So macht Pauken sogar in den Ferien Spaß

So macht Pauken sogar in den Ferien Spaß

Wie die Schule der Zukunft aussieht, davon bekommen die Schüler der Integrierten Gesamtschule in Morbach derzeit eine kleine Vorstellung. Denn dort wird das elektronische Lernmanagementsystem Moodle erprobt - auch in den Ferien.

Morbach. Kreide dürfte in Klassenräumen bald Geschichte sein. Die "Tafel" der Zukunft hält Einzug, bedient wird sie wie ein Computermonitor. Per "Maus"- oder "Tafel"-Klick besprochene Themen erreichen dadurch die Schüler sicherer und sparen Zeit. Das täglich genutzte Medium etabliert sich zudem mit Zusatzfunktionen wie dem Chatten, dem elektronischen Austausch, und "Edutainment", unterhaltsamem Lernen.

Arbeitsblätter können zu Hause ausgedruckt werden



Doch Computertafeln - in der Integrierten Gesamtschule (IGS) Morbach gibt es derzeit fünf, ab August zehn - sind nur ein Baustein des dort seit einem halben Jahr erprobten Lernmanagementsystems "Moodle" (siehe Extra). So können Schüler sich von zu Hause aus einklinken, um Stoff zu üben oder zu vertiefen, wofür sie mit immer anderen Aufgaben konfrontiert werden. Und das ist sogar während der Ferien möglich. Laut Hans-Joachim Gärtner, Rektor der IGS und Realschule plus Morbach, nutzen das viele Schüler. "Den Kindern macht Moodlen total viel Spaß", bekräftigt Deutschlehrerin Barbara Kramer, die das elektronische Lernsystem intensiv mit den Schülern nutzt. So hat sie für das aktuell besprochene Buch "Ben liebt Anna" etliche Aufgaben ins Netz gestellt. Das System rege nicht nur zum Üben an, sondern auch zum Gestalten und um eigene Projekte umzusetzen. Schüler könnten etwa eine von Mitschülern ins Klassen-Netz gestellte selbst geschriebene Geschichte besprechen, ergänzen oder fortschreiben.

Ein weiterer Pluspunkt ist, dass die Schüler nicht allein gelassen werden. Etwaige Fragen können sie auf elektronischem Wege an Lehrer oder Mitschüler weiterleiten. Auch an Rektor Gärtner, der allein 1000 Chemie-Aufgaben ins System gestellt hat. Neben solchen Unterrichtsbausteinen wartet Moodle mit Sachinhalten wie Stellenangeboten regionaler Unternehmen auf. Damit müssen sich die künftigen Sechstklässler, erster Jahrgang der 2009 gestarteten IGS, noch nicht plagen. Für sie gibt es eigene Themen, für die sie Begleitmappen und Kreuzworträtsel erstellen oder Hörtexte und Filme besprechen können, erzählt Schülerin Anna Weirich. Klassenkameradin Carolin Weiland begrüßt, dass sie sich die Schwierigkeitsstufen aussuchen kann, und Laura Hornberg kennt die Vorteile, wenn sie einmal krank ist. "Die Arbeitsblätter stehen im Netz und können zu Hause ausgedruckt und ausgefüllt werden," erklärt Hanna Schreiner. Daneben gibt es Zusatzangebote wie eine "Reise durch die Blutbahn" eines Menschen, die Kimberly Mettler besonders beeindruckt hat.

Von Vorteil ist laut Gärtner, dass Lehrer gezielt helfen können, da sie sehen, wenn Schüler mit einer Frage nicht zurechtkommen. Derzeit arbeiteten sich zehn Kollegen in das noch freiwillige Angebot ein. Positiv für die Schüler sei die Nutzung von Materialien, die zwar erzieherischen Charakter hätten, aber dennoch Spaß machten.

Und sie könnten Stoff nicht nur vertiefen, sondern auch schwierigere Aufgaben lösen, womit sie ihre Noten verbessern könnten. Und das Thema Abschreiben hat sich auch erledigt: Bei Tests zeigt jeder Bildschirm andere Fragen.

ExtraMoodle: Moodle ist die Abkürzung für "Modular Object-Oriented Dynamic Learning Environment", eine auf Modulen aufbauende objektorientierte, dynamische Lernumgebung. Die in Australien entwickelte Online-Lernplattform bietet über multimediale Klassen- oder Kursräume das Aneignen oder Vertiefen von Wissen oder Unterrichtsstoff an. Die Stärke von Moodle liegt in der Unterstützung eines gemeinsamen Erarbeitens von Lerninhalten und der Unterstützung von Kooperationen. Laut dem Anbieter nutzen weltweit rund 50 000 Anwender - von der Einzelperson bis zu kompletten Hochschulen - die in 75 Sprachen kostenlos zur Verfügung stehende Oberfläche. (urs)