Stadtentwicklung: Smarte Zukunft für Traben-Trarbach

Stadtentwicklung : Smarte Zukunft für Traben-Trarbach

Das Unternehmen Innogy will ein Jahr lang neue digitale Möglichkeiten in der Moselstadt testen, von denen Bürger, Gewerbe und Behörden profitieren können. Doch fürchten Kritiker um die Sicherheit ihrer Daten.

Geht es nach dem Willen des Traben-Trarbacher Stadtrats und des Energieversorgers Innogy, soll sich Traben-Trarbach vorerst für ein Jahr zu einer Smart City mit smarten Quartieren entwickeln. Denn Innogy hat sich die Moselstadt als Standort für ein Pilotprojekt ausgewählt, um zu untersuchen, wie neue Techniken installiert werden können und sich in der Praxis bewähren.

Doch was steckt hinter diesen Begriffen Smart City und Smarte Quartiere? Das haben Vertreter von Innogy jetzt in einer Bürgerversammlung im Alten Rathaus in Traben vorgestellt. Wobei das Interesse der Bürger „enttäuschend“ gewesen ist, wie es die Beigeordneten Renate Braband und Hajo Weinmann genannt haben: Lediglich 20 Bürger, darunter einige Mandatsträger, haben die Möglichkeit wahrgenommen, sich über das Projekt Smart City zu informieren.

Innogy gehe mit seinem Projekt namens Smart Pole Factory über den Wunsch der Stadt hinaus, ein öffentliches W-Lan-Netz in der Moselstadt zu schaffen, sagen Andreas Sonntag und Marc Flegel von Innogy. Denn zusätzlich sollen weitere Angebote gemacht werden. So soll an Straßenlampen in Traben-Trarbach mit einer zusätzlichen Stele gleichzeitig die Möglichkeit geschaffen werden, Elektrofahrzeuge aufzuladen. Potenzielle Orte hierfür könnten die Parkplätze Alter Bahnhof, Enkircher Straße, Trehl sowie das Alte Rathaus in Traben und das Rathaus in Trarbach sein. Andere Module, die ebenfalls an Straßenlampen befestigt sind, sollen erkennen, ob auf den Parkplätzen am Bahnhof, am Moselufer und Enkircher Straße Stellplätze frei sind und diese suchenden Autofahrern anzeigen. Ein dritter Baustein sind große Bildschirme, die Gewerbetreibende für ihre Werbung nutzen können, die gleichzeitig aber auch den städtischen Organisationen die Möglichkeit zur kurzfristigen Information gibt.

 „Wir könnten beim MoselWeinNachtsMarkt beispielsweise schnell darauf hinweisen, wenn bei einem Keller wegen starken Andrangs ein Einlassstop verhängt wird“, sagt Wiebke Pfitzmann von der Touristinfo, die für die Stadt das Projekt betreut. Beim vierten zusätzlichen Baustein zum W-Lan, das Innogy in Traben-Trarbach testen will, will das Unternehmen ermitteln, wie viele Menschen sich in der Stadt wie bewegen. Das funktioniert allerdings nur bei Personen, die sich mit ihrem Handy in das neue W-Lan-Netz eingeloggt haben. „Wir fragen uns häufig, wie die Laufwege unserer Gäste sind“, sagt Pfitzmann. Genaue Zahlen könnten beispielsweise helfen, gute Standorte für Infotafeln zu finden oder die Besucherströme beim MoselWeinNachtsMarkt zu lenken.

 Doch hat gerade dieser Punkt für kritische Fragen der Besucher der Infoveranstaltung gesorgt. Wie werden die Daten der Handys erfasst und ausgewertet, und wie ist die Datensicherheit gewährleistet? „Wir verstehen uns als Dienstleister der Stadt und haben kein Geschäftsmodell, das vorsieht, Daten zu verkaufen“, sagt Flegel von Innogy. Man wolle mit der Verarbeitung der Daten der Stadt lediglich eine sinnvolle Analyse anbieten.

 Zudem würden die Daten der eingeloggten Handys anonym erfasst und außer den Bewegungen der entsprechenden Personen keine weiteren Daten abgegriffen. „Es liegt uns fern, etwas gegen die Bürger der Stadt zu gestalten“, sagt Stadtbürgermeister Patrice Langer. Er nimmt in die kommende Stadtratssitzung die Bedenken der Bürger zur Datensicherheit mit. Dann sollen die Mitglieder des Gremiums entscheiden, welche Bausteine die Stadt in das für die Dauer von einem Jahr geplante Pilotprojekt integrieren will. Einen positiven Grundsatzbeschluss hatte der Rat bereits in einer früheren Sitzung gefasst.

Über die Kosten des Projekts schweigen sich Unternehmen und  Stadt aus. Langer sagt, die Summe sei noch nicht klar, da dies von der Entscheidung abhänge, für welche Module man sich entscheide. Da Innogy bei dem Pilotprojekt, bei dem das Unternehmen laut Sonntag für weitere Vorhaben dieser Art selbst lernen will, jedoch die Kosten zum überwiegenden Teil übernehme, bleibe bei der Stadt nur „ein ganz kleiner Anteil“ hängen.