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Sommer, Sonne, Toleranz im Stadtpark

Sommer, Sonne, Toleranz im Stadtpark

Sie haben den Strand in den Stadtpark geholt: Bei lauem Sommerlüftchen und gratis Wassereis feierten rund 1500 Besucher in Wittlich wieder eine Beachparty. Nicht nur der Spaß stand im Vordergrund: Mit einer Fotoaktion wurde für mehr Toleranz gegenüber Schwulen und Lesben geworben.

Wittlich. Gelb, pink, orange, rot oder braun? An der Kasse standen die Beachparty-Besucher am Samstagabend vor der ersten Entscheidung: Welches Wassereis gönne ich mir? Mit der Gratis-Erfrischung ging es dann ab ins Vergnügen. So feierten 1500 Besucher im Stadtpark bis tief in die Nacht und setzten mit der Beachparty auch im dritten Jahr wieder ein Ausrufezeichen im Kampf gegen Homophobie.
"Im letzten Jahr waren es 1300 Besucher. Super, dass wir da noch einmal eine Schippe drauf legen konnten", sagt Tobias Müllers. Er hatte vor drei Jahren die Idee zur Beachparty. Zusammen mit Giada Graniglia hat er sich im damaligen Jugendparlament dafür eingesetzt und das Fest auf die Beine gestellt. Seitdem haben die beiden sich mit dem Projekt "ACT-P" (Aufklärung, Courage, Toleranz-Projekt) unter anderem schon gegen Rassismus oder für Blut- und Organspenden eingesetzt. Und im Kampf gegen Homophobie ist die Beachparty zum festen Termin im Kalender geworden. Tobias und Giada sind zwar nicht mehr im Jugendparlament, trotzdem organisieren sie die Party noch, nun eben in Kooperation mit dem aktuellen Jugendparlament.
Mit der Fotokampagne "Küsse gegen Homophobie" zeigen beide konkret, was sie sich erhoffen. Am sogenannten Kissing Point und gerne mit pinkem Holzrahmen sollen sich Homosexuelle (und natürlich auch Heterosexuelle, die die Aktion unterstützen) küssen. Fotos davon werden auf die Facebookseite der Party gestellt. So solle Homosexualität ein Gesicht bekommen. Tobias: "Und Liebe soll einfach normal sein, egal ob zwischen Mann und Frau oder Mann und Mann."
Dass gerade die jüngere Generation sich für diese Normalität einsetzt, sah man deutlich. Egal ob Aufbau, Thekendienst, Eintritt kassieren oder Abbauen: überall setzten sich ehrenamtliche Helfer für die gute Sache ein.
Und so klappte die Normalität am Samstagabend ausgezeichnet. Keine Spur von "uns" und "den anderen". Es war ein großes "wir". Die Besucher schlürften Long Island Ice Tea auf weißen Sitzkissen der Lounge oder unter den Sonnenschirmen am aufgeschütteten Sandstrand, tanzten zu den Beats von DJ CK aus Köln (siehe Extra) und immer wieder wanderte der pinke Holzrahmen durch die Menge. Wenn sich dann eben zwei Frauen oder zwei Männer geküsst haben - gestört hat\'s keinen. Und genau das war ja der Sinn der Party.Extra

Christian Kreitz (27) alias DJ CK aus Köln: "Ich komme gern nach Wittlich, es ist ein Open Air, das macht Spaß, und die Leute gehen gut ab." Paulin Schweisel (21) aus Osann-Monzel: "Ich komme gern auf die Beachparty, sie ist einfach gut organisiert, und ich finde es wichtig, ein Zeichen gegen Homophobie zu setzen - obwohl das eigentlich so normal sein sollte, dass wir da gar nicht mehr drüber reden müssen." Lisa Roedel (20) aus Koblenz: "Ich bin von Anfang an dabei, komme jedes Jahr extra für diese Party nach Wittlich und feiere dann mit meinen Freunden." Judith Schmitz (20) aus Wittlich: "Ich finde es gut, dass sich die Beachparty etabliert hat, das sieht man auch an den vielen freiwilligen Helfern und es ist schön, dass viele Homosexuelle kommen und sich so offen bekennen."