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So geht es den Insekten in der Wittlicher Region

Wittlich/Oberöfflingen : Jeder kann den Bienen helfen

Das Bienenjahr im Kreis Bernkastel-Wittlich fällt offenbar nicht schlecht aus. Dennoch haben die Imker mit Problemen zu kämpfen. Die meisten Sorgen bereitet die Varroa-Milbe.

Parasiten, Insektizide und der Klimawandel mit seiner Trockenheit machen den Bienen das Leben schwer. Dabei ist der Mensch abhängig von ihnen, und das nicht nur wegen des Honigs.

Der 62-jährige Günter Weins aus Oberöfflingen ist schon seit 23 Jahren Imker und Vorsitzender im Imkerverein Hasborn. Er hat das Hobby von seinem Vater übernommen und bewirtschaftet nun 40 bis 45 Bienenvölker, die im Sommer aus bis zu 65 000 Bienen bestehen können.

„Die Tracht im Frühjahr war gut, anschließend wurde es trocken, und viele Blüten bilden dann keinen Nektar mehr. Trotzdem kann man insgesamt zufrieden sein mit dem Bienenjahr“, schaut er auf 2020 zurück.  Am besten sei ein schwüles und feuchtes Klima. „Dann honigt es richtig“, meint der Hobbyimker. Ein Bienenvolk erzeuge bis zu 40 Kilo pro Jahr an Honig. „Aber in einem guten Jahr kann das auch etwas mehr werden.“

Das größte Problem für die Bienen seien die Varroamilben. Diese seien laut Weins auch nicht mehr loszuwerden, und die Bienen seien daher von den Menschen abhängig. Zur Behandlung verzichte Weins komplett auf chemische Mittel: „Für die Varroa-Behandlung nutze ich Ameisensäure, und wenn es friert und keine Eier mehr gelegt werden, kommt Oxalsäure zum Einsatz.“ Aber ein Volk bekomme man nie komplett varroafrei.

„Das Bienenvolk ist auf den Menschen angewiesen und die Landwirtschaft hat großes Interesse an der Bestäubung der Pflanzen. Man ergänzt sich also gegenseitig.“ Ohne Bestäubung bringen viele Pflanzen deutlich weniger Ernte ein. Kirschen brächten beispielsweise 60 Prozent weniger  Erträge ohne die Hilfe der Bienen.

Auch Ulrich Gerster, der Vorsitzende des Wittlicher Bienenzuchtvereins, sieht die wesentliche Belastung in den Varroamilben: „Es ist eine ständige Aufgabe, sie in Schach zu halten und den Schaden durch die Milben zu begrenzen.“ Im Wittlicher Raum habe man keine starken Probleme mit Pestiziden. Dort würden die Bienen auch genug Nahrung über Blüten und Obstwiesen finden, meint Gerster. Weins hofft in diesem Bereich auf Verständnis der Landwirte. Man solle dann spritzen, wenn kein Bienenflug herrscht. „Also spät abends oder früh morgens. Aber ich konnte dadurch keine Verluste feststellen.“ Auch würden die Bienen durch verschiedene Aktionen unterstützt, beispielsweise durch angepflanzte Wildblumen von einem Biogas-Betreiber in der Region. Der 62-Jährige betreibe selbst einen Hektar Land für diesen Zweck. Auch habe die Gemeinde beschlossen, Feld- und Wiesenwege bis zum ersten Juli ungemäht zu lassen, um den Insekten eine Chance zu geben.

„Wenn man früher eine lange Strecke über die Autobahn gefahren ist, war die Windschutzscheibe voller toter Insekten. Heute gibt es das kaum noch“, meint Weins. Dies sollte doch nachdenklich machen. Doch muss man nicht gleich Imker werden, um den Insekten zu helfen. Man könne im Garten mal ein Stück vom Rasen stehen lassen und nicht alles gleich mähen. Aber auch Insektenhotels seien eine gute Sache. „Steingärten sollte man verbieten, wie es schon in anderen Ländern der Fall ist. Die heizen sich auf und sorgen für ihre eigenes Kleinklima.“ Stattdessen solle man vernünftige Blumen und Sträucher anpflanzen. „Man kann sich im Laden erkundigen, was besonders für Bienen oder andere Insekten geeignet ist“, so Weins.

Auch Gerster findet diese „Gärten des Grauens“ schrecklich und ruft dazu auf, diese zu vermeiden. „Man sollte möglichst viele einheimische offene Blüten anpflanzen und statt eines grünen Rasens mal eine Wildblumenwiese anpflanzen.“ Auch müsse man nicht jedes Unkraut gleich entfernen.

Weins bedauert, dass in Deutschland die Preise für den Honig nicht akzeptiert würden. „Viele Verbraucher greifen dann doch lieber zu den Billigprodukten aus dem Ausland. Das ist ein Nachteil der Globalisierung.“

Die Bienen sind für die Landwirtschaft sehr wichtig. Fallen sie aus, gibt es erhebliche Ernterückgänge. Foto: picture alliance/dpa/Sven Hoppe

Er fordert dazu auf, dass sich die Verbraucher zurückbesinnen und mehr vom Bauernhof kaufen sollten. „Trotz allem ist es ein schönes Hobby, bei der die ganze Familie mithilft.“ Immer mehr junge Leute, vor allem Frauen, seien an der Imkerei interessiert, stellt der Hobbyimker freudig fest. Das bestätigt auch Gerster. „Das Interesse an den Bienen ist sehr stark. Unser Verein verzeichnet einen stetigen Zuwachs an Mitgliedern.“