Sommerbühne Bernkastel-Kues mit Konzerten auf acht verschiedenen Plätzen

Veranstaltung : Wenig Budget, aber viel Herzblut

Die Sommerbühne Bernkastel-Kues geht in die achte Runde. Das ist den  engagierten Machern zu verdanken, die von Firmen, Gastronomen und der Stadt unterstützt werden.

Gefragte Musiker, Bühnen vor wechselnden Kulissen und Besucher, die bei freiem Eintritt Spaß haben und sich Getränke und Essen schmecken lassen. Das Konzept der Sommerbühne Bernkastel-Kues scheint schnell auf den Punkt gebracht. Doch es verlangt intensive Vorbereitungen engagierter Menschen. Denn erfolgreich ist die Open-Air-Konzertreihe vor allem deshalb, weil es ihr gelingt, die Interessen derer zu bündeln, die für sie zusammenarbeiten.

Eine zentrale Rolle dabei spielen die Sponsoren, Firmen mit Sitz in der Stadt wie im Umland. Sie tragen etwa 40 Prozent des Budgets in Höhe von 48 000 Euro, Mehrwertsteuer nicht eingerechnet, statt anfangs ein Drittel von 30 000 Euro. Die Stadt ist als Veranstalter nach wie vor mit 10 000 Euro, etwa 20 Prozent, dabei. Die Gastronomen tragen mittlerweile rund 30 Prozent. Für jede der neun Veranstaltungen zahlen sie pro Platz 1650 Euro, die anliegende Betriebe nach eigenem Ermessen untereinander aufteilen. Im Gegenzug gestattet ihnen die Stadt, zur Sommerbühne unbegrenzt Tische und Stühle aufzustellen. Betriebe, die davon sowie von der höheren Frequenz profitieren, sich aber auf Kosten der Gemeinschaft finanziell nicht beteiligen, sind die Ausnahme. Die restlichen zehn  Prozent bringt das Unternehmen ein, das die Sommerbühne aus der Taufe hob: die Werbeagentur Bejoynt von Frank Hoffmann, Vorsitzender des Werbekreises.

Sie entwickelte 2012 das Konzept und ist mit einem Team um Hoffmanns Bruder Uwe, dem Musik-Experten, „Macher“ der Reihe. Die Idee dafür brachte ein früherer Mitarbeiter aus Frankreich mit. In der Region gab es damals ähnliche Angebote nur in Prüm und Merzig. Das Ziel für Bernkastel-Kues war, „die Abendstunden zu beleben“ und das vor allem während der Woche. Für beide Hoffmanns stand zudem von Anfang an fest, dass sie mit Bühnen „wandern“ wollten. Zum einen, um Besuchern die Stadt zu zeigen, zum anderen, um weniger stark besuchte Plätze zu bespielen, ein Alleinstellungsmerkmal der Sommerbühne. Gleichzeitig nahmen sie damit Rücksicht auf Wochenendveranstaltungen in Nachbarorten, was Stadtbürgermeister Wolfgang Port wichtig war. Mit ihm hatten die Macher einen Unterstützer, der auch den Stadtrat für die Idee gewann. Was wegen der finanziellen Beteiligung der Stadt gar nicht so einfach gewesen sei, erinnert er sich.

Das positive Image der Sommerbühne spiegelt sich nicht nur in jeweils bis zu 3000 Besuchern, sondern auch darin, dass Firmen auf ihren Internetseiten dorthin verlinken. Damit werben sie auch für sich selbst als attraktive Arbeitgeber, was laut Port an Bedeutung gewinnt. Als Stadtbürgermeister ist er aber vor allem dankbar, dass Angebote geschaffen werden, die Menschen zusammenbringen. „Wir machen hier Musik fürs Volk“, sieht er die Konzerte nicht zuletzt als Chance, Bürgern ein wenig von ihren Steuern zurückzugeben. Und das wird rege und regelmäßig genutzt, freut sich Frank Hoffmann über unerwartet viele Besucher aus der Stadt und den Gemeinden ringsum. Es habe „Stammtisch-Charakter“, wenn Leute sich zur Sommerbühne verabredeten, um „ihr Mittelzentrum mal musikalisch und kulinarisch“ zu erleben.

Für die Macher ist das der schönste Lohn für ihr Engagement. „Da gehört schon Herzblut dazu“, würdigt Hoffmann die Leistung des Teams - und seines Bruders, der trotz schmalen Budgets teils weltweit gefragte Top-Musiker gewinne: „Da braucht man ein Näschen, Gespür, Kontakte.“ Und das, obwohl sich inzwischen namhafte Bands aus ganz Europa von sich aus um Auftritte bei der Sommerbühne bemühen. „Für die Bands, die hier spielen, ist das Werbung“, weiß Uwe Hoffmann, der Musiker so leichter dazu bewegen kann, mal nicht für die volle Gage zu spielen. Und manche treten sogar unentgeltlich auf, um ein neues Band-Projekt vorzustellen oder für sich als Nachwuchsmusiker zu werben. Die Förderung junger Musiker aus der Region ist ein weiteres selbst gestecktes Ziel der Sommerbühne.

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