Sohn und Ehefrau geschlagen, Tochter missbraucht: Amtsgericht verurteilt 52-Jährigen

Sohn und Ehefrau geschlagen, Tochter missbraucht: Amtsgericht verurteilt 52-Jährigen

Über mehrere Jahre hinweg hat er in seiner Familie ein Klima der Angst verbreitet. Seine Ehefrau und seinen Sohn schlug er mehrfach, seine Tochter berührte er wiederholt unsittlich. Dafür hat das Amtsgericht Wittlich einen 52-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten auf Bewährung verurteilt.

Wittlich. Der Tag, an dem der Vater in der Geldbörse seiner Tochter eine Pillenpackung entdeckte, war gleichzeitig der Tag, an dem die Familie endgültig zerbrach. "Ich werde euch töten, ich werde euch in den Rollstuhl setzen", schleuderte der Mann seiner Frau und der Tochter entgegen. Das war im Februar 2013. Einen Tag später zog die Ehefrau mit ihrer Tochter und ihrem Sohn aus dem Haus in einer Gemeinde der VG Wittlich-Land aus.

Mittlerweile ist das Ehepaar geschieden. Das Mädchen ist volljährig, das alleinige Sorgerecht für den Jungen im Teenager alter hat die Mutter, dem Vater ist der Umgang mit dem Sohn untersagt. "Er muss sich damit abfinden, dass seine Familie nichts mehr von ihm wissen will", sagt Rechtsanwalt Dietmar Bonn, der den 52-Jährigen gestern vor dem Amtsgericht Wittlich vertritt. Die Todesdrohung gegenüber Frau und Tochter war nur die Spitze des Eisbergs in einem regelrechten Familiendrama: 21 Fälle von gefährlicher Körperverletzung, zwölf Fälle einfacher Körperverletzung, fünf Fälle von sexuellem Missbrauch von Schutzbefohlenen sowie Bedrohung wirft Staatsanwalt Stéphane Parent dem Angeklagten vor, begangen in den Jahren 2008 bis 2013.

Im Ermittlungs- sowie während des Sorgerechts- und Scheidungsverfahrens hatte der arbeitslose gelernte Kraftfahrer die Vorwürfe stets bestritten. Nun aber macht er reinen Tisch, räumt über seinen Verteidiger die Taten ein. "Er möchte durch sein Geständnis seinen Kindern eine Aussage ersparen", betont Rechtsanwalt Bonn. Was er nicht sagt: Nur durch das Geständnis entgeht sein Mandant wohl einer Gefängnisstrafe. "Ein Klima der Angst und Einschüchterung" habe der 52-Jährige in seiner Familie geschaffen, fasst der vorsitzende Richter Josef Thul das Geschehen zusammen. Eine Formulierung, die nicht zu hoch gegriffen scheint angesichts der Übergriffe, die Frau und Kinder erdulden mussten. Allen voran die Tochter, die im Prozess als Nebenklägerin auftritt. Die sexuellen Übergriffe seitens des Vaters begannen, als sie 14 Jahre alt war: Er kam ins Bad, als sie sich wusch. Er legte sich zu ihr ins Bett. Er zerriss ihr trotz Gegenwehr das Pyjamaoberteil.

Er fasste ihr an die Brüste, berührte diese mit dem Mund, zwang ihr Zungenküsse auf. "Er hat nie Respekt vor ihr gezeigt", sagt die Anwältin der jungen Frau, Irmgard Jacoby, "das hätte sie sich gewünscht." Aber selbst am Prozesstag wartet die Tochter auf ein solches Signal vergebens. Ein einziges Mal nimmt der Angeklagte das Wort "Entschuldigung" in den Mund, ein Ausdruck des Bedauerns kommt ihm nicht über die Lippen. Und so kommentiert selbst Richter Thul: "Es wäre gut, wenn die Tochter aus der Haltung des Vaters bemerkt, dass es sich bei dem Geständnis nicht nur um einen Winkelzug handelt, sondern um eine ehrliche, offene Erklärung."

Auf eine Entschuldigung des Vaters hatte auch der Sohn lange vergebens gewartet: Seit der Junge sieben Jahre alt war, half er in dessen Werkstatt mit. Wenn er etwas nicht zur Zufriedenheit des Vaters erledigte, setzte es einen Schlag mit dem Schraubenschlüssel - auf den Handrücken, manchmal gar auf den Kopf. Als dem Elfjährigen im Sommer 2012 ein Schweißgerät aus der Hand rutschte und unglücklicherweise auf den linken Fuß des Vaters fiel, schlug dieser mit dem Hammer auf den linken Fuß des Sohnes. Der Kommentar dazu: "Jetzt weißt Du, wie weh das tut." Auch seine Frau wurde nicht verschont: Mal setzte es eine Faust aufs Auge, mal schlug der Angeklagte ihren Kopf gegen die Wand, mal zog er sie an ihren langen Haaren hinter sich her.

Richter Thul, der den nicht vorbestraften Angeklagten letztlich zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten auf Bewährung verurteilt, spricht von "rabiaten, wüsten Attacken". Diese fanden erst dann ein Ende, als die Frau und ihre Kinder aus dem Haus flüchteten.