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So funktioniert biologisch-dynamische Landwirtschaft: Zu Besuch auf dem Demeterhof Breit bei Wittlich.

Landwirtschaft : TV-Serie „Besser bio?!“: In Wittlich steht die Kuh im Mittelpunkt (Video)

So funktioniert biologisch-dynamische Landwirtschaft: Zu Besuch auf dem Demeterhof Breit bei Wittlich.

21 Kühe stehen in dem engen, nach warmem Dung riechenden Anbindestall. Eine von ihnen reckt den Hals so weit nach vorne, dass ihre spitzen Hörner zur Decke zeigen und brüllt aus Leibeskräften. Doch bevor hier irgendwer Mitleid bekommt: Wahrscheinlich freut sie sich über den Besuch. Oder aufs Melken. Denn nur deshalb ist sie angebunden. Den Rest des Tages verbringen die Tiere, die ihre Hörner – anders als die meisten ihrer Artgenossen – behalten dürfen, draußen auf den Weiden des Demeterhofs Breit bei Wittlich. Ein Bio-Bauernhof wie aus dem Bilderbuch. Mit Kühen, Schweinen, Hühnern, Schafen, Pferden, Hunden und Katzen. Mit grünen Wiesen, Apfelbäumen, Weizenfeldern und Kartoffeläckern. Und mit großen Gemüsebeeten, die auch im Winter noch mit allerlei Kohl- und Salatsorten gefüllt sind.

Regelmäßig kommen Schulklassen vorbei, um zu erfahren, wie biologische Landwirtschaft funktioniert. Und auch sie besuchen dann den Kuhstall – das Herzstück des Betriebs.

Die Hühner leben in mobilen Ställen und haben daher grüne Wiesen, in denen besonders viele Regenwürmer leben. Foto: TV/Foto: Katharina de Mos

„Die Kühe sind das zentrale Element auf unserem Hof“, sagt Landwirt Paul Brandsma, der den Hof gemeinsam mit seiner Frau  Eugenie und einem Team von Mitarbeitern betreibt, und streichelt eine schwarz-weiße Kuh, die ihren Kopf gegen seinen grünen Overall  drückt. „Die Kühe liefern uns die wertvolle Milch, die wir direkt in unserer Käserei frisch verarbeiten, und sie liefern uns auch den Dünger, den wir auf dem Acker brauchen“, sagt der gebürtige Niederländer. Der geschlossene Kreislauf spielt auf dem Biobauernhof, der auch das Futter für die Tiere selbst erzeugt, eine große Rolle.

Foto: TV/Foto: Katharina de Mos

Auch die sonst üblichen Transportstrecken fallen weg. Wird ein Großteil der Erzeugnisse doch gleich vor Ort im Hofladen zum Kauf angeboten: Rohmilchgouda, Milch, Wurst oder Gemüse. „Die Wege sind kurz und transparent“, sagt der Biobauer, der bei seiner Arbeit besonders  großen Wert auf Bodenpflege und -fruchtbarkeit legt. So arbeitet er in der Fruchtfolge viel mit Klee und anderen Leguminosen, die in der Lage sind, Luftstickstoff zu binden. Und er nutzt, wie das im biologisch-dynamischen Landbau nach der anthroposophischen Idee Rudolf Steiners üblich ist,  homöopathische Präparate, die die Bodenfruchtbarkeit steigern und die Pflanze fördern sollen: Hornmist (Mist im Kuhhorn) und Hornkiesel (zermahlener Bergkristall im Kuhhorn). Kann die Naturwissenschaft auch so rein gar nichts mit alledem anfangen – den Regenwürmern scheint es zu gefallen.

Foto: TV/Schmitz, Alexandra

Auf dem Weg zu seinen mobilen Hühnerställen hält Brandsma inne und zeigt auf die vielen Regenwurmhaufen in der Wiese. Bis zu 160 Würmer pro Quadratmeter lebten hier, sagt der Biobauer, ehe er über den Zaun zu den freudig gackernden Hühnern steigt, die ihm auf Schritt und Tritt folgen, während er ihnen Hände voll Körner zuwirft. Dank der mobilen Ställe bleibt die Wiese, auf der die Hühner begierig picken, grün. Nach einer gewissen Zeit wandert der Stall einfach weiter. Um an die Eier heranzukommen, braucht man nicht hineinzukriechen, sondern bloß von außen Klappen zu öffnen und die Eier aus der Streu zu nehmen.

Der Rückweg führt an Feldern und Gewächshäusern voller Salat und Gemüse vorbei. Auf rund einem Hektar Land bauen zwei Gärtner dort mehr als 30 verschiedene Sorten zertifiziertes Biogemüse an – und zwar in solidarischer Landwirtschaft. Das bedeutet: Privatleute und der Hofladen finanzieren den Betrieb und erhalten dafür wöchentlich eine Ration Salat, Obst und Gemüse. An den Mitmachtagen können sie auch selbst anpacken. 70 Anteile hat der junge Solawibetrieb bereits im ersten Jahr seiner Existenz  vergeben – 17 davon an den Laden des Hofes Breit. Ein Hof, der mit Solaranlagen mehr Strom erzeugt als er benötigt und der einem gemeinnützigen Verein namens Hof Breit e.V. gehört. Ein weiterer Punkt, der den Demeterhof von den meisten konventionellen Betrieben unterscheidet. Zum Biobauern wurde Brandsma, weil er bei der intensiven Landwirtschaft nicht mehr mitmachen wollte. „Als ich aus der Landwirtschaftsschule kam, hatte Holland zu wenig Fläche für die vorhandenen Kühe und Schweine. Aber es kann doch nicht sein, dass man das Futter aus Südamerika oder von sonstwo importieren muss!“. Da müsse ein Gleichgewicht herrschen.

Ein Gleichgewicht, für das in Wittlich der geschlossene Stoffkreislauf sorgt, in dessen Zentrum die laut muhenden Kühe stehen.