So funktioniert das Amok-Alarmierungssystem in der Region Trier

Kostenpflichtiger Inhalt: Polizei : So funktioniert das Amok-Alarmsystem der Schulen

Immer wieder kommt es in Deutschlands Schulen zum Amok-Alarm. Was bei einer solchen Gefährdungssituation passiert? Jede Schule hat ihr System.

Die Schulen in Rheinland-Pfalz haben unterschiedliche Systeme, einen Amok-Alarm, der sich immer deutlich von einem Feueralarm unterscheidet, auszulösen. In der Regel haben mehrere Mitarbeiter bis hin zu allen Lehrern der Schulen die Möglichkeit, im Falle einer Amok-Gefährdung einen Alarm auszulösen. Lehrer mancher Schulen verfügen dabei zum Beispiel über spezielle Mobiltelefone mit einem Alarmknopf, der mehrere Sekunden gedrückt automatisiert eine Alarmkette in Gang setzt. Allerdings möchte man sich aufseiten der Polizei und auch den Kommunen, die als Schulträger für die technische Ausrüstung der Lehrer und Mitarbeiter verantwortlich sind, nicht all zu sehr in die Karten schauen lassen. Details zu den Alarmierungssystemen wolle man aus Sicherheitsgründen nicht preisgeben, erklärt Manuel Follmann, Pressesprecher der Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich. „Sonst weiß ja jeder potenzielle Amok-Läufer, was ihn erwartet.“

Die Systeme seien jedoch größtenteils automatisiert, erklärt Follmann, wobei hinterlegte Rufnummern automatisch gewählt würden. Follmann: „Weitere Stufen und Schritte des Alarmierungsprozesses sind nicht für die Öffentlichkeit gedacht. Auch innerhalb der Schulen gibt es automatisierte Alarmierungsprozesse.“

Allen unterschiedlichen Systemen gleich sei, erklärt Uwe Konz, Leiter der Pressestelle des Polizeipräsidiums Trier, dass die Alarmauslösung neben weiteren Stellen wie den Rettungsdiensten die Polizei alarmiere.

„Wir haben ein immer gleiches Konzept, das in diesen Alarmierungsfällen ausgelöst wird“, sagt Konz: „So schnell wie möglich fahren verfügbare und zusätzlich besonders alarmierte Einsatzkräfte die betreffende Schule an, rüsten sich mit Schutzausrüstung und zusätzlicher Bewaffnung aus und gehen in sogenannten Interventionsteams gesichert und zielgerichtet in die Schule hinein.“

Parallel hierzu nimmt die Polizei telefonischen Kontakt zur Schulleitung auf, „um hier möglichst schnell erste Informationen zu erlangen“. Außerdem werden Hilfs- und Rettungsdienste von der Polizei alarmiert und zu einer Sammelstelle dirigiert. An den Einsatzort selbst begeben sich ausschließlich Einsatzkräfte der Polizei, die für derartige Szenarien ausgebildet und ausgerüstet sind.

Unabhängig von den Hinweisen auch auf einen möglicherweise ausgelösten Fehlalarm verfolge die Polizei ihr Einsatzkonzept so lange, bis sie sich ein eigenes Bild von der Situation vor Ort gemacht habe. „In einem Ernstfall versuchen wir schnellstmöglichst, den oder die Täter zu lokalisieren und zu stellen.“

Im Falle eines Fehlalarms – wie in Wittlich und Bernkastel-Kues im August 2019 – halte man dennoch grundsätzlich an der Konzeption fest und durchsuche (oder begehe zumindest) mit den Einsatzkräften die gesamte Schule, die in einem solchen Fall den Fehlalarm unmittelbar selbst verifizieren und der Einsatzleitung dies verbindlich melden.

Über einen Alarm werden grundsätzlich alle an der Schule anwesenden Menschen und die Polizei informiert. Parallel hierzu Hilfs- und Rettungsorganisationen. Die Öffentlichkeit (somit auch die Medien und Angehörige) werden durch eine einsatzbegleitende Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Pressestelle informiert. Uwe Konz: „In der Regel informieren die Schüler ihre Eltern unmittelbar über soziale Medien oder Nachrichtendienste wie WhatsApp. Für uns ist es dann häufig eine zusätzliche Aufgabe, die Eltern ab- und aufzufangen, die sich verständlicherweise besorgt auf den Weg zur Schule begeben. Auch hierauf sind wir vorbereitet.“

In den vergangenen Jahren seien die Schulen in Rheinland-Pfalz technisch aus- sowie aufgerüstet und die Schulverantwortlichen und das Lehrpersonal aus- und fortgebildet worden.

Gleiches sei aufseiten der Polizei erfolgt, sagt Konz. Es gebe zudem Kooperationen zwischen diesen Handelnden, um ein möglichst hohes Maß an Vorbereitung und Handlungssicherheit zu gewährleisten. Das polizeiliche Einsatzkonzept sei mit den Schulverantwortlichen abgestimmt und das Vorgehen dort bekannt. Konz: „So können sich die Menschen an den Schulen unterstützend richtig verhalten.“

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