Souveränität und Präzision im Duett

Souveränität und Präzision im Duett

Im Kapitelsaal des Klosters gastierten jetzt zwei bulgarische Musikerinnen der Extraklasse. Sie waren für den erkrankten Geiger Radionov eingesprungen.

Springiersbach. Im voll besetzten Kapitelsaal in Springiersbach erlebte das Publikum jetzt einen höchst eindrucksvollen Kammermusik-Nachmittag. Für den erkrankten Geiger Radionov sprangen kurzfristig Valya Dervenska (Violine) und Nadja Hörbath ( Klavier) ein. Dervenska/Hörbath spielten Werke für Violine und Klavier von Ludwig van Beethoven, Peter I. Tschaikowsky, Sergej Prokofjew und Henryk Wieniawski - eine wunderbare Mischung aus großen Sonaten und virtuosen Miniaturen der Geigenliteratur.Zu Beginn boten die beiden Künstlerinnen die Beethoven-Sonate op. 12, Nr. 3 in Es-Dur. Das bestens aufeinander abgestimmte Duo spielte die schwierige Sonate mit größter Souveränität und Präzision. Brillanz und Überschwänglichkeit des Klavierparts im Kopfsatz der Sonate wurden von der Pianistin hervorragend herausgearbeitet, ohne sich selbst allzu sehr in den Vordergrund zu stellen. Fröhlich-kraftvolles Rondo-Finale

Mit dem schönen zweiten Thema kann die Geigerin in weit ausschwingenden Bögen prachtvollen Instrumentalgesang und thematische Schönheit zur Geltung bringen. Im dritten Satz demonstrierten beide im fröhlich-kraftvollen Rondo-Finale ihr bemerkenswertes Zusammenspiel. Danach erlebte das Publikum die romantische russische Seele der Musik in der nicht allseits bekannten "Serenade melancholique", op. 26, von Tschaikowsky. Eine wunderbare Symbiose von düster-melancholischen Akkorden und Anklängen aus der Oper "Eugen Onegin" im Klavier und zu Herzen gehenden Kantilenen in samtweich-lyrischem Geigenton der Serenadenmelodie. Nach der Pause ziehen dann Pianistin und Geigerin alle Register ihres Könnens und spielen Prokofjews viersätzige Sonate D-Dur, Op.94. In dieser umfangreichen Sonate entfachen die bulgarischen, in Wien lebenden Künstlerinnen ein wahres Feuerwerk des musikalischen Zusammenspiels; hier entlädt sich ihre Virtuosität in der Beherrschung schwierigster und extremster Griffe, weit auseinander liegender Akkorde und komplizierter Rhythmik. Gleichklang von Technik und Musikalität

Mindestens ebenso eindrucksvoll gelingt im Anschluss das brillante Kabinettstück "Polonaise brillante" von Henryk Wieniawski, dem polnischen Komponisten und Geigenvirtuosen. Durch die Beherrschung spiel- und grifftechnischer Schwierigkeiten im Gleichklang mit hoher Musikalität und präzisem Zusammenspiel kann das Duo an diesem Nachmittag das Publikum in seinen Bann ziehen, auch wenn einige Dissonanzen für manchen Hörer sicherlich gewöhnungsbedürftig waren. Das begeisterte Publikum erklatschte sich noch zwei Zugaben: Das mit Wiener Charme vorgetragene, beliebte Zugabenstück "Liebesleid" von Kreisler, und zu guter Letzt einen ganz besonderen "Leckerbissen", die "Canzonetta" aus dem zweiten Satz des Violinkonzertes von Tschaikowsky.

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