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Simon Adriani: Grundrecht auf Mobilität

Simon Adriani: Grundrecht auf Mobilität

Er hat eine Zukunftsvision für sein politisches Wirken: Simon Adriani sieht sich selbst als Aufräumer, der Missstände beseitigen möchte. Um diese Vision leben zu können, würde er gerne in den Landtag kommen. Im Wahlkreis 22 stellt er sich als Direktkandidat der Grünen zur Wahl.

Wittlich. In seiner Jugend hat Simon Adriani begonnen, viele Sachen zu hinterfragen. Die jährlichen Analysen des Bundes der deutschen Steuerzahler haben beispielsweise sein Interesse für den politischen Betrieb und dessen Schwächen geweckt. Sein eigenes politisches Engagement hat vor fast zehn Jahren bei der Grünen Jugend Rheinland-Pfalz, einer selbstständigen und unabhängigen Jugendorganisation der Partei Bündnis 90/Die Grünen, begonnen.
2010 wurde er dann Parteimitglied. Seit der vergangenen Kommunalwahl ist der 26-Jährige Mitglied des Ortsbeirats Wittlich-Bombogen.
Landtagswahl 2016


Laut Umfragen liegen die Grünen auf Landesebene bei sechs Prozent. Einen Platz auf der Landesliste hat Adriani nicht. "Ich bin realistisch: Ich habe geringe Chancen, aber ich trete dennoch an, um gewählt zu werden."
Dafür betreibt er einen intensiven Wahlkampf mit Brötchenaktionen und Informationsständen. Auch mit der Grünen Jugend habe er einen Stand in Wittlich gehabt. "Ich möchte junge Leute motivieren und dafür begeistern, Mitglied zu werden." Was die Landespolitik betrifft, hat Adriani klare Standpunkte: "Ich persönlich war gegen den Hochmoselübergang." Er könne verstehen, dass die Menschen auf die Grünen sauer seien, weil sie bei der Regierungsbildung diesen Kompromiss eingegangen sind.
In Sachen Sicherheitspolitik ist es Adriani wichtig, zwischen Sicherheit und Freiheit zu differenzieren: "Ich glaube nicht, dass mehr Überwachung zu mehr Sicherheit führt." Kameras im öffentlichen Raum lehnt er ab. Mehr Geld für die Polizei findet er hingegen sinnvoll. "Die Polizei ist unterfinanziert." Man müsse in mehr Personal und eine bessere Ausstattung investieren. In der Debatte um mehr Sicherheit polemisiere die AfD seiner Ansicht nach extrem: "Die Menschen tun so, als gäbe es Vergewaltigungen erst, seit andere Menschen in unserem Land sind."
Generell findet der 26-Jährige es schade, dass so viele Menschen AfD wählen wollen, auch wenn er da den aktuellen Umfragen, die die AfD bei der Landtagswahl bei zehn Prozent sieht, noch nicht glauben möchte. Um die Flüchtlingskrise zu bewältigen, seien für ihn besonders Sprachkurse und ein beschleunigtes Asylverfahren wichtig: "Die Zahl der Entscheider im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge müsste aufgestockt werden."
Auf Landesebene sieht er persönlich als einzige Koalitionsoption der Grünen die SPD. Eine gemeinsame Regierung mit der CDU sei für ihn undenkbar. Einige Standpunkte der Christdemokraten lehnt er ab: "Die Kürzung des Umweltetats und die Schließung des Nationalparks, das sind zwei Sachen, die für mich gar nicht gehen." Seine eigenen thematischen Schwerpunkte hat Adriani auf den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) gelegt: "Ich fordere ein Grundrecht auf Mobilität." Kosten und Taktung müssten attraktiver gestaltet werden, dann würden auch viel mehr Menschen das Angebot nutzen. Eine anfängliche Subventionierung, um diese Art der Fortbewegung in das Bewusstsein der Menschen zu rücken, hält er für sinnvoll. "Bürgerbusse und Hoftaxis sollten staatliche Aufgabe sein und nicht auf Private abgewälzt werden."
Die finanzielle Last solle nicht alleine von den Kommunen getragen werden, sondern das Land sollte Geld bereitstellen. Für Schüler fordert er zusammen mit der Grünen Jugend ein kostenloses, landesweites ÖPNV-Ticket. Ein weiteres wichtiges Thema ist für Adriani der soziale Wohnungsbau. Seiner Ansicht nach sollte es eine verbindliche Quote geben, wie hoch der Anteil an Sozialwohnungen beim Neubau sein sollte.
Sein Vorbild ist dabei Trier, wo vom Stadtrat eine Quote von 25 Prozent Sozialwohnungen bei neuen Bauprojekten beschlossen wurde. Dieses Ziel möchte er auf jeden Fall auf kommunaler Ebene vorantreiben.Extra

Simon Adriani ist 26 Jahre alt, ledig und wohnt in Wittlich-Bombogen. Er studiert an der Universität Trier Philosophie und Politikwissenschaft auf Lehramt. Seit 2007 ist er Mitglied der Grünen Jugend Rheinland-Pfalz, wo er derzeit Schatzmeister ist. Im Ortsbeirat Wittlich-Bombogen ist er seit 2014 Mitglied. jwa