"Soziale Liebe"

"Luxus für alle" verspricht uns seit Wochen eine Discounterkette. Was uns da verheißen wird - vor allem Sekte, Whisky, Liköre und andere Alkoholika mehr - ein bescheidener Luxus im Vergleich zu dem, was das Wort Luxus seit der Antike bedeutet: Überfluss, Üppigkeit, überbordende Fülle, - sichtbar in rauschenden Festen, pompöser Prachtentfaltung und glanzvollem Auftreten, bei dem man "seine Reichtümer lachend verschwendet" (Paul Claudel).

Dieser Luxus ist nach wie vor nicht für alle zu haben. Zudem ist er fast ausnahmslos materieller Art. Wenn es sich dagegen um Geistiges oder Ideelles handelt, sprechen wir nicht mehr von Luxus. Es kostet ja auch keinen Cent und ist mit Geld nicht einzuhandeln, auch wenn es "Reichtümer" sind, die man durchaus "lachend verschwenden" kann, wie: die Zuwendung zum Nachbarn oder Nächsten; das Wohlwollen gegenüber Mitarbeitern und Arbeitskollegen; neidloses Gönnen; Verantwortung gegenüber den mir Anvertrauten - um nur einige zu nennen. Kardinal Höffner (1906 bis 1987), der große christliche Sozialwissenschaftler, fasst diese Haltungen unter dem Begriff der "sozialen Liebe" zusammen. Sie war ihm ein Herzensanliegen, und er hat nicht nur viel darüber geschrieben, er hat sie auch selber gelebt, nicht nur, als er in der Nazizeit als Pfarrer von Kail (nahe Treis-Karden) zwei jüdische Mädchen als seine Nichten ausgab und aufnahm. Die "Güte und Menschenfreundlichkeit unseres Gottes" (Tit 3,4), leuchtet in einem solchen Tun auf. Damals wie heute. In der Stille mehr als in der Öffentlichkeit. Ein - mein - Wunsch für das Jahr 2007 ergibt sich wie von selbst: "Soziale Liebe" möge gelebt werden und damit "die Güte und Menschenfreundlichkeit unseres Gottes" hell aufleuchten. Ilse Limper, Wittlich

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