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Sogar Herbert Grönemeyer war schon da

Sogar Herbert Grönemeyer war schon da

Das Moselkino in Bernkastel-Kues ist natürlich auch ein Wirtschaftsbetrieb. Es betreibt aber eine besondere Philosophie und folgt nicht in allem dem Zeitgeist. Und es bietet Nischenprogramme.

 Weithin sichtbar: Charlie Chaplin lädt zum Kinobesuch. TV-Foto: Clemens Beckmann
Weithin sichtbar: Charlie Chaplin lädt zum Kinobesuch. TV-Foto: Clemens Beckmann
 Der berühmteste Gast: Herbert Grönemeyer (rechts) mit Hermann Lewen. Foto: Moselkino
Der berühmteste Gast: Herbert Grönemeyer (rechts) mit Hermann Lewen. Foto: Moselkino

Bernkastel-Kues. Diese Zahl ist bemerkenswert: Fast 900 000 Besucher haben seit 1988 an der Kasse des Moselkinos in Bernkastel-Kues ihren Obolus entrichtet. Immerhin 80 Prozent davon waren unter 26 Jahren. "Damit ist das Kino die größte Jugendzentrale weit und breit", sagte Geschäftsführer Hermann Lewen bei der Jubiläumsfeier.Das Kino besteht bereits seit 1920. Aber erst seit 20 Jahren, und das ist die Besonderheit, befindet es sich in kommunaler Hand. Es war der damalige Bürgermeister der Verbandsgemeinde, Peter Knüpper, der Hermann Lewen damals mitteilte, dass das Lichtspielhaus gepachtet werden soll. "Eine verrückte Idee", so Lewen, der zwar als Intendant der Mosel-Festwochen Bühnenerfahrung besaß, nach eigenem Bekunden aber vom Kino wenig wusste. "Ursprünglich wollten wir das Kino nicht haben, sonst aber auch niemand." Um aber zu verhindern, dass sich möglicherweise ein nicht gewolltes Etablissement etabliert, erstritt sich die Verbandsgemeinde vor dem Bundesgerichtshof das Ankaufsrecht.Damals war Rainer Grün im Amt. Heute ist er Umweltstaatssekretär im Saarland. Dass er zur Geburtstagsfeier kam, zeigt seine Verbundenheit. Die ging so weit, dass er damals sogar gegenüber dem Kino ein Haus erwarb. "Wir hatten schon damals den Anspruch, auf manche Gewalt- und Sexfilme zu verzichten", erläuterte er die Philosophie. Diese besteht weiter. So wurden Projekte wie "Kino und Kirche" oder "Ladies Movie Night" ins Leben gerufen. Bürgermeister Ulf Hangert: "Wir machen mit dem Kino engagierte Kinder-, Familien- und Jugendpolitik."Natürlich gab es auch immer wieder Probleme. Das Gebäude musste im Laufe der Zeit von Grund auf für viel Geld saniert werden. Deshalb gab und gibt es auch Forderungen, das Kino wieder zu privatisieren. "Kann sich eine Kommune ein Kino leisten?", fragte Hermann Lewen und gab gleich die Antwort. Das Frei- und Hallenbad werde mit 10,50 Euro pro Besucher subventioniert (ohne Abschreibung), beim Kino liege dieser Betrag bei 1,30 Euro. Das Kino hatte auch schon berühmte Gäste. Vergangenes Jahr schaute sich Herbert Grönemeyer während eines Urlaubsaufenthalts an der Mosel "Ice Age 2" an. Lewens Philosophie der Vergangenheit und der Zukunft: "Kino ist gemeinsames Lachen, Weinen, Nachdenken und Freuen." Meinung Besucher haben es in der Hand Braucht eine Kommune ein eigenes Kino? Diese Frage wird angesichts roter Zahlen in der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues regelmäßig gestellt. Nach der Trägerschaft des viel höher subventionierten Frei- und Hallenbades fragt allerdings niemand. Mit dem Kinoprogramm ist in den vergangenen 20 Jahren eine beispielhafte Kulturpolitik einhergegangen. Über die ist auch jeder vernünftig Denkende glücklich. Und fast 900 000 Besucher sprechen für sich. Wäre das Kino in privaten Händen, würde mit Sicherheit einzig und allein der Kommerzgedanke regieren. Vielleicht wird ein Verkauf irgendwann notwendig sein. Die Besucher haben es in der Hand, das Kino in seiner jetzigen Form unverzichtbar zu machen. c.beckmann@volksfreund.de