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Sonderausstellungen der Morbacher Museen kommen gut an

AUS DEM ARCHIV: Februar 2020 : Sonderausstellungen kommen in Morbach gut an

Der Archäologiepark Belginum und das Hunsrücker Holzmuseum haben tendenziell steigende Besucherzahlen. Im Deutschen Telefonmuseum bleiben sie auf niedrigem Niveau.

Winterzeit ist Museumszeit. Das könnte man denken. Schließlich stehen im Sommer eher Schwimmen, Wandern und andere Outdoor-Aktivitäten auf dem Programm. Aber in der Einheitsgemeinde Morbach sind Museumsbesuche in der kalten Jahreszeit eher schwierig. Denn von November bis März einschließlich haben die Museen in der Einheitsgemeinde zu. Nur das Hunsrücker Holzmuseum öffnet im November und Dezember zumindest an den Wochenenden seine Tore.

Komplett geschlossen sind die anderen Einrichtungen allerdings auch nicht. Der Blick in die Statistik der Gemeinde Morbach zeigt, dass dort auch in den Wintermonaten Betrieb ist. Ein Beispiel gefällig? Im Dezember 2018 besuchten immerhin 38 Interessierte den Archäologiepark Belginum. Ganz klar ist für Bürgermeister Andreas Hackethal: „Wenn sich eine größere Gruppe aus Hamburg oder München ansagt, dann können die Gäste auch im Januar oder Februar kommen.“ Natürlich nur nach Voranmeldung, aber dann werde es ermöglicht.

Die Besucherzahlen des Archäologieparks, in dem die Geschichte der keltisch-römischen Siedlung Belginum über 800 Jahre beleuchtet wird, können sich sehen lassen: In den vergangenen drei Jahren bewegten sich die Besucherzahlen in dem Museum stets oberhalb der 7500er-Marke. 2019 besuchten 7553 Gäste den Archäologiepark, 2018 waren es 7647 und 2017 insgesamt 7847. Bürgermeister Andreas Hackethal ist zuversichtlich, dass die Zahlen sich wieder in Richtung der 8000er-Marke bewegen. Einen Tiefpunkt gab es im Jahr 2016 mit 6249 Besuchern. Der Knick in der Kurve ist leicht erklärbar: „Durch den Bau des Kreisverkehrs im Zusammenhang mit der B 50 neu haben die Besucher den Archäologiepark schlicht nicht gefunden“, erklärt Hackethal weiter. Doch die Zeiten sind vorbei. Durch den Hochmoselübergang sei der Archäologiepark, quasi das „Tor zum Hunsrück“, sogar besser angebunden als bisher. Und das könne ihm nur nutzen. Der Rathaus-Chef befindet sich „in aussichtsreichen Gesprächen mit dem Landesbetrieb Mobilität“. Er wolle erreichen, dass am Kreisverkehr die Nähe zum Museum symbolisch aufgegriffen wird – sei es mit der Venus von Hinzerath, die als Bronzestatuette in der Nähe gefunden wurde, oder einem veritablen Keltenkrieger.

Generell gelte für ein archäologisches Museum: Man könne sich nicht nur mit „alten Steinen und Scherben“ befassen. Es sei wichtig, dass man sich breiter aufstelle. Man müsse „Kelten und Römer wieder auferstehen lassen, um Interessenten zu gewinnen“. Und da leiste das Team rund um die Museumsleiterin Dr. Rosemarie Cordie gute Arbeit, wie Hackethal unterstreicht. Dafür sei es eben auch wichtig zu wissen, wie die Vorfahren lebten, wie sie sich kleideten und was sie aßen. Kinder und Jugendliche will man vor allem mit einem museumspädagogischen Konzept erreichen. Angeboten werden Projektwochen und Ferienfreizeiten. Junge Römer- und Keltenfreunde können in Wederath auch ihren Kindergeburtstag feiern. Ein wichtiges Ziel müsse es sein, bei der Bevölkerung die Begeisterung für die eigene Geschichte zu entwickeln.

Gespannt sein darf man auf die nächste Sonderausstellung „Die Dame aus Schengen“, die vom 29. März an zu sehen sein wird. Die Schau hat nichts mit dem Schengener Abkommen zu tun, sondern es geht um eine begüterte Frau, deren Grab vor 25 Jahren im Uferbereich der Mosel in Luxemburg zwischen Schengen und Remerschen gefunden wurde. Für den Weg ins Jenseits war die Verstorbene reichlich mit Schmuck ausgestattet worden, der erst jüngst untersucht wurde. Mit der Sonderausstellung vom Centre National de Recherche Archeólogique (CNRA) und der Administration de la Nature et des Forets (ANF) setzt der Archäologiepark übrigens die Zusammenarbeit mit internationalen Partnern fort. Auch die Zusammenarbeit mit dem Rheinischen Landesmuseum und der Universität Trier laufe erfreulich, sagt Hackethal.

Das Hunsrücker Holzmuseum hat auf den ersten Blick mit dem Archäologiepark wenig zu tun. Und dennoch: Beide sind im besten Sinne Heimatmuseen, weil sie viel über die Geschichte von Land und Leuten erzählen. Holz war und ist ein wichtiger Rohstoff im Hunsrück oder ein „Ur-Morbacher Thema“, wie der Bürgermeister betont. Die beachtliche Konzentration von holzverarbeitenden Betrieben im Raum Morbach belege das. Auch wenn die Besucherzahlen des Hunsrücker Holzmuseums in Weiperath, das vom Hunsrückverein, Ortsgruppe Morbach, betrieben wird, um einiges niedriger liegen als die vom Archäologiepark, ist man dort sehr zufrieden mit der Entwicklung. Annette Eiden, erste Vorsitzende des Hunsrückvereins in Morbach, der das Museum betreibt: „Wir freuen uns, dass die Menschen unsere Arbeit würdigen.“ Die Besucherzahlen gingen in den vergangenen vier Jahren deutlich nach oben – von 3575 im Jahr 2015 bis 4285 im Jahr 2019. Und daran habe auch die Sonderausstellung 2019/2020 einen erheblichen Anteil. „Eine sehr gelungene Ausstellung“, wie Hacke­thal sagt. Es wäre schade, wenn diese nach einem Jahr wieder eingemottet werden müsse. Allerdings laufen die Ausstellungen in Weiperath inzwischen über zwei Jahre. Er wolle ein „dickes Lob an Leitung, Vorstand und Mannschaft“ aussprechen. Die Schau „Räuber-Tabak – Anbau und Verarbeitung in unserer Heimat“, kuratiert von Annette Eiden, sei eine „sehr gelungene Ausstellung“, so der  Rathaus-Chef weiter. Sie beschreibt einen wichtigen Aspekt der Morbach (und auch Wittlicher) Wirtschaftsgeschichte. In Morbach wurde bis 1965 Tabak verarbeitet, unter anderem aus der Wittlicher Senke. Die Verbindung zum Holz schafft die Kuratorin Annette Eiden, die seit 13 Jahren die Ortsgruppe Morbach des Hunsrückvereins leitet, mit links: In der ehemaligen Weiperather Volksschule werden auch hölzerne Produktionstische und ein Raucherstuhl aus der Gründerzeit gezeigt.

Warum läuft es denn so gut? Die Besucherzahlen steigen, weil „unser Team seit Jahren neben der Dauerausstellung ganzjährig abwechslungsreiche Veranstaltungen anbietet, die als kleine ,Bonbons’ die Sparten Literatur, Vorträge und Musik abdeck“, sagt Eiden weiter. Als Beispiel nennt sie die Drechselkurse, die mehrfach im Jahr stattfinden und meist innerhalb eines Tages ausgebucht sind. „Weihnachtsspecials“ animierten Familien mit Kindern, das Museum zu besuchen und kennenzulernen: zum Beispiel das Basteln von Adventskalendern, die das Museums-Team mit kleinen Überraschungen füllt. Einen erheblichen Anteil an den Besucherzahlen hat auch der jährliche Vielfaltsmarkt im August im und rund um das Museum, das übrigens komplett ehrenamtlich mit rund 90 Aktiven gestemmt wird. An einem Wochenende schlägt die Veranstaltung mit 1500 bis 1700 Besuchern zu Buche. Alle drei Jahre kommt die Museumsnacht hinzu. Und auch im Holzmuseum kann man Geburtstag feiern, beispielsweise mit einer Kaffeetafel im Stil der 1950er Jahre mit Musik von Vinyl. Geburtstag feiern kann das Holzmuseum in diesem Jahr übrigens auch: Denn die Einrichtung wird 20 Jahre alt. Eiden: „Das wird übrigens auch gefeiert, mit einem rauschenden Fest.“ Mehr wird allerdings noch nicht verraten.

Weniger erfreulich ist die Bilanz des Deutschen Telefonmuseums. Dort haben sich die Besucherzahlen auf niedrigem Niveau stabilisiert. 2019 wurden 904 Eintrittskarten verkauft, vor fünf Jahren waren es 1080. In der Jugendherbergsstraße können die Besucher interaktiv die Entwicklung des Fernsprechwesens und der Telegraphie, bezogen auf Deutschland, erleben. Nach Angaben des Museumsbetreibers Siegfried Warth handelt es sich dabei um die umfangreichste Sammlung ihrer Art.

Regelmäßig gibt es Telefonbörsen für Sammler. Wechselnde Sonderausstellungen fehlen. Und positive Entwicklungen sind nicht in Sicht. Im Gegenteil: Einen Teil der Räume musste vor gut einem Jahr Museumsleiter Siegfried Warth an die Holzvermarktung Rheinland-Pfalz Südwest GmbH abtreten. Der Ausstellungsraum schrumpfte dadurch von rund 700 auf 500 Quadratmeter. „Die Zahlen haben sich in diesem Bereich eingependelt. Hier wünsche ich mir mehr Sonderaktionen“, sagt Andreas Hackethal. Die Gemeinde sei derzeit dabei, ein neues Gesamtkonzept für die ehemalige Winterschule zu entwickeln. Wenn dort auch das Dach einbezogen werde, „kann man an eine moderate Weiterentwicklung der Räumlichkeiten denken“.

Infos: Der Archäologiepark Belginum ist derzeit ausschließlich für Gruppen, Schulklassen und Geburtstagsfeiern nach vorheriger Anmeldung geöffnet. Die Sonderausstellung „Die Dame von Schengen“ wird im Archäologiepark vom 29. März bis 1. November gezeigt. Weitere Infos gibt es im Internet unter www.belginum.de.  Das Hunsrücker Holzmuseum erwartet Besucher ab März  samstags von 14 bis 17 Uhr sowie sonn- und feiertags  von 10.30 Uhr bis 17 Uhr, im Sommerhalbjahr  vom 1. April bis 31. Oktober, dienstags bis samstags von 14  bis 17 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 10.30 bis 17 Uhr. Weitere Infos unter www.hunsruecker-holzmuseum.de. Ab Ende März hat das Deutsche Telefonmuseum folgende Öffnungszeiten: dienstags bis samstags 14 bis 17 Uhr, an Sonn- und Feiertagen 10.30 bis 17 Uhr. Infos unter www.deutsches-telefon-museum.de