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Singen ist ein großer Teil ihres Lebens

Singen ist ein großer Teil ihres Lebens

Gesang ist ihre große Leidenschaft. Die Kueserin Elisabeth Zimmermann ist seit 70 Jahren im Kirchenchor der Pfarrei St. Briktius Kues aktiv. Mit 13 Jahren trat sie nach Ende ihrer Schulzeit in den Chor ein. Seither ist die 83-Jährige eine große Stütze im Sopran und wirkte früher auch als Solistin bei Konzerten, Veranstaltungen und Hochzeiten mit. Am Samstag, 28. Januar, wird sie beim Familienabend für ihre langjährige Treue ausgezeichnet.

Bernkastel-Kues. Fotoalben mit jeder Menge historischer Bilder liegen ausgebreitet auf dem Tisch. Elisabeth Zimmermann erinnert sich: "Wenn man früher einigermaßen singen konnte, dann ging man nach Abschluss der Schulzeit in den Kirchenchor". Es gab ja ansonsten keine Abwechslung. "Da waren wir als junge Mädchen froh, wenn wir in die wöchentlichen Gesangsstunden gehen konnten", versichert die 83-Jährige, die damals noch Herges hieß.
Menschen ganz nah


Sie erinnert sich an das alte Sälchen hinter der Kirche, das auch heute noch, allerdings renoviert und umgebaut, als Probenraum dient.
"Wir im Sopran saßen vorn rechts, direkt am warmen Ofen, was im Winter sehr angenehm war", sagt sie. Im kleinen Schrank wurden die Noten aufbewahrt. Die Chorproben fanden nicht nur abends statt, sondern oftmals auch zusätzlich sonntags um 13 Uhr nach dem Mittagessen. "Darüber war ich als Mädchen ganz froh, denn dann musste ich zuHause nicht spülen", lacht die Sängerin. Im Gegensatz zu heute, sangen früher auch die Frauen den Gregorianischen Choral zusammen mit den Männern. Und wenn beim Singen mal etwas mehrfach nicht klappte, dann flogen auch schon mal die Notenbücher. Der Kirchenchor, der laut Ortschronik bereits seit 1830 besteht, ist ein vierstimmiger Chor mit Sopran und Alt sowie Tenor und Bass.
Neben der Gottesdienstgestaltung an hohen Feiertagen standen in regelmäßigem Turnus auch Orchestermessen und Kirchenkonzerte mit Chor und Solisten auf dem Programm. "Das war immer etwas ganz Besonderes", denkt Zimmermann zurück. Bei solch einer Gelegenheit fiel die Chorsängerin mit ihrer guten Stimme der damaligen Konzert-Sopranistin Maria Comes-Strauß aus Trier auf.
Mit dem Zug fuhr sie fortan zum Gesangsunterricht in die große Stadt - die Stunde für eine Flasche Wein. Es gab allerdings ein Problem. Denn für das Proben zu Hause besaß sie kein Klavier: "Da war ich froh, dass ich mit dem damaligen Organisten und Chorleiter Norbert Schäfer üben durfte". 1958 heiratete Elisabeth ihren Toni, den sie schon aus dem Kindergarten kannte. Damit war es zunächst vorbei mit dem Chorsingen. Denn nur unverheiratete Frauen kamen in den Chor. Erst unter Chorleiter Ägidius Querbach wurde über eine künftige Teilnahme von verheirateten Frauen positiv abgestimmt. "Gott sei Dank, denn das Singen gehörte zu meinem Leben", sagt Zimmermann. Auch wenn die dreifache Mutter und Winzersfrau abends oft müde von der Arbeit war, hieß es einmal in der Woche "schnell umziehen und ab zum Sälchen."
Lieblingskomponist ist Mozart


Auch die solistischen Auftritte bei Konzerten oder Hochzeiten machten ihr sehr viel Freude. Dabei gehört Mozart mit seinen eingängigen Melodien zu ihren Lieblingskomponisten. "Wurde früher stets in Deutsch oder Lateinisch gesungen, muss ich heute im hohen Alter sogar noch Werke in französischer Sprache lernen", verrät Zimmermann schmunzelnd. Singen und Geselligkeit - das sind die beiden Aspekte, die sie bis heute an der Chorgemeinschaft schätzt. Die Sopranistin hat unter fünf Chorleitern und fünf Pfarrern gesungen. Ans Aufhören aber denkt sie noch nicht: "Ich singe, solange Stimme und Geist es zulassen", versichert Zimmermann.