Sparen heißt das Gebot der Stunde

Sparen heißt das Gebot der Stunde

Nach einer Zeit der Investitionen ist Kloster Himmerod nun auf striktem Sparkurs. Die Fischerei wurde dichtgemacht, der Fischereimeister und Berater sind entlassen. Buch- und Klosterladen werden zusammengelegt. Doch wird nicht nur zurückgefahren: Ein Café zieht in den freien Laden ein.

Großlittgen. Bruder Konrad, der Verwalter des Himmeroder Klosters, spricht Klartext. "Wir haben zu kämpfen", sagt er, "aber Insolvenz? So weit ist es noch nicht." Klar formuliert der Mönch, der seit 2004 in Himmerod lebt und aus dem Saarland stammt, die Devise: "Wir müssen sparen, sparen, sparen."

Und das hat offensichtlich bereits genutzt. Die noch unvollständigen Zahlen für 2010 seien besser als in den Vorjahren, sagt er. Das Kloster sei dabei, die Verluste auf Null zurückzufahren. 2008 und 2009 betrug der Fehlbetrag laut Bundesanzeiger jeweils um die 200 000 Euro.

Zum strikten Sparkurs gehören laut Bruder Konrad die Entlassungen der jüngsten Vergangenheit und die Schließung der hochdefizitären Fischerei Ende 2010. Geschäftsführer Max Victor Limbacher, Unternehmensberater Hermann Barzen und Fischereimeister Axel Boor mussten ihren Hut nehmen. Letzterer tat dies nicht freiwillig, er klagt auf Wiedereinstellung. Als externer Geschäftsleiter arbeitet nun Wolfgang Hilgert, Unternehmensberater aus Koblenz, im Kloster mit. Forellen werden laut Hilgert zukünftig nur für den Bedarf im Restaurant und für Vorbestellungen in den Klosterteichen gehalten, die Teiche sollen verpachtet werden. Geräucherte Fische lässt Himmerod unter seinem Namen und nach eigener Rezeptur von einer Firma in Kastellaun herstellen. Sie werden in Lebensmittelmärkten und vor Ort verkauft.

Um Personal einzusparen, werden der Buch- und der Klosterladen zusammengelegt. Wie das Restaurant, das für die Winterpause geschlossen ist, soll das Geschäft im März wieder eröffnet werden. Doch wird in Himmerod nicht nur zurückgefahren: Ein Café zieht in den freigewordenen Klosterladen ein. Auch die übrigen Räume dieses Hauses sind vermietet, unter anderem an einen Arzt.

Bruder Konrad ist optimistisch, dass das Kloster, zu dem elf Mönche gehören, mit den aktuellen Einsparungen weiterlaufen kann. Der 53-Jährige räumt jedoch ein, dass der kleine Konvent zusammen mit Spezialisten weiter überlegt, wie das Kloster zu Geld kommen könnte. Der Masterplan von 2007 habe aus verschiedenen Gründen nicht funktioniert. Der Plan sollte dem Kloster mit regenerativer Energie (Miscanthus-Heizung, Wasserturbine) und Einnahmequellen (Klosterladen, Fischerei, Käserei) zur Selbständigkeit verhelfen.

Heizung und Turbine funktionieren wohl, die Einnahmequellen aber nicht. Der Verwalter schließt nicht aus, dass Ideen wie die Käserei später aufgegriffen würden, doch autark sei das Kloster noch lange nicht. Himmerod sei offen für Spenden und auf das Engagement der Ehrenamtlichen angewiesen.

Meinung

Neue Berater, neues Glück?

Kloster Himmerod ist als kulturelles und religiöses Zentrum wichtig für die Region und soll erhalten bleiben. Bei aller Unterstützung: In erster Linie müssen dafür die Mönche kämpfen. Man kann ihnen nur die Daumen drücken, dass ihre jetzigen Berater mehr Realitätssinn als der Bund Katholischer Unternehmer mit seinem Masterplan beweisen. Was die Mönche nicht können, ist für Nachwuchs sorgen. Der 76-jährige Pater Stephan leitet das Kloster für ein Jahr als Administrator. Es fehlt ein Abt-Nachfolger, der unter 70 Jahre alt ist und die Priesterweihe hat. Auch da kann man nur die Daumen drücken. m.maier@volksfreund.de