So sollen Bürgerbusse ins Rollen kommen
Bernkastel-Wittlich · Die Gesellschaft altert - und gleichzeitig schließen viele Einrichtungen in den kleinen Orten. Eine Infoveranstaltung klärt in Wittlich darüber auf, wie Bürgerbusse Menschen helfen können, von A nach B zu kommen.
Bernkastel-Wittlich. Ein Zahnarzttermin um 11 Uhr - geht es nicht etwas früher? Denn der einzige Bus, der in Richtung Stadt fährt, startet schon früh am Morgen, um die Kinder pünktlich in die Schule zu bringen. Danach klafft auf dem Busfahrplan eine große Lücke. Zusätzliche Busse aber würden von zu wenigen Fahrgästen genutzt, als dass sie sich lohnen würden. Ein Problem, das sich auf dem Land verschärft, da es in vielen Orten weder Arztpraxen noch Geschäfte, Poststellen oder Banken gibt und die zunehmende Zahl an älteren Menschen auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist.
Bürgerbusvereine organisieren
Daher sollen auch in Rheinland-Pfalz mehr Kleinbusse auf den Straßen rollen, die ehrenamtlich organisiert und gefahren werden. So wünscht es sich die Landesregierung. Bürgerbusvereine stellen das Angebot auf die Beine, damit Kleinbusse zu festgelegten Zeiten beispielsweise die Ortsgemeinden mit dem Zentrum der Verbandsgemeinde verbinden. Mittlerweile gibt es bundesweit 160 solcher Initiativen, aber der Kreis Bernkastel-Wittlich ist noch ein weißer Fleck auf der Landkarte.
In einer Informationsveranstaltung am Donnerstag, 4. August, in Wittlich erklärt Professor Andreas Kagermeier von der Universität Trier (Fachbereich Freizeit- und Tourismusgeografie) daher, wie sich das Konzept umsetzen lässt. Er ist als Ansprechpartner des im Januar 2010 gestarteten Projekts Bürgerbusse Rheinland-Pfalz im Auftrag des Verkehrsministeriums unterwegs. Die Kreisverwaltung hat ihn eingeladen, darüber zu sprechen, was der Bürgerbus leisten kann, was bei der Einrichtung zu beachten ist und welche Unterstützungsmöglichkeiten es gibt - beispielsweise bei der Schulung der Fahrer und den Gesprächen mit Kommunen und Verkehrsbetrieben.
Bislang rollt in der Region Trier noch kein Bürgerbus. Die Verbandsgemeinde (VG) Traben-Trarbach hat aber 25 000 Euro für die Anschaffung eines Seniorenbusses mit neun Sitzen zur Verfügung gestellt. Er soll unter anderem von Mitgliedern des Seniorenbeirates gefahren werden und montags, dienstags, donnerstags und freitags alle Orte der VG und die Stadtteile anfahren (der TV berichtete). In Saarburg geht im Herbst testweise ein Bürgerbus in Betrieb und auch in Langsur, Trierweiler und Zemmer (VG Trier-Land) sowie in der VG Arzfeld und Neuerburg ist er im Gespräch. "Die Initiativen müssen von unten wachsen, sie können nicht von oben verordnet werden", erklärt Kagermeier im Gespräch mit dem TV. Dass es in der Region noch keine Bürgerbusse gibt, erklärt er sich damit, dass sie vom Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) noch relativ gut bedient werde. Und: Bürgerbusse sind nur erlaubt, wenn für die Strecke kein paralleles Angebot des ÖPNV besteht oder Fahrten in einem Zeitabstand von mindestens einer Stunde zum Linienangebot geplant sind. Der Bus darf weder eine Konkurrenz für den Linienverkehr noch für Taxiunternehmen sein.
Die Infoveranstaltung beginnt am Donnerstag, 4. August, um 18 Uhr im Foyer der Kreisverwaltung, Kurfürstenstraße 16. Anmeldung bis Freitag, 29. Juli, bei Mirko Nagel unter Telefon 06571/142408 oder per E-Mail an Mirko.Nagel@Bernkastel-Wittlich.de
Bürgerbusse: Schon 1966 fuhren ehrenamtlich organisierte Bürgerbusse in Großbritannien. In Deutschland war Nordrhein-Westfalen in den 80er Jahren Vorreiter. Seit den 90er Jahren versuchen mehr und mehr Städte und Gemeinden, Lücken im ÖPNV mit Bürgerbussen zu füllen. In Rheinland-Pfalz fahren derzeit zehn Bürgerbusse, primär im Hunsrück und in der Pfalz. Das Land bezuschusst die gefahrenen Kilometer, nicht aber die Anschaffung des Fahrzeugs. uq