Sondernutzungsrechte für Schweinchensocken
Meine Wilma strickt und häkelt ja für ihr Leben gerne. Bei uns daheim ist schon alles mit ihren Häkeldeckchen oder geklöppelten Gardinen ausgestattet. Und ich kann im Winter auch auf einen ganz erheblichen Vorrat von wollenen Socken zurückgreifen.
Jetzt aber hatte Wilma eine ganz besondere Idee.
Extra für die Säubrennerkirmes will sie sich einen Bauchladen anschaffen und dort selbstgestrickte schweinchenrosa Schals und Wollsocken mit dem Stadtwappen anbieten. Für kühle Abende hat sie warme Pullover in Calleen-frohen Farben entworfen. Weil die nicht mehr in den Bauchladen passen, möchte sich Wilma außerdem das Handwägelchen von den Wittlicher Möhnen ausleihen. Mit dem Erlös will sie mich nächstes Jahr als Bürgermeisterkandidat unterstützen. Bei Hillary und Barack hat sie ja immer gestaunt, was so ein Wahlkampf kosten kann und da möchte sie helfen.
Doch daraus wird wohl nix. Denn jetzt haben wir gelesen, dass es da so Sondernutzungsbestimmungen für Verkaufsstände im öffentlichen Raum oder so ähnlich gibt und die kosten Geld. Und so ein Bauchladen, der nimmt ja auch öffentlichen Raum in Anspruch, schließlich ist Wilma ja nicht mehr so ganz schlank und jetzt im Sommer die langen Schatten, die müssen bestimmt auch bezahlt werden. Das Handwägelchen misst zudem noch fast einen Quadratmeter und nutzt genauso viel öffentlichen Raum.
Wilma überlegt jetzt schon dauernd, wie sie die Kosten umgehen oder verringern kann. Wenn sie die Waren an der Haustür anbiete, komme sie sich zwar wie ein Klinkenputzer vor, aber das sei doch erlaubt, ganz ohne Kosten, genau so wie der Eisbär, der einmal im Monat neue Tiefkühlpizzen bringt.
Was aber, wenn ihr auf der Straße Menschen begegnen, die ganz wild auf Häkeldeckchen mit eingearbeitetem Alten Rathaus sind. Oder man stelle sich vor, Wilma mit Bauchladen und mit ihrer Freundin Hildegard und die beiden kommen ins Tratschen. Dann ist da gerade einer vom Ordnungsamt in der Nähe, der sich vor lauter Aufregung beim Zählen der Hausnummern vertut und Wilma vorwirft, sie nutze mit ihrem Bauchladen öffentlichen Raum...
Das muss dann erst mal gründlich "geclaert" werden.
Ne ne, das ist zu riskant, mein Wahlkampf muss anders finanziert werden und wenn ich dann Bürgermeister bin, dann darf Wilma auch ihre Schweinchensocken verkaufen.