Sieben sehnsüchtige Jahre

In seinem Büchlein "In Vino Veritas" widmet Werner Arbogast auch dem Wolfer Bürger Oskar Lorer ein Kapitel. Durch Zufall gelangte er jetzt in den Besitz eines Gedichtes, das Lorer in sibirischer Gefangenschaft verfasste und das die große Liebe zu dem kleinen Moseldorf widerspiegelt.

Traben-Trarbach/Wolf. "Ich habe sehr gute Erinnerungen an Oskar Lorer", sagt Werner Arbogast, der in Wolf aufwuchs.

Oskar Lorer wurde 1907 in Rottenburg am Neckar geboren. Er erlernte den Beruf des "Käsmachers", ging auf die Walz und gelangte so nach Wolf, wo er seine spätere Ehefrau Johanna Ludwig kennenlernte.

1928 wurde in Ulm geheiratet, später ließ sich das Paar an der Mosel nieder. Mit Ausbruch des Krieges musste er seine Wahlheimat, die er ins Herz geschlossen hat, verlassen. 1943 geriet er in russische Gefangenschaft und überlebte sieben lange Lagerjahre in Sibirien.

Groß war die Sehnsucht nach Ehefrau Johanna, den Kindern Oskar junior und Helga und dem "still verträumten" Wolf. Unter dem Titel "Mein Moseldörfchen" schrieb Lorer in Gefangenschaft ein Gedicht über das "in einem wunderbar schönen Tale" liegende Wolf und seinen sehnlichsten Wunsch, wieder dort zu sein. "Die Mosel schlingt sich um das Dörfchen wie ein schützendes Band, als würde auch sie es lieben", schrieb Lorer in Erinnerung an seine Wahl-Heimat. Erst erst 1950 konnte er zu seiner Familie zurückkehren.

"Er kam nicht als gebrochener Mensch wieder", erinnert sich Arbogast, und schmunzelnd merkt er an, dass er ihm so viel Poesie nie zugetraut hätte. Da er hier seinen erlernten Beruf nicht ausüben konnte, verdingte er sich als Hilfsarbeiter, und 15 Jahre war er Feuerwehrchef von Wolf. 1952 begann er zielstrebig, das erste Haus auf dem Koppelberg zu bauen. So nennt ihn Werner Arbogast denn auch "Stammvater aller späteren Häuslebauer", die sich in der Siedlung niederließen. In dreijähriger mühevoller Arbeit errichtete er Stein auf Stein ein Haus, bis die Familie einziehen konnte. Der damals zehnjährige Arbogast wunderte sich, dass Lorer bereits Elektroleitungen verlegte. "Weit und breit gibt es doch keinen Strommast", stellte der Junge fest und Lorer erwiderte: "Du wirst sehen, eines Tages stehen hier noch mehr Häuser, und dann kommt der Strom von alleine". Er sollte Recht behalten.

"Lorer hat seine Ziele gehabt", sagt Arbogast. "Er war ein harter Hund, aber man konnte gut mit ihm umgehen". Der Wahl-Wolfer, der vielen Bürgern noch gut in Erinnerung ist, starb bei einem tragischen Unfall mit dem Mähdrescher am 15. August 1967. Er wurde nur 59 Jahre alt.