialisierten Ländern die Ausnahme. Wer mit sieben Kindern unterwegs ist, wird nicht selten schief angeschaut.
Die Conrads kennen diese Situation. Doch schnell wird deutlich: Vater Edwin (51), Mutter Karin (41) und die Kinder Manuel (21), Svenja (19), Rene (15), Lars (11), Adrian (6) und Marie (4) sind stark und gehen selbstbewusst mit der für die Gesellschaft ungewohnten Konstellation um. Und die kleine Merle wirkt so, als wisse sie auch schon Bescheid.
Die Hauptlast liegt natürlich bei Karin Conrad. Das macht ihr aber nichts aus. "Ich bin eine Glucke und gerne Mutter", sagt die gelernte Steuerfachgehilfin.Bewusste Entscheidung


Die Entscheidung für jedes Kind sei ganz bewusst gefallen. Ihr Mann habe die "Lust auf das nächste Baby" geteilt. "Sonst geht das auch gar nicht", sagen beide. Doch nicht sie allein haben Nachwuchs bekommen. Die Kinder seien immer einbezogen.
Deshalb heiße es: "Wir bekommen Nachwuchs". Die Großen sind zum Teil auch Taufpaten der Kleinen. Sie spielen auch Babysitter und sorgen dafür, dass die Eltern mal etwas unternehmen können.
Muss in einem solchen Haushalt nicht alles minutiös geplant sein, um Chaos zu verhindern? Einen Plan, zum Beispiel für Hausarbeiten, gebe es nicht, sagt Mutter Karin. Im Großen und Ganzen funktioniere die Arbeitsteilung auch ohne. Es sei auch nicht so, dass beispielsweise die Waschmaschine 24 Stunden am Tag laufe und jeden Tag ein Großeinkauf anstehe. Vater Edwin arbeitet als Maschinenführer in einer Traben-Trarbacher Druckerei. Reichtümer bringt er nicht in das Haus, das er zusammen mit seinem Vater gebaut hat, noch bevor er seine Frau kannte. "Wir leben sparsam", sagt die Gattin. Ein Besuch in einem der großen Freizeitparks sei nicht drin. Auch weil die beim Eintrittspreis nicht auf Großfamilien ausgerichtet seien. Urlaub machen die Conrads aber schon.
Karin Conrad schaut schon in die Zukunft: "Sieben Kinder, jedes bekommt drei Kinder, macht 21 Enkel. Ich freue mich drauf." Beim Abschied hat sich der erste Eindruck mehr als bestätigt: eine tolle Familie.Extra

Bundespräsident Joachim Gauck hat seit seinem Amtsantritt am 18. März 2012 1660 Ehrenpatenschaften übernommen (Stand 31. Dezember 2014). Eingeführt wurde sie 1949. Seither gab es mehr als 78 000 Ehrenpatenschaften. Wenn die Statistik sich so entwickelt wie bisher, wird der Bundespräsident in der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues in zehn Jahren wieder tätig. Vor fast genau zehn Jahren kam eine Familie aus Maring-Noviand in den Genuss einer Ehrenpatenschaft. cb