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So feiern die Säubrenner: Kirmes im August bietet viel Traditionelles

Witlich. Feiern oder fliehen: Das gilt für die Wittlicher während der Säubrenner-Kirmes vom 15. bis 18. August. Die meisten feiern: zusammen mit den Besuchern, die sich eines der größten Volksfeste der Region nicht entgehen lassen wollen. Ein Überblick über die Besonderheiten des Traditionsfestes. Sonja Sünnen

Schauspiel: Mit der Aufführung der Geschichte, wie die Säubrenner zu ihrem Namen kamen, am Kirmesfreitag gegen 21.30 Uhr im Stadtpark, werden die Zuschauer von 150 Akteuren nicht nur in die Zeit der Belagerung der Stadt im Mittelalter zurückversetzt und über die Säubrenner-Sage aufgeklärt. Danach führt ein Fackelzug zum Marktplatz und Bürgermeister Joachim Rodenkirch wird mit dem Ausschank des Belagerungstrunks die Kirmes offiziell eröffnen.

Ästhetik: Die Wissenschaft vom Schönen könnte die Säubrenner als einen Sonderfall analysieren: Schön finden es die Wittlicher zur Kirmes die Flagge mit den hängenden Scherl-Schweinen an ihren Häusern zu hissen und zum Beispiel Schweinchen-Designs auf Krawatten zu tragen. Viele Geschäftsleute setzen ebenfalls auf das Sau-Motiv in der Schaufensterdekoration. Wer sich während der Kirmestage mit der Lehre des Schönen in Wittlich beschäftigt, kommt auch um eine Erkenntnis nicht herum: Mit dem Genuss der Wittlicher Weine, den die vier Winzer der Stadt rund um den Marktplatz ausschenken, wird die Kirmes noch schöner.

Urwittlicher. Es bleibt zwar ungeklärt, was diese ausmacht, sicherlich sind sie am Kirmessamstag, 16. August, in der Stadt. Dann ist ab 14.30 Uhr der große Festumzug, mit dem die ersten Säue zum Bratstand auf den Marktplatz gebracht werden. Dort wird dann gegen 15 Uhr das Kirmesprotokoll vom Vorjahr vorgelesen, die Feuerwehr bringt dem Stadtheiligen Rochus im Giebel des Alten Rathauses einen Blumengruß, und der erste Saubraten wird bis Mitternacht ausgegeben und verspeist. Der Urwittlicher geht auch an Kirmessonntag ins Festhochamt, 11 Uhr, St. Markus.

Blasorchester: Ohne diese Wittlicher Musiker gibt es keine Kirmes sozusagen: Das Blasorchester ist am dritten Augustwochenende im Dauereinsatz: Es spielt freitags von 21 bis 24 Uhr, samstags nach dem Umzug bis 18 Uhr, sonntags zum Frühschoppen von 11 bis 12 Uhr und Kirmesmontag noch einmal von 11 bis 13 Uhr mitten auf dem Marktplatz.

Riesenrad: Das ist das Wahrzeichen des großen Rummelplatzes, das auch am Abend mit seinen zig Lämpchen von weither zu sehen ist. Eine Fahrt mit dem Ausblick aus der Gondel über die Dächer der feiernden Stadt gehört zum Kirmesbesuch für Traditionalisten dazu. Zum zweiten Mal kommt dieses Jahr dafür das Modell "Jupiter" nach Wittlich. Es ist 50 Meter hoch und hat 36 Gondeln. An Kirmesfreitag, 15. August, 18.30 Uhr, wird traditionell vor dem Riesenrad der Rummelplatz eröffnet, dann gilt: eine Viertelstunde freie Fahrt für alle. Ein Teil der Fahrgeschäfte nutzt erstmals den neu gestalteten Kurfürstenplatz.

Einmal ist keinmal: Der traditionelle Kirmesgänger gibt sich nicht mit einem Feiertag zufrieden: Er muss von der Rummelplatzeröffnung am Riesenrad übers Festspiel nebst Belagerungswein-Trinken, das komplette Samstagsprogramm sowieso, den Sonntag und natürlich den Tag der Wittlicher, den Kirmesmontag, durchstehen. Das macht sich im gesamten Stadtbild bemerkbar: Geschäfte und Büros haben geschlossen, selbst die Caritas-Geschäftsstelle ist zu.

Nachtspektakel: Zu den Neuerungen im Programm gehört die Lasershow mit Musik, die die Schausteller zum dritten Mal zwischen den Rummelplätzen am Zentralen Omnibusbahnhof aufführen. Sie ist am Sonntag, 17. August, um 21.30 Uhr und um 22.30 Uhr.

Neuigkeit: Immer wieder etwas Neues gibt es im Programm sowieso: In diesem Jahr wird erstmals eine Weinprobe im Riesenrad geboten. Sie ist Kirmes sonntag, 11 Uhr. Die Wittlicher Weingüter Zender-Göhlen, Axel Mertes, J. Lütticken und Losen-Bockstanz und das Weingut Benedict Loosen Erben aus Ürzig sind bei der Premiere dabei. Karten zu 29 Euro gibt es bei den Wittlicher Winzern, der Tourist info auf dem Marktplatz und im Alten Rathaus.

Einsatz: Während die Wittlicher und ihre Gäste tapfer im Dauerfeiereinsatz sind, kümmern sich viele um ihr Wohlergehen. Angefangen vom Röstmeister am Saubratenstand mit seinem Team, das erst nach Mitternacht Feierabend hat, über Bürgermeister und Stadträte, die einen Marathon voller Präsentationstermine bis hin zur festlichen Weinprobe in der Synagoge absolvieren, bis zu Rettern in der Not: Den Sanitätsdienst für den Rummelplatz übernimmt der Malteser Hilfsdienst im Haus der Jugend, Kurfürstenstraße. Das Deutsche Rote Kreuz kümmert sich um die Innenstadt und hat ihre Zentrale am Zebrastreifen in der Feldstraße eingerichtet. Die Brandwache hat die Freiwillige Feuerwehr im Haus der Jugend. Und wenn alle am frühen Morgen schlafen gehen, kommt der Großeinsatz der Stadtreinigung, die immer dafür sorgt, dass der neue Kirmestag tipptopp aufgeräumt beginnt..

Rahmenprogramm: Während für Kinder und Jugendliche der Rummelplatz das Größte ist, stehen andere unbedingt auf Saubraten und Wein und Musik, Musik, Musik, die täglich in der Stadt auf der Bühne am Marktplatz und am Pariser Platz geboten wird. Nicht zu vergessen und für viele Besucher einen Bummel wert ist der große Handwerkermarkt am Platz an der Lieser.
Einen Überblick über das Programm und mehr gibt es auf www.saeubrenner.wittlich.de