"So ein Schild habe ich noch nie gesehen!"

Wittlich · Genau eine Woche ist Wittlichs neue Parkregelung in Kraft getreten. Der TV hat sich auf dem Parkplatz Rommelsbach nach Reaktionen umgehört. Das Fazit: Die neue Parkscheibenregelung stiftet noch Verwirrung.

Sorgen für Verwirrung auf dem Rommelbach-Parkplatz: die neuen Schilder. TV-Foto: Klaus Kimmling

Wittlich. "Können Sie mir sagen, wie ich hier parken muss?"Das ist aktuell die Frage vieler Menschen auf dem Parkplatz Rommelsbach. Seit 1. Oktober gilt eine neue Regelung (der TV berichtete): Auf dem großen Parkplatz an der Lieser werden 190 innenstadtnahe Plätze per Parkscheibe bewirtschaftet. Durch Schilder an jeder Einfahrt ist die Zone begrenzt, in der man höchstens zwei Stunden parken darf. Die vorderen Reihen sind gut besetzt, aber kaum eine Parkscheibe liegt hinter den Frontscheiben, denn nicht jeder versteht die neue Regelung.
"So ein Schild habe ich noch nie gesehen", sagt beispielsweise die 20-jährige Katrin Stefan. Die Altricherin parkt selten in Wittlich. In ihrem Auto sitzend betrachtet sie unsicher das Schild an der Einfahrt. "Ich weiß nicht genau, was ich damit anfangen soll", sagt die junge Frau. Sie meint, es hätte noch mehr auf die neue Regelung aufmerksam gemacht werden müssen.
Auch drei Rentner aus der Nähe von Erfurt, die aus ihrem Fahrzeug steigen, finden, das Hinweisschild sei leicht übersehbar. Wenn sie nicht von anderen darauf aufmerksam gemacht worden wären, hätten sie es übersehen, sagt eine der Damen. Die Gruppe ist sich einig, dass Autofahrer ein größeres Schild auf Augenhöhe besser sähen. "Wenn du fremd bist, guckst du erst mal, dass du einen Parkplatz findest", sagt der Fahrer, der wieder einsteigt, um sein Auto im hinteren Teil des Parkplatzes abzustellen.
"Ein Parkautomat wäre besser", überlegt Lorentz Kielland aus Norwegen, der ebenfalls in der "Parkscheibenzone" geparkt hat. Der 56-jährige Architekt will mit seinem Sohn die Stadt erkunden. Das seiner Meinung nach kaum sichtbare Schild habe er nicht verstanden, sagt Kielland.
Auf Nummer sicher geht eine 66-jährige Sehlemerin, die aus dem hinteren Teil des Parkplatzes kommt. Sie hat vorsichtshalber trotzdem eine Parkscheibe in ihr Auto gelegt. Durch die Zeitung hat sie von der Neuregelung erfahren. Den Preis der anderen, ab sofort gebührenpflichtigen Parkplätze findet sie angemessen: "In Trier bezahlt man für einen Tag sechs oder sieben Euro, hier nur zwei. Das ist ja nicht viel."
Von der Veränderung gelesen hat eine 75-jährige Kölnerin, die auf einem der Frauenparkplätze ihr Auto säubert. Sie allerdings dachte, der ganze Parkplatz sei frei. "Wenn alle davon wissen, ist um acht Uhr morgens alles zu", sagt sie mit einem Blick auf den hinteren Teil des Parkplatzes. "Wie soll man als Hotelgast hier denn noch parken? Dann mache ich in Wittlich eben keinen Urlaub mehr!" "Wenn man hier immer kostenlos geparkt hat, fällt einem das gar nicht auf", sagt der 20-jährige Samuel Coen, der von der Parkzone nichts mitbekommen hat.
Manche, wie die 34-jährige Katharina Rach aus Hupperath, ärgern sich: "Es ging doch jahrelang gut! Ich finde es unverschämt, dass die Bürger für die Schulden der Stadt geradestehen müssen." Als Mutter von drei Kindern habe sie so schon Stress genug. "Muss ich jetzt eine halbe Stunde früher auf die Arbeit fahren, damit ich mich nicht um einen Parkplatz prügeln muss?", entrüstet sie sich. Überall sieht man inzwischen umparkende Autofahrer, die erfahren haben, dass es ohne Parkscheibe ein Knöllchen geben könnte. Die gute Nachricht: Im hinteren Bereich haben sie alle einen kostenlosen, unbefristeten Parkplatz gefunden. jas