"Solche Häuser müssen wir für die Stadt erhalten”

"Solche Häuser müssen wir für die Stadt erhalten”

Der Unternehmer Michael Willkomm restauriert weitere historische Gebäude in Bernkastel-Kues.

Bernkastel-Kues Die Unternehmerfamilie Willkomm (Weinkellerei Peter Mertes) hat in Bernkastel-Kues bereits mehrere historische Gebäude vor dem Verfall gerettet, saniert und enorm aufgewertet. Jüngstes Projekt: Zwei Gebäude am Rande der Bernkasteler Altstadt, Grabenstraße 3 und Grabenstraße 4, wurden in den vergangenen Monaten aufwändig renoviert und teilweise wieder in ihren historischen Zustand zurückversetzt. In einem Haus stehen jetzt vier Wohnungen, in dem anderen drei Wohnungen und ein Büro zur Verfügung. Alle Wohnungen sind bereits vermietet. Beide Häuser, die sich gegenüber dem Graacher Tor, dem einzigen noch erhaltene Stadttor von Bernkastel-Kues, befinden, haben eine Geschichte zu erzählen. Michael Willkomm, Seniorchef der Firma Peter Mertes, schätzt, dass das Haus Grabenstraße 3 um 1680 erbaut wurde. Es steht außerhalb der Stadtmauer und war einst vermutlich ein bäuerlich-weinbauliches Anwesen, das in späteren Jahrhunderten zu einem Wohnhaus umgebaut wurde. Es ging im Laufe der Zeit durch viele Hände, bis es jetzt Willkomm, ebenso wie das Haus Grabenstraße 4, vor sechs Jahren kaufte. Der untere Teil besteht aus mächtigen Schiefersteinmauern, im oberen Bereich wird derzeit das daraufgesetzte Fachwerk freigelegt. Deutlich jünger ist das angrenzende Haus. Es wurde um das Jahr 1900 im historistichen Stil erbaut. Es diente zunächst als Gutsgebäude für das Weingut der Pfarrkirche St. Michael Bernkastel. In den 50er Jahren wurden weitere Gewölbekeller gebaut. Später ging es an einen Privatmann, jetzt ist es im Besitz der Familie Willkomm. Auch in dieses, sanierungsbedürftige Haus hat Willkomm eine sechsstellige Summe investiert, um es von außen wieder in den Originalzustand zurückzuversetzten. Besonders am Herzen lag ihm die Fassade, die, so Willkomm, "sehr deformiert war". Der große Hof kann als Parkplatz genutzt werden. An der Ecke Graacher Tor, Grabenstraße und Alter Graacher Weg, der unter anderem zur Waldschenke Eiserne Weinkarte führt, tummen sich während der Saison zahlreiche Touristen. Dort beginnen viele Stadtführungen und von dort geht es in die historische Altstadt und zum Markplatz. Willkomm: "Mein Wunsch ist es, dass diese Ecke ansehnlicher wird. Die Stadt könnte sie attraktiver gestalten." Willkomm hat in den vergangenen Jahrzehnten bereits mehrere historische Gebäude in der Stadt aufwändig restaurieren lassen. So das einzigartige Fachwerkhaus in der Römerstraße 31 in der Altstadt, in dem sich im Erdgeschoss das Café Michel befindet. Das Gebäude stand kurz vor dem Abriss.Weitere Immobilien sind die prächtigen Gebäude Gestade 1b und Gestade 2. Michael Willkomm hat vor fünf Jahren für die Restaurierung der spätklassizistischen Villa Gestade 2 sogar den Denkmalpflegepreis der Handwerkskammer Trier erhalten. Das 1840 erbaute Stadtpalais verfügt über aufwendige Stuckdecken, hochwertige Tafelparkettböden, Glasmalereien im Treppenhaus sowie einen großen Weinkeller. Die Villa ist eine Mischung aus deutschem Biedermeier und französischem Stil. Das ambitionierteste Projekt aber ist die ehemalige Weinbauschule in Bernkastel-Kues. Auf dem Gelände und in den Gebäuden soll etwas ganz Besonderes entstehen. Manches davon soll in einem Gebäude umgesetzt werden, das erst noch gebaut werden muss. Der sogenannte Turm, der aber eher ein mehrstöckiges Gebäude war, soll rekonstruiert werden. Er war im Zweiten Weltkrieg zerstört worden. Er stand an der Einfahrt, die vom Gestade in den Innenhof führt. Und da soll er, möglichst mit einer repräsentativen Zufahrt auch wieder hin. Der frühere Park soll zu einem Barockgarten umgewandelt werden, der tagsüber öffentlich zugänglich ist. KommentarMeinung

Foto: Winfried Simon (sim) ("TV-Upload Simon"

Die Städte wachsen, die Dörfer schrumpfenIn den Mittelzentren herrscht ein Bauboom. In Traben-Trarbach und Bernkastel-Kues nehmen Privatinvestoren viel Geld in die Hand, um Häuser zu sanieren oder neu zu bauen. Es entstehen Wohnungen, private Museen, Hotels und große Einrichtungen für Senioren. Ein Grund: das billige Geld. Die niedrigen Zinsen und der hohe Bedarf an neuem Wohnraum zeigen Wirkung. Außerdem: Kleine Städte sind für Investoren attraktiv. Dort gibt es eine gute Infrastruktur mit Schulen, Kindergärten, Ärzten, Apotheken, Geschäften und Banken. Sie werden in Zukunft noch attraktiver. Leider gilt das nicht für die Dörfer. Sie bluten weiter aus. Immer mehr Häuser stehen leer, viele verfallen. Ihre Bewohner sind längst weggezogen - der Arbeit hinterher. Die Politik hat viel zu lange verschlafen, den Trend der wachsenden Städte und schrumpfenden Dörfer aufzuhalten. w.simon@volksfreund.de