So grün ist der Landkreis Bernkastel-Wittlich

Kostenpflichtiger Inhalt: Energiewende : So grün ist der Landkreis Bernkastel-Wittlich

Seitdem Schüler freitags für den Klimaschutz protestieren, statt zur Schule zu gehen, und damit dem Beispiel der jungen Klimaaktivistin Greta Thunberg folgen, erfreuen sich Themen zum Klimawandel und der Energiewende wieder größerer Beliebtheit.

Das Bundesland Rheinland-Pfalz verfolgt das Ziel, bis zum Jahr 2030 seinen Stromverbrauch zu 100 Prozent aus Erneuerbaren Energien zu decken. Doch wie sieht es aktuell im Landkreis Bernkastel-Wittlich aus? Der TV wirft einen genauen Blick auf die erneuerbaren Energien im Kreis und fragt: „Wie grün ist der Landkreis? Wie viel Energie liefern Windräder, Photovoltaik- und Biogasanlagen sowie die Wasserkraftwerke in der Mosel? Wie viel regenerative Energie wird im Landkreis erzeugt und kann damit schon der aktuelle Strombedarf gedeckt werden?

VG Bernkastel-Kues Die Verbandsgemeinde an der Mosel mit 28 000 Einwohnern darf sich damit rühmen, dass sie weit mehr Strom produziert, als sie verbraucht. Wie der Energieversorger Innogy erklärt, wurden 2018 in der VG Bernkastel-Kues 166 561 Megawattstunden (MWh) aus erneuerbaren Energien (Biomasse, Solare Strahlungsenergie, Wasserkraft und Windenergie) gewonnen. Dem gegenüber stehe eine Stromlieferung in Höhe von 130 891 Megawattstunden. Macht unter dem Strich ein sattes grünes Plus und einen Überschuss von rund 35 000 Megawattstunden. Das gelingt hauptsächlich aufgrund der 28 Windenergieanlagen, wobei noch weitere weiße Riesen in der Planung sind.

2018 lieferten die Windräder rund 144 500 Megawattstunden. Neben 30 Photovoltaikanlagen auf Grundstücken der Gemeinden sind in der VG Bernkastel-Kues bereits rund 1050 private Photovoltaikanlagen angemeldet. 2018 betrug die Ausbeute aus Sonnenenergie 16 470 Megawattstunden. Darüber hinaus liefern in der VG auch noch zwei Biogasanlagen mit 5550 MWh und zwei Wasserkraftwerken in der Mosel mehr als 30 MWh Energie aus der Wasserkraft. Den Moselanern macht also beim Ausbau der erneuerbaren Energien so schnell keiner was vor.

Morbach Mit Sonne, Wind und Biogas werden in der Einheitsgemeinde jährlich mehr als 42 000 Megawattstunden Strom erzeugt, bei einem Verbrauch von knapp 296 000 MWh. Die beiden Photovoltaik-Freiflächenanlagen produzieren knapp 10 000 MWh, elf Windräder liefern jährlich 27 000 MWh und die drei Biogasanlagen in der Einheitsgemeinde knapp 6000 MWh Strom sowie 9200 MWh Wärme. Als größter Stromverbraucher im Kreisgebiet deckt Morbach mit den dort produzierten grünen Energien rund 14 Prozent seines Stromverbrauchs. Mit einem Verbrauch von 296 000 MWh übertrifft die Einheitsgemeinde sogar deutlich die Stadt Wittlich, die im Kreisgebiet mit einem jährlichen Verbrauch von 214 000 MWh bloß auf dem zweiten Platz landet – trotz der Vielzahl der Vielzahl an Industrie und Gewerbebetrieben und auch Einwohnern. Der hohe Energiebedarf der Hunsrückkommune erklärt sich durch den starken Anteil an Gewerbebetrieben und Industrie. Hierbei ist die Firma Papier Mettler nur einer von mehreren energieintensiven Betrieben. Auch die Säge- und Holzwerke, der Automobilzulieferer Schaeffler und weitere produzierende Betriebe haben einen großen Energiebedarf.

Thalfang Beinahe die dreifache Menge ihres jährlichen Stromverbrauchs von 50 000 Megawattstunden werden jährlich in der VG Thalfang erzeugt. Die 279 Photovoltaikanlagen, 32 Windräder, eine Biogas sowie eine Wasserkraftanlage in der Verbandsgemeinde Thalfang am Erbeskopf produzieren im Jahr 140 000 Megawattstunden grüne Energie. Eine weitere Photovoltaikanlage in Heidenburg sowie zwei Windenergieanlagen in der Ortsgemeinde Gielert sind noch in der Planung. Damit dreht die mit 7300 Einwohnern kleinste Verbandsgemeinde des Landkreises in Sachen regenerative Energien ein ziemlich großes Rad.

Wittlich-Land Obwohl sich in der VG Wittlich-Land noch gar kein Windrad dreht, ist die Verbandsgemeinde bereits groß in die erneuerbaren Energien eingestiegen und produzierte 2018 ganze 92 400 Megawattstunden erneuerbare Energie. 19 große Freiflächen-Photovoltaikanlagen sind in den Ortsgemeinden zu finden. Neun weitere PV-Anlagen mit einer Nennleistung von mehr als 17 000 Megawattstunden sind geplant. Zur Gesamtleistung tragen aber auch mehr als 1500 kleinere Photovoltaikanlagen auf den Dächern der VG bei. Ebenso grüne Energie liefern neun Biogasanlagen mit 13 Blockheizkraftwerken. Zwar kann die VG Wittlich-Land ihren jährlichen Stromverbrauch von 117 600 Megawattstunden noch nicht ganz decken, mit ­92 400 Megawattstunden aus erneuerbaren Energien und damit einer Deckungsquote von knapp 79 Prozent ist sie aber auf dem besten Weg dorthin.

Traben-Trarbach Die Verbandsgemeinde Traben-Trarbach ist ohne Windkraft unterwegs. Dort sind jedoch vier Freiflächen-Photovoltaikanlagen in Betrieb, die 2018 rund 15 000 Megawattstunden Strom lieferten. In der Wasserkraftanlage in Bengel wurden 36 MWh erzeugt. Damit kann die VG Traben-Trarbach einen kleinen Teil ihres Stromverbrauchs von knapp 71 000 Megawattstunden selbst erzeugen.

Wittlich Auch in der Säubrennerstadt wird Strom erzeugt. Dort stehen zwar keine Windräder, aber immerhin gibt es in der Kreisstadt 455 Photovoltaik-Anlagen mit einer Gesamtenergieleistung von 12,26 Megawattstunden. 2018 haben die Anlagen 9135 Megawattstunden eingespeist. Darüber hinaus gibt es in Wittlich eine Wasserkraftanlage. Einspeisung in 2018: 2,35 MWh. Bei einem jährlichen Verbrauch von mehr als 214 000 Megawattstunden ist die in der Kreisstadt produzierte Menge grüner Energie natürlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Fazit Obwohl der Landkreis Bernkastel-Wittlich (die aktuellsten Zahlen sind aus 2017) seinen Stromverbrauch von 882 000 Megawattstunden noch nicht ganz aus erneuerbaren Energien decken kann, ist der größte Teil der Wegstrecke dorthin bereits geschafft. 2017 wurden 562 859 Megawattstunden erneuerbare Energie eingespeist und deckten damit knapp 64 Prozent des Strombedarfs im Landkreis. Jedes Jahr gehen weitere Anlagen in Betrieb, welche mit Sonne, Wind, Wasser oder Biomasse Energie erzeugen. In der VG Wittlich-Land (der TV berichtete) steht die Windkraft gerade erst in den Startlöchern. daneben sind weitere Photovoltaikanlagen im Landkreis in der Planung.

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