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Skifahren am Erbeskopf: Ein Lifttag macht noch keinen Winter

Kostenpflichtiger Inhalt: Freizeit : Skifahren am Erbeskopf: Ein Lifttag macht noch keinen Winter

Mit der Saison 2019/2020 können die Betreiber des Wintersportzentrums am Erbeskopf nicht zufrieden sein. Nur ein einziges Mal konnten sich die Skifahrer auf den Pisten austoben. Wie sicher ist das Freizeitvergnügen auf die Dauer?

Der kalendarische Frühling hat bereits begonnen. Doch am Erbeskopf ist davon derzeit nichts zu sehen. Zumindest am Montag waren das Nationalparktor, das Plateau und die Skipiste schneebedeckt. Doch bevor auch nur ein Fünkchen Hoffnung aufkeimte: Wintersportlern nützte das derzeit überhaupt nichts. Der Schnee reichte längst nicht zum Abfahren, und die Schneekanonen des Zweckverbandes Wintersport-, Natur- und Umweltbildungsstätte stehen trotz ordentlicher Minusgrade still. „Sämtliche Freizeiteinrichtungen sind gesperrt  – es ist alles zu“, macht Andreas Hackethal, Bürgermeister der Gemeinde Morbach und in Personalunion stellvertretender Vorsteher des Zweckverbandes Wintersport-, Natur- und Umweltbildungsstätte, deutlich. Das heißt: Die Wintersportsaison 2019/2020 ist definitiv abgeschlossen. Und sie war alles andere als rosig.

Es gab genau einen Liftag: am 29. Februar. An diesem einen Tag waren 4000 Skifahrer und andere Besucher am Erbeskopf unterwegs. Mitte Februar hatte der Trierische Volksfreund den Bürgermeister in Sachen Wintersport interviewt und gefragt, ob er in diesem Winter noch Verhältnisse  erwarte, der Skibetrieb möglich mache. Sprich: entweder Naturschnee in größeren Mengen oder eine längere Periode von stabilen Minusgraden, die das Produzieren von technischem Schnee ermögliche. Damals zeigte sich Hackethal optimistisch: „Persönlich gehe ich fest davon aus, dass es nochmal Winter wird. Der Winter kommt spät, aber er kommt.“ Er sollte Recht behalten. Allerdings für die Bilanz 2019/20 fiel er mit dem besagten einen Tag Wintersport sehr spärlich aus.

In den vergangenen zehn Jahren gab es genau einen Winter mit keinem Liftbetrieb – und zwar im Jahr 2013/14. In den Jahren vor 2003, als die Beschneiungsanlage in Betrieb genommen wurde, waren wintersportfreie Saisons häufiger.   Ansonsten sahen die Zahlen deutlich besser aus. Das zweitschlechteste Ergebnis waren 2015/16 13 Skitage, 26 mal warfen die Verantwortlichen in den Saisons 2011/2012 sowie 2018/19 die Lifte an. Absolute Spitze war übrigens der Winter 2006/07 mit 88 Tagen.

Doch von solchen Zahlen können die Verantwortlichen am Erbeskopf derzeit nur träumen. So gut wie kein Liftbetrieb „bedeutet natürlich einen finanziellen Totalausfall“, macht Hackethal deutlich.  Die reinen Vorhaltekosten mit kleineren Reparatur- und Unterhaltungsmaßnahmen an Piste, Flutlicht, Liftanlagen und Beschneiungssystem sorgen für einen jährlichen Kostenaufwand von 15 000 bis 20 000 Euro. Bei größeren Ersatzbeschaffungen  oder Reparaturen „erhöht sich der Betrag entsprechend“. Eine Komplettbeschneiung unter günstigen Witterungsbedingungen dauere 80 bis 90 Stunden  und koste rund 8200 Euro Strom und Personal. Häufig reiche schon ein Tag am Wochenende, um die Beschneiungskosten zu kompensieren.In der abgelaufenen Saison sei vor allem stundenweise technischer Schnee produziert worden und diente vor allem der Erprobung der neuen Hydromate und einer Schneekanone, die als Vorführmaschine am Erbeskopf war. Um rechnerisch null auf null rauszukommen, benötigt man laut Klaus Hepp vom Wintersportzentrum, das hatte er bei einem Volksfreund-Interview im vergangenen Jahr gesagt, rund 30 Lifttage.

Wie viel Sinn macht es denn unter diesen Witterungsbedingungen überhaupt, Wintersport zu betreiben? Hackethal: „Insgesamt versucht sich der Zweckverband Erbeskopf, im Freizeitbereich breit aufzustellen“, aber Outdoor-Einrichtungen  seien sie ganz unabhängig von der Witterung.

Macht es denn bei fortschreitendem Klimawandel überhaupt Sinn, den Wintersport auf Dauer beizubehalten? Oder gibt es einen Punkt, an dem man die Reißleine ziehen muss? Sicherlich müsse man irgendwann entscheiden, ob der Wintersport am Erbeskopf fortgeführt wird, betont Hackethal weiter.  Aber: „Solange die bestehenden technischen Anlagen mit relativ geringen Mitteln betriebs- und verkehrssicher gehalten werden können  und sich der allgemeine Unterhaltungsaufwand in Grenzen hält, wird man an dem Freizeitangebot Wintersport festhalten“, versichert Hackethal. Es stelle ja auch kaum jemand  die Sporthallen, Schwimmbäder oder Sportplätze in Frage, denn diese Einrichtunge brächten ja  auch keinen echten Deckungsbeitrag. Sie seien aber fester Bestandteil der Daseinsfürsorge der Öffentlichen Hand.

Ob momentan größere Investitionen anstehen, in der Frage hält sich der Zweckverbandsvorsteher etwas bedeckt. Diese seien weitgehend von wirtschaftlichen Ergebnissen abhängig. „Ein vernünftiger Überzeugungswinter  mit vielen ergiebigen Lifttagen könnte hilfreich sein, um die Entscheidungsträger zumindest von größeren Investitionen zu überzeugen.“ Würde ein Privatinvestor gefunden, könne man selbstverständlich auch über eine Privatisierung und Teilprivatisierung reden.